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Glockenläuten gegen Hunger: Erzbischof Grünwidl zur Klimakrise

3.000 Glocken in Österreich machen am Freitag um 15 Uhr mit ihrem Läuten auf die Hunger- und die Klimakrise aufmerksam.
Glocken Stephansdom

Die Aktion hat Tradition, und sie bleibt offenbar notwendig: Einmal im Jahr läuten alle Kirchenglocken Österreichs - 3.000 an der Zahl -, um auf die Hungerkrise in der Welt aufmerksam zu machen. Heuer stieg der neue Wiener Erzbischof Josef Grünwidl gemeinsam mit Caritas-Direktor Klaus Schwertner auf den Glockenturm des Stephansdoms, um auf den Hunger aufmerksam zu machen, der untrennbar mit der Klimakrise verbunden sei, wie Grünwidl betonte. 

Grünwidl und Schwertner bahnten sich erst den Weg durch das Gewusel im Stephansdom, ehe es im engen Aufzug und dann die steilen Holztreppen hinauf zu den Glocken ging. Im Stephandom wurden drei Glocken angestimmt - Stephanus, Christophorus und Leopold. „Die Glocken sollen uns kein schlechtes Gewissen machen“, versicherte Grünwidl, der sich direkt bei den Glocken zur Sicherheit einen Schutz in die Ohren steckte.

„Nachdenken, wo wir helfen können“

Dass die Glocken im ganzen Land gehört werden, darauf hoffen Grünwidl und Schwertner. „Ja, wir können dankbar sein, dass es uns gut geht“, stellte Grünwidl klar, „das Läuten der Glocken kann aber ein Impuls sein, nachzudenken und zu reflektieren, wo wir helfen und teilen können.“ 

Er sei sich dessen zwar bewusst, dass die Hungerkrise nicht von einem einzelnen gelöst werden könne, mit Verweis auf ein Zitat von Adolf Kolping appellierte Grünwidl: „Was du im Großen nicht ändern kannst, sollst du im Kleinen nicht unversucht lassen.“ 

Und dann zog Grünwidl die nachweisbare Verbindung zwischen Hunger- und Klimakrise. Die Auswirkungen in Österreich habe er sowohl bei einem Urlaub in den Bergen verspürt, die aktuelle Hitzewelle führt nicht zuletzt auch in Wien zu großen Problemen. Viel mehr allerdings treffe die Klimakrise aber die Menschen im globalen Süden.

"Klimakrise bei uns spürbar"

"Die Klimakrise ist längst auch bei uns spürbar und ist mit ein Verursacher der Hungerkrise", betonte Grünwidl, das Problem verschärfe die Situation im globalen Süden." Im Südsudan etwa zerstören Dürren und Überschwemmungen Ernten, treiben Familien in die Armut und verschärfen den Hunger von Millionen Menschen. Gerade für Christen spiele die Bewahrung der Schöpfung eine große Rolle, führte Grünwidl aus. Die Glocken würden nun daran erinnern, dass wir alle aufgerufen sind, zu helfen. 

Glocken Stephansdom

Erzbischof Josef Grünwidl und Caritas-Direktor Klaus Schwertner. 

Weltweit leiden aktuell 645 Millionen Menschen an Hunger. Das entspricht fast acht Prozent der Weltbevölkerung. „Hunger ist und bleibt eine der größten humanitären Herausforderungen unserer Zeit. Besonders dramatisch ist die Lage etwa im Südsudan, wo Konflikte, Armut und die Folgen der Klimakrise zusammenwirken und Millionen Menschen in existenzielle Not bringen“, betont Schwertner.

Erzbischof Grünwidl zeigte sich überzeugt: „Die Hungerkrise im 21. Jahrhundert wäre zu lösen, wenn statt in Waffen in internationale Hilfe gegen Hunger investiert werden würde.“ Generell wolle er auch in Sachen Klimakrise der Politik keine Tipps geben. Aber Sparstift bei der Hilfe bei den Ärmsten anzusetzen, sei der falsche Weg.

Was auch Schwertner unterstrich: „Wenn Staaten ihre Unterstützung zurückfahren, trifft das die Ärmsten zuerst. Entwicklungszusammenarbeit und humanitäre Hilfe sind keine freiwillige Wohltat, sondern ein Ausdruck gemeinsamer Verantwortung. Unser Appell an die Bundesregierung lautet daher, dieses Engagement zu stärken – so wie es auch im Regierungsprogramm festgeschrieben steht – und den Kampf gegen Hunger konsequent zur politischen Priorität zu machen.“ 

Denn, und Schwertner formulierte das betont drastisch, „jedes Kind, das an Hunger stirbt, wird ermordet. Niemals dürfen wir dazu schweigen.“

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