ESC-Senioren-SingAlong: „Musizieren bringt alle zusammen“
Erika Jirkal zupft noch einmal ihr oranges Halstuch zurecht, nimmt den Liedtext in die Hand und blättert durch. Rund um sie nehmen immer mehr Menschen auf der Bühne Platz – angezogen in Bluse und Halstuch wie sie.
„Ich freue mich schon sehr vor allen zu singen“, sagt Jirkal mit einem Lächeln. „Aufgeregt bin ich aber auch, das Herzerl pumpert schon.“Seit einem dreiviertel Jahr ist die Seniorin Mitglied des Chors im Haus Hetzendorf, einem Standort der Pensionisten-Wohnhäuser „Häuser zum Leben“.
Der Saal füllt sich rasch. Nicht nur Bewohner aus Hetzendorf setzen sich an die bunt dekorierten Tische, sondern auch Gäste aus anderen Häusern, für die eigens ein Transport organisiert wurde. Rund 200 Menschen sind an diesem Nachmittag gekommen.
ESC-Klassiker aufleben lassen
Der Anlass für die festliche Stimmung: ein großes Senioren-SingAlong rund um den Eurovision Song Contest. Im April brachte der ORF gemeinsam mit den „Häusern zum Leben“ ESC-Stimmung an drei Standorte: im Haus Leopoldau, im Haus Augarten und als krönenden Abschluss im Haus Hetzendorf vergangenen Freitag.
Ziel ist es, den Song Contest schon vor dem großen Finale am 16. Mai dorthin zu bringen, wo viele Menschen ihn über Jahrzehnte hinweg miterlebt haben. Begleitet wird das Programm von Sängerin Monika Ballwein, moderiert von Eva Pölzl.
ESC-Klassiker wie „Ein bisschen Frieden“ von Nicole und „Merci, Chérie“ von Udo Jürgens wurden gesungen.
Der Schwerpunkt der Liederauswahl liegt auf älteren ESC-Klassikern. Als Favorit unter dem Publikum gilt insbesondere „Ein bisschen Frieden“ von Nicole und „Merci, Chérie“ von Udo Jürgens. Für viele im Saal sind diese Lieder eng mit Erinnerungen verbunden. So auch für die 91-jährige Maria Kendl. Sie ist Chormitglied und freut sich, ein paar ihrer Lieblingslieder zu singen:„Wir alle wollen diese Lieder, weil sie Nostalgie bringen.“
Neben ihr sitzt der 96-jährige Richard Steurer, ebenfalls im weißen Hemd mit orangem Halstuch. Seit 2011 lebt er im Haus Hetzendorf. Den hausinternen Chor gebe es in der jetzigen Form und unter der Leitung zwei ehrenamtlicher Freiwillige erst seit zwei Jahren. Jede Woche wird entweder geprobt oder aufgetreten. „Heute aber zum ersten Mal in Uniform“, sagt er und richtet sein Tuch.
Auch ESC-Maskottchen "Auri" war dabei und sorgte für viel Freude bei den Gästen
Während der Chor aus rund 20 Mitgliedern singt, scheint sich die harte Arbeit ausgezahlt zu haben. Einige Bewohner singen freudig mit, andere klatschen, manche schwingen auf ihren Plätzen zum Rhythmus. Die 72-jährige Regina Stiebsitz ist eine von ihnen. Mit ihren drei Freundinnen sitzt sie in der Mitte des Publikums, ausgelassene Stimmung herrscht „Wir haben immer sehr viele Besucher, aber heute sind wir extrem viele.“ Für sie, nicht verwunderlich, bei so einem tollen Programm könne man nur zusammenkommen.
Zeitreise für Bewohner
Dass das Interesse so groß ist, überrascht auch Christian Hennefeind, Geschäftsführer des Kuratoriums Wiener Pensionisten-Wohnhäuser (KWP), nicht. „Die Häuser zum Leben sind bekannt dafür, tolle Veranstaltungen zu machen.“ Für ihn sei aber das ESC-SingAlong auch ein besonderer Moment. „Viele unserer Bewohner haben alle drei Songcontests in Wien miterlebt. Für sie ist das eine schöne Zeitreise “, sagt Hennefeind.
Auch Hausleiterin Anna Freisseis freut sich über die bunte Veranstaltung: „Der Song Contest verbindet Generationen und wenn die Generation unserer Bewohner so aktiv eingebunden wird, ist das für uns etwas Besonderes.“ Nachdem sich der ORF für das SingAlong an die „Häuser zum Leben“ gewendet hatte, meldete Freisseis sofort Hetzendorf an.
Auch um den hausinternen Chor vor den Vorhang zu holen. „Musizieren bringt alle zusammen und solche Veranstaltungen helfen auch unseren Bewohnern an der Gesellschaft teilzunehmen.“ Und während der Chor schon das nächste Lied anstimmt, greifen die Hände wieder zu den Liedtexten und blättern zur nächsten Seite.
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