Hauseinsturz in Wien: 19-Jähriger tot, Vermisste geborgen

Rettungskräfte bergen eine verletzte Person aus den Trümmern eines eingestürzten Gebäudes.
Ein Toter und 13 Verletzte nach Hauseinsturz. Frau nach acht Stunden geborgen. Auswirkungen auf Öffis.

Die Explosion eines Hauses in der Äußeren Mariahilfer Straße löste am Samstag eine dramatische Rettungsaktion aus. Die Suchtrupps und Bergemannschaften riskierten in dem Trümmerhaus ihr Leben, um Bewohner zu retten. Im Fall eines 19-Jährigen war die halsbrecherische Aktion vergeblich. Der junge Mann konnte zwar fünf Stunden nach dem Hauseinsturz geborgen werden. Er starb aber im Spital.

Am späten Nachmittag, mehrere Stunden nach der Bergung des 19-Jährigen, schlugen die Hunde erneut an. Mit Motorsägen und schwerem Gerät kämpften sich die Helfer durch Balken und Schutt. „Die starken Balken liegen herum wie Mikado-Stäbchen, da bilden sich Hohlräume“, erklärt Feuerwehr-Sprecher Christian Feiler. Acht Stunden nach der Explosion wurde eine 48-jährige Bewohnerin aus einem solchen Hohlraum geborgen. Die Frau war laut Polizeisprecherin Adina Mircioane ansprechbar und dem ersten Anschein nach auch nicht schwer verletzt. Sie wurde in ein Krankenhaus gebracht.

Staubwolke

Es war eine gewaltige Druckwelle, die am Samstag kurz nach 10 Uhr die Umgebung des viergeschoßigen Wohnhauses erschütterte. Mit einem ohrenbetäubenden Knall stürzten weite Teile des Altbaus vom Dach bis zum ersten Stock in sich zusammen. Laut den Einsatzkräften gilt eine Gasexplosion als die wahrscheinlichste Unglücksursache.

„Nach den ersten Notrufen ist sofort ein Großeinsatz angelaufen“, erklärt Polizeisprecherin Adina Mircioane. Da von einer großen Anzahl an verletzten Personen ausgegangen werden musste, wurde der Katastrophenzug der Wiener Berufsrettung alarmiert. Die Feuerwehr rückte mit 35 Fahrzeugen und 110 Mann am Unglücksort an. An der Einsatzadresse bot sich ein Bild der Zerstörung. Vor dem eingestürzten Haus stand ein Auto in einem Trümmerberg.

„Es war eindeutig, dass das Gebäude massiv einsturzgefährdet ist. Dennoch galt es, so rasch wie möglich die Verletzten zu bergen, und nach Überlebenden zu suchen. Die Einsatzkräfte mussten dafür ihr Leben riskieren“, schildert Feuerwehr-Sprecher Feiler.

13 Bewohner aus den weniger stark verwüsteten Gebäudeteilen konnten rasch aus dem Haus gebracht und medizinisch versorgt werden. Alle Verletzten wurden zur weiteren Betreuung in die umliegenden Krankenhäuser gebracht, zehn Personen wurden bereits wieder in häusliche Pflege entlassen.

Schallortung

Trotz des Einsturzrisikos entschieden Feuerwehr und Rettung, weitere Suchmannschaften mit Spürhunden in den Trümmerkegel zu schicken. „Zur selben Zeit wurde das Haus notdürftig mit einer Pölzung gesichert“, erklärt Feiler.

Die Entscheidung erwies sich als richtig: Die Suchhunde witterten unter den Schuttbergen die verschütteten Personen und schlugen mit lautem Gebell an. Daraufhin gelang es der Schallortungsgruppe der Feuerwehr mit ihren Geräten die Personen zu lokalisieren.

Feuerwehrleute räumen Trümmer auf einer Straße.
APA18077298 - 26042014 - WIEN - ÖSTERREICH: Bei einer Explosion in der Mariahilfer Straße in Wien Rudolfsheim-Fünfhaus ist am Samstag, 26. April 2014, ein viergeschoßiges Haus teilweise eingestürzt. Bei dem Haus in der Äußeren Mariahilfer Straße/Ecke Denglergasse handelt es sich um einen Altbau mit drei Obergeschoßen. Im Erdgeschoß sind mehrere kleine Geschäftslokale eingerichtet. APA-FOTO: HERBERT P. OCZERET
Während an der Unglücksstelle die Aufräumarbeiten noch Tage in Anspruch nehmen werden, ist die Stadt Wien indes bemüht, Ersatzquartiere für die betroffenen Bewohner zu finden. In dem eingestürzten Gebäude sind 51 Personen offiziell gemeldet. „Derzeit kann keiner der Bewohner in das Gebäude zurück, die Zerstörung ist viel zu massiv“, erklärt ein Techniker der Gemeinde. 18 Personen, die nicht bei Verwandte oder Bekannte unterkommen konnten, wurden in einem Notquartier des Büros für Sorfortmaßnahmen in Liesing untergebracht. Für sie werden jetzt Wohnungen organisiert, in denen sie längerfristig bleiben können.

Auswirkungen auf Öffis

Die Explosion hat auch Auswirkungen auf den öffentlichen Verkehr. Die Straßenbahnen der Linien 52 und 58 mussten bis auf weiteres in Richtung Westbahnhof kurzgeführt werden. Sie fahren nur zwischen Baumgarten bzw. Hummelgasse und Bahnhof Rudolfsheim. „Die Arbeiten gehen mit voller Kraft weiter. Wir hoffen, dass bis Montag die Behinderungen für den Verkehr beseitigt sind“, meinte Gerald Schimpf von der Feuerwehr.

Bilder des Einsturzes:

Ein teilweise zerstörtes Gebäude mit freiliegendem Dachstuhl und Trümmern.

Eine Gasexplosion in einem Haus in der Mariahifer …
Feuerwehrleute der Berufsfeuerwehr Wien stehen vor einem Trümmerhaufen.

Eine Gasexplosion in einem Haus in der Mariahifer …
Rettungskräfte bergen eine Person mit einer Trage aus einem beschädigten Gebäude.

Eine Gasexplosion in einem Haus in der Mariahifer …
Feuerwehrleute der Berufsfeuerwehr Wien arbeiten inmitten von Trümmern auf einer Straße.

Eine Gasexplosion in einem Haus in der Mariahifer …
Einsatzkräfte der Wiener Berufsfeuerwehr arbeiten an einer Schadensstelle mit Trümmern.

Eine Gasexplosion in einem Haus in der Mariahifer …
Polizei und Rettungskräfte sind nach einem Vorfall vor Ort.

Eine Gasexplosion in einem Haus in der Mariahifer …
Feuerwehrleute in Wien tragen eine verletzte Person auf einer Trage durch Trümmer.

Eine Gasexplosion in einem Haus in der Mariahifer …
Ein Gebäude mit einem zerstörten Dach und Trümmern vor der Fassade.

EXPLOSION IN WIEN-FÜNFHAUS: HAUS EINGESTÜRZT
Ein Feuerwehrmann, eine Frau mit Decke und eine weitere Frau gehen auf einer regnerischen Straße, im Hintergrund Feuerwehr und Polizei.

Eine Gasexplosion in einem Haus in der Mariahifer …
Einsatzkräfte stehen vor einem Trümmerhaufen auf Bahngleisen.

Eine Gasexplosion in einem Haus in der Mariahifer …
Ein Feuerwehrmann steht vor einem Trümmerhaufen, in dem ein Auto begraben liegt.

Eine Gasexplosion in einem Haus in der Mariahifer …
Sanitäter stehen mit Tragen vor einem Rettungswagen in der Stadt.

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Einsatzkräfte der Feuerwehr und Sanitäter stehen auf einer Straße in Wien vor einem beschädigten Gebäude.

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Die zerbrochene Schaufensterscheibe eines Bekleidungsgeschäfts liegt auf dem Gehweg.

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Mehrere Rettungswagen und Notärzte stehen auf einer regnerischen Straße in Wien.

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Einsatz der Berufsfeuerwehr Wien nach einem Gebäudeeinsturz.

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Ein Gebäude mit teilweisem Dacheinsturz und ein Rettungswagen im Vordergrund.

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Ein beschädigtes Gebäude mit Trümmern und ein Feuerwehrmann in einem Kranwagen.

Feuerwehrleute bergen eine Person mit einer Trage aus einem beschädigten Gebäude.

Eine Gasexplosion in einem Haus in der Mariahifer …
Sanitäter und Feuerwehrleute transportieren eine verletzte Person auf einer Trage.

Eine Gasexplosion in einem Haus in der Mariahifer …
Ein Gebäude wurde durch eine Explosion oder einen Einsturz beschädigt, Feuerwehrleute sind vor Ort.

Eine Gasexplosion in einem Haus in der Mariahifer …

Das war wie am 11. September. Eine dicke Staubwolke zog durch die Straßen, man konnte nicht einmal mehr die Hand vor Augen sehen“. Tony Pusztai und Gergis Nader betreiben neben dem Wohnhaus in der Äußeren Mariahilfer Straße 185 ihre Geschäftsläden. Sie erlebten den Hauseinsturz Samstagvormittag aus nächster Nähe mit.

„Ich dachte, jetzt ist vor der Türe eine Autobombe explodiert. Die Wände haben gebebt und die Leute sind aus den Häusern und Geschäften auf die Straße gelaufen“, schildert Pusztai die dramatischen Momente.

Zunächst herrschte große Verunsicherung, was genau geschehen war. Kurz nach dem ohrenbetäubenden Knall des Einsturzes herrschte bedrückende Stille. Nur ab und an war ein Schrei zu vernehmen. „Wo das genau herkam, wusste man aber nicht“, erzählt der Mitarbeiter einer Fleischerei nur unweit der Unglücksstelle. Die Mariahilfer Straße glich im näheren Umkreis eines Trümmerfeldes. Ziegel wurden gegen das gegenüberliegende Gebäude geschleudert, Autos unter den riesigen Schutthaufen begraben.

Auch Dutzende Auslagenscheiben hatten der Druckwelle ebenso wenig Stand gehalten, wie die Fenster der benachbarten Wohnungen. „Mit einem Knall sind die Scheiben einfach rausgeflogen“, zeigt Nader auf den Scherbenhaufen vor seinem Geschäftslokal. Die ausgefallenen Wasserpfeifen, die er verkauft, liegen kreuz und quer in seinem Laden. Aus Angst davor, bestohlen zu werden, bemühten sich die Unternehmer, ihre beschädigten Auslagen vor dem Abend zu verbarrikadieren. An den Einbau neuer Scheiben war so rasch nicht zu denken.

Eine Luftaufnahme von Wien mit der Mariahilfer Straße und dem Dadlerpark.

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