Fahrtendienst statt Aufzug für die Station Pilgramgasse
Evelyn Brezina hat die sogenannte Glasknochenkrankheit und sitzt im Rollstuhl. Sie wohnt zwei Minuten von der U-Bahn-Station Pilgramgasse entfernt. Seit mehr als einem Jahr muss sie immer, wenn sie die U4 nutzt, in ihrem Rollstuhl zur Station Kettenbrückengasse fahren.
Der Grund für den Umweg: Die Station Pilgramgasse hat für Jahre keine Aufzüge. Richtung Heiligenstadt gibt es nur noch einen Treppenaufgang. Richtung Hütteldorf wurde zwar eine Rampe gebaut, aber die ist für Brezina viel zu steil.
Dieses Problem kennen auch andere Menschen mit Mobilitätseinschränkung – etwa solche mit Rollator. Und Eltern mit Kinderwagen. Nun bieten die Wiener Linien – nach langem Ringen – zumindest für einen Teil dieser Personen eine Lösung an: einen Fahrtendienst, der sie von zu Hause abholt und direkt ihr Ziel bringt.
Anmeldung
Den Fahrtendienst dürfen alle Personen mit eingeschränkter Mobilität und deren Begleiter nutzen. FFP2-Maske und Wiener-Linien-Ticket sind dazu erforderlich. Anmelden kann man sich am Vortag oder spontan (wobei dann mit 30-minütiger Wartezeit zu rechnen ist) per Mail an wlv.dispo@wlb.at oder unter 01 / 815 60 70
Von Tür zu Tür
Der Dienst ist ein U4-Ersatz für Personen, die entweder aus dem Bereich Brückengasse bzw. Hundsturm – Rüdigergasse bzw. Eggerthgasse – Gumpendorfer Straße – Wiedner Hauptstraße abfahren wollen oder von einem anderen Ort in diesen Bereich müssen. Der Probebetrieb läuft von 15. April bis 15. Juli. Danach wird das Angebot evaluiert
Die Station Pilgramgasse wird bis 2027 ohne Lifte bleiben. Sie wurden wegen der Baustelle für das Linienkreuz von U2 und U4 abgerissen. Diese Situation wollte die Behindertenanwaltschaft nicht hinnehmen – und drohte den Wiener Linien mit einer Klage. Nun hat man eine außergerichtliche Lösung gefunden.
Der Fahrtendienst wird von den Wiener Lokalbahnen betrieben: Ein behindertengerechter Kleintransporter holt Menschen mit Mobilitätseinschränkung im Umkreis der Station Pilgramgasse ab (Details siehe Infobox). Man braucht dafür nur ein Wiener-Linien-Ticket.
Aus Sicht des Behindertenanwalts war der Dienst dringend nötig: „Ein öffentliches Verkehrsmittel hat barrierefrei zu sein. Für die Wiener Linien ist das Ganze peinlich – und jetzt auch teuer“, sagt Hansjörg Hofer. Man habe einfach Lifte haben wollen.
Pilotphase
Aufzüge sind laut Wiener Linien auf der Baustelle unpraktikabel. „Bei dieser Jahrhundertbaustelle ist das bautechnisch unmöglich“, sagt Hans-Jürgen Groß. Er ist bei den Stadtwerken, zu denen die Wiener Linien gehören, für Barrierefreiheit zuständig.
Sein Posten wurde im Zuge der Aufregung um die Pilgramgasse geschaffen. Mit dem Dienst gehe man neue Wege, sagt Groß. In einer Testphase bis 15. Juli will man nun beobachten, ob sich das Service bewährt.
Unter den Betroffenen ist man (noch) skeptisch: „Nicht immer sind Fahrtendienste verlässlich“, sagt Brezina. „Aber ich werde ihn testen.“
Kommentare