Chronik | Wien
26.05.2018

Fasten während des Ramadans: Immer wieder Probleme an Schulen

Eigentlich sind Kinder vom Fasten ausgenommen, so lange sie in die Schule gehen. Immer mehr wollen aber am Ritual teilhaben.

Seit dem 16. Mai ist Ramadan, der Fastenmonat der Muslime. Für die Dauer einer Mondphase, also 28 Tage lang, dürfen Gläubige zwischen Sonnenauf- und Sonnenuntergang nichts essen oder trinken. Dass das gravierende Auswirkungen auf den Körper haben kann, zeigte erst vor wenigen Tagen ein Fall im Burgenland. Ein 17-Jähriger erlitt am Donnerstagnachmittag einen Schwächeanfall, während er im Bezirk Jennersdorf mit seinem Moped unterwegs war. Er kam zu Sturz und brach sich das Schlüsselbein. Der Bursch aus Afghanistan gab später an, dass er den ganzen Tag über nichts Essbares oder auch nur Wasser zu sich genommen hatte.

Ähnliche Probleme gibt es auch an Schulen. Eigentlich sind Kinder und Jugendliche vom religiösen Zwang zu Fasten ausgenommen, so lange sie noch die Schule besuchen. In Wien wollen aber immer mehr junge Menschen an dem Ritual teilhaben. Heidi Sequenz, Lehrerin und Klubobfrau der Grünen Donaustadt, sieht die Entwicklung kritisch: „Die Lehrer machen sich alle Sorgen. Teilweise sind die Kinder erst 12 Jahre alt. Es ist sehr schädlich für den Körper, wenn man 16 Stunden lang keinen Schluck Wasser trinkt.“

Entschuldigungen wegen Fastens

Auch im Turnunterricht käme es immer wieder zu Problemen. Es gebe Entschuldigungen, weil die Kinder fasten und in der Zeit einfach zu schwach wären für Sport. Aber nicht nur körperliche Betätigung ist schwierig. „Die Kinder stehen in der Nacht um zwei Uhr auf, um zu essen. Das dauert bis zu zwei Stunden lang. Unter dem Schlafmangel leiden natürlich auch die Konzentration und später die schulischen Leistungen“, sagt Sequenz.

Beim Wiener Stadtschulrat würden nur vereinzelt Beschwerden wegen Problemen mit fastenden Kinder gemeldet werden. Die Kinder- und Jugendanwaltschaft hat heuer zum zweiten Mal einen Brief für Eltern veröffentlicht, der auf die Risiken aufmerksam machen soll. „Es geht uns darum, Alternativen zu zeigen. Kinder können zum Beispiel auf Süßigkeiten verzichten“, sagt der Wiener Kinder- und Jugendanwalt Ercan Nik Nafs. Außerdem sollten Schulen und Bildungseinrichtungen überlegen, auf sportliche Veranstaltungen während des Ramadans zu verzichten.