Chronik | Wien 05.01.2013

„Er hielt mir die Pistole an den Kopf“

opfer, 15., Freiheitsberaubung © Bild: KURIER /gruber franz

Wienerin wurde von Ex-Freund eingesperrt und mit einer Gaspistole bedroht.

„Ich bin nur froh, dass unsere Tochter nicht dabei gewesen ist“, sagt die Wienerin mit zittriger Stimme und Tränen in den Augen. Die 35-Jährige wurde zwei Tage von ihrem Ex-Lebensgefährten in einer Wohnung in der Ullmannstraße, Rudolfsheim-Fünfhaus, festgehalten und mit Mord bedroht. Am Freitag wurde sie von der Polizei befreit.

Die Kellnerin hatte sich bereits im Mai von ihrem Lebensgefährten getrennt. Am Abend des 2. Jänner wollte sie eigentlich nur ein paar Sachen aus der gemeinsamen Wohnung holen. Es kam erneut zum Streit. „Er hat mir das Handy weggenommen und SMS von meinem neuen Freund gelesen“, schildert die Frau. Da eskalierte es. Der 30-jährige Jürgen H. nahm ihr den Schlüssel weg und sperrte sie in der Wohnung ein. „Er hat mir die Gaspistole an den Kopf gehalten und mich auch mit dem Messer bedroht“, sagt die 35-Jährige. „Er wollte wissen, ob ich mit meinem neuen Freund schon geschlafen habe.“

Wenn der 30-Jährige schlief, konnte sie kurz über Facebook Kontakt zu ihrem Bruder und ihrem Freund aufnehmen. „Aber er hat gedroht auch diese umzubringen, wenn sie in die Wohnung kommen“, sagt die Frau und bricht in Tränen aus. „Sein Plan war, dass ich die Polizei informiere und er vom ersten reinstürmenden Polizisten erschossen wird, weil er eine Pistole in der Hand hat.“

Täter freigelassen

Erst als Jürgen H. die Wohnung am Freitagnachmittag verlassen musste, wagte die Frau ihren neuen Freund per Facebook zu bitten, sie zu befreien. „Sie hat gesagt, sie will nur noch weg dort.“ Er verständigte die Polizei.

Beamten der WEGA nahmen den Mann unweit der Wohnung fest. Dabei wehrte sich Jürgen H. und versuchte die Exekutive mit einem Klappmesser zu attackieren. Er wurde wegen gefährlicher Drohung, Freiheitsentziehung und schwerer Nötigung angezeigt und wieder auf freien Fuß gesetzt. Auch ein Betretungsverbot für die gemeinsame Wohnung wurde ausgesprochen.

Schon am nächsten Tag begegnete die 35-Jährige ihrem Peiniger wieder. Als sie am Samstag die gemeinsame Tochter von ihren Eltern abholen wollte, „stand er plötzlich in der Küche“, schildert sie. „Er wollte reden. Dann versuchte er sie herum zu zerren“, sagt der neue Freund.

Wie kommt es dazu, dass der Mann gleich wieder freigelassen wurde? „Es ist ein Streit zwischen Lebensgefährten, wie er täglich vorkommt. Das wurde von uns geprüft und Haftgründe sind keine erkannt worden“, sagte Thomas Vecsey, Sprecher der Staatsanwaltschaft.

Erstellt am 05.01.2013