Chronik | Wien
14.10.2018

Erstes Foto: Dieser Jet könnte die Saab 105 ersetzen

Möglicher kleiner Bruder für den Eurofighter (oder den Gripen) wurde erstmals der Öffentlichkeit gezeigt.

Der tschechische Flugzeugbauer Aero Vodochody hat am Freitag in der Nähe von Prag sein neues Militär-Schulflugzeug L-39NG vorgestellt. Es ist eines der Modelle, die auch für Österreichs Luftraumverteidigung im Gespräch sind, als Schulungsflugzeuge und leichte Abfangjäger zusätzlich zum Eurofighter oder Saab Gripen. Die L-39NG soll 2020 in Serienproduktion gehen. Von seinem Vorgänger (der L-39 Albatros) sind zwischen 1970 und 1997 über 2800 Stück gefertigt worden, etwa für die Luftstreitkräfte der DDR.

Mitte September durfte der KURIER als erstes österreichisches Medium die Produktionsstätte des neuen Fliegers besuchen. "Wir haben Österreich ein attraktives Angebot gemacht“, erklärte dabei Firmenchef Giuseppe Giordo. Aus dem Firmenumfeld wurden Stückkosten von angeblich nur rund zwölf Millionen Euro kolportiert. Insgesamt soll es ein Angebot für bis zu 18 Flugzeuge – inklusive Training und allem Drum und Dran – für 300 Millionen Euro geben. Die Konkurrenz dürfte jedenfalls höher liegen.

Verteidigungsminister Mario Kunasek (FPÖ) überlegt derzeit die Anschaffung neuer Abfangjäger. Dabei gibt es verschiedene Varianten, so könnte ein Flieger sowohl die Aufgaben der Eurofighter als auch der Saab 105 übernehmen. Als wahrscheinlicher gilt aber eine Variante mit zwei Jets, als großer wäre der Eurofighter (oder vor allem der Saab Gripen) ein Thema, als kleinerer könnte dann der tschechische Flieger L-39NG einspringen. Sein Vorteil ist der geringe Preis, allerdings ist er langsamer als seine Konkurrenten und ein neuer Flieger ist anfälliger für Kinderkrankheiten. Der Hersteller betont allerdings, dass die Komponenten ausgereift sind.

Eine Entscheidung über die neuen Flugzeuge soll noch heuer getroffen werden. Für die L-39NG sprechen auch die traditionell guten Verbindungen der FPÖ nach Tschechien. Der tschechische Premier Andrej Babiš betonte bei der Präsentation des neuen Flugzeuges, dass die Regierung den Jet unterstützt.

"Unsere Lösung hat wenig Risiko", preiste Firmenchef Giuseppe Giordo seinen neuen Flieger zuletzt im KURIER-Interview an. "Wir haben die L-39NG bereits nach Senegal und an Firmen in Portugal und den USA verkauft. Wenn sogar Privatfirmen investieren, dann sieht man dass der Jet wohl gut sein wird. Aero hat bereits 11.000 Flugzeuge gebaut – so viele Jets wie kein anderer Hersteller weltweit. Wir sind keine Ostblockfirma, wir sind längst ein normales mitteleuropäisches Unternehmen."

Abgehoben ist der neue Jet jedenfalls vorerst noch nicht, der Erstflug ist aber noch für heuer geplant. Dann wird man sehen, wie sich die L-39NG in der Praxis bewährt. Laut Medienberichten waren jedenfalls auch zwei Vertreter des österreichischen Verteidigungsministeriums bei der Präsentation dabei. Offenbar besteht hier tatsächlich Interesse. Schärfster Konkurrent ist aber die italienische M-346, die von Insidern als mutmaßlicher Favorit angesehen wird. Dieser Jet ist leistungsstärker aber auch entsprechend teurer.