Chronik | Wien
21.03.2013

Manager prellte Stadt Wien mit dubiosen Scheinrechnungen

Nach der Affäre bei Wiener Wohnen platzt nun der nächste Kriminalfall im Wiener Rathaus.

Im Wohnbauressort im Wiener Rathaus schrillen die Alarmglocken, seit die Korruptions-Staatsanwaltschaft gegen einen großen Malerbetrieb und drei hochrangige Werkmeister der städtischen Wohnhäuserverwaltung in Sachen Amtsmissbrauch, Untreue und Absprachen bei Vergaben ermittelt (der KURIER berichtete).

Nun aber hat die Angelegenheit eine weitere kriminelle Dimension erreicht: Man ist auch im Wohnservice Wien fündig geworden und hat einen leitenden Mitarbeiter des Rechnungswesens fristlos entlassen.

Ausgangspunkt der Ermittlungen der Staatsanwaltschaft waren im ersten Fall anonyme Anzeigen aber auch eine Sachverhaltsdarstellung von Wiener Wohnen selbst, da man seit Monaten den Verdacht von unredlichen Tätigkeiten in Richtung Preisabsprachen hegte.

Im Zuge der Untersuchungen der internen Revision hat Wohnbaustadtrat Michael Ludwig kurz vor Jahreswechsel auch verfügt, dass ein eigener „Verhaltenskodex“ ausgearbeitet wurde. Es wurde doppelt kontrolliert, Buchungsfehler hinterfragt und Rechnungen drei Mal umgedreht, bevor man sie saldierte.

Fingierte Leistungen

Und siehe da, die neue Kontrolle ist offenbar fündig geworden: Der leitende Angestellte des Wohnservice Wien hat – so Ludwig – mit „hoher krimineller Energie“ in die eigene Tasche gearbeitet. Nach einem Kassasturz geht man derzeit von einen sechsstelligen Schadensbetrag aus. Kunden des Wohnservice dürften laut Ludwig aber nicht zu Schaden gekommen. Bei den bisher aufgedeckten Fällen handelt es sich zum Großteil um Scheinrechnungen für nicht erbrachte Leistungen. Hunderttausende Euro seien in der Folge auf Konten geflossen, die der Verdächtige angelegt haben soll.

Wohnbaustadtrat Ludwig ist sicher, dass durch den neuen Verhaltenskodex Malversationen nun fast ummöglich seien. Ein neues Untersuchungsteam durchforstet derzeit alle Abteilungen auf Ungereimtheiten bei Abrechnungen, auf Umfänge von Aufträgen und die entsprechenden Zahlungsflüsse. Und man sucht auch weiter auf Computerfestplatten von Mitarbeitern nach möglichen Korruptions-Hinweisen.

Der betroffene Mitarbeiter legte nach der Konfrontation ein umfassendes Geständnis ab. Nach der fristlosen Entlassung wurde er bei der Staatsanwaltschaft angezeigt und wird mit Schadenersatz rechnen müssen.

„Wir werden den Fall lückenlos aufklären“, sagte Wohnbaustadtrat Ludwig zum KURIER.

Wiener Wohnen und Wohnservice Wien

Seit 2005 errichtet die Stadt Wien keine neuen Gemeindebauten, stattdessen werden geförderte Wohnungen gebaut. Während Wiener Wohnen die Gemeindebauten verwaltet, ist das Wohnservice Wien für den geförderten Wohnbau zuständig. Im Zuge der Untersuchungen bei Wiener Wohnen stießen die Prüfer auch im Wohn­service auf Ungereimtheiten.

Die Wohnservice Wien Ges.m.b.H. ist eine 100%ige Tochter der Stadt Wien und hat knapp 200 Mitarbeiter. Sie sind in erster Linie mit der Vergabe der geförderten Wohnungen betraut. Zudem sind im Wohnservice auch ein Infocenter für alle Fragen zum Thema Wohnen und die Mieterhilfe angesiedelt. Die Mieterhilfe berät Wiener kostenlos bei Fragen zum Mietrecht oder der Betriebskostenabrechnung und steht bei Konflikten den Mietern beratend zur Seite. Im Zuge der Neustrukturierung von Wiener Wohnen soll auch das Wohnservice Wien in die neue Wiener-Wohnen-Zentrale nahe des Gasometers nach Erdberg übersiedeln.