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Chronik | Wien
03/19/2019

Expertenbericht zu Cannabis: Alles Schall und Rauch?

Der parlamentarisch geforderte Bericht zu Medizinalhanf liegt vor. Die Experten sollen im Sinne der FPÖ gehandelt haben.

„So eine Arbeit hätte ich mich im zweiten Studienjahr nicht vorzulegen getraut“, sagt Daniela Holzinger, Gesundheitssprecherin von JETZT. Holzinger bezieht sich auf den Expertenbericht, den das Parlament im Sommer 2018 beim Gesundheitsministerium in Auftrag gegeben hat. Es ging dabei um Cannabis in der Medizin. Der Bericht ist elf Seiten lang und laut JETZT im Sinne der FPÖ erstellt worden, die Cannabis und CBD sehr kritisch gegenüber steht. Die Oppositionsparteien wollen nun nächste WOche einen neuen Bericht beantragen, der von einem neutralen Institut durchgeführt werden soll.

In Österreich ist es sehr schwierig, Cannabisprodukte zu erhalten. Zwar gibt es die Möglichkeit, Präparate zu beantragen, diese sind aber synthetisch. Der Antrag wird nicht in allen Fällen bestätigt.

Nicht ausreichend Expertise

So wurden beispielsweise weder die Apothekerkammer noch damit behandelnde Ärzte oder betroffene Patienten für den Bericht herangezogen. Das würde laut Kritikern zu dem Ergebnis führen, dass der Status Quo bestehen bleibt. Ende letzten Jahres hatte die Gesundheitsministerin verfügt, dass Öle und Sprays, die Cannabis enthalten, nicht mehr verkauft werden dürfen.

Weiterhin erlaubt ist es allerdings, Cannabis, das wenig THC und vor allem CBD enthält, in Reinform zu kaufen und es zu rauchen. CBD ist ein Stoff der Pflanze, der nicht berauschend wirkt und medizinischen Nutzen für Epileptiker, Multiple Sklerose-Patienten und Schmerzpatienten haben soll.

Wirkstoff THC

Wirkstoff CBD

Nach Vorlegen des Berichts im Gesundheitsausschuss am Dienstag wäre das Thema nun gegessen. Daniela Holzinger will aber eine sogenannte Nicht-Enderledigung beantragen. Der Gesundheitsausschuss tagt in diesen Minuten.

Befangene Experten?

Wichtig ist den Cannabis-Befürwortern vor allem, dass die Pflanzen in Reinform verkauft werden und Patienten nicht mehr auf künstlich hergestellte Medikamente zurückgreifen müssen. Der Bericht kommt zu dem Schluss: „Zu den Kosten von Hanfblüten stehen dem Hauptverband keine Daten zur Verfügung, Erfahrungen aus Deutschland deuten darauf hin, dass Blüten zu den teuersten Cannabinoid-Optionen gehören.“

Das will Daniela nicht so stehen lassen, denn die AGES zieht in Österreich Hanfblüten. Diese werden allerdings nach Deutschland an den Pharmakonzern Bionorica verkauft und daraus Arzneimittel hergestellt. JETZT glaubt zu wissen, dass die befragten Experten aber ein Naheverhältnis zu dem Pharmakonzern haben.

Jährlich zehn Prozent mehr Verschreibungen

Laut dem Gesundheitsministerium werden jährlich 40.000 Verordnungen pro Jahr in Österreich genehmigt. Das entspricht einer Gesamtumsatzsumme von etwa zehn Millionen Euro. Hauptsächlich würden Schmerzpatienten mit Dronabinol behandelt, dessen Wirkstoff THC ist. Die Zahl der Patienten steigt seit 2015 jährlich um zehn Prozent an.

Laut dem Arzt und Experten Kurt Blaas gäbe es in Österreich aber 200.000 bis 300.000 Menschen, die sich mit CBD oder THC selbst „behandeln“ und illegal Cannabis kaufen. Die Wirkstoffe würden nämlich auch gegen psychische Beschwerden wie Stress, Panik oder Depressionen helfen.

Talk mit Schmerzpatient Peter Kolba und Gabriele Fischer aus dem Gesundheitsausschuss