In Wien wurde ein Berufsschullehrer wegen sexueller Belästigung von Schülern entlassen. Zurecht, wie der Verwaltungsgerichtshof nun feststellte. (Symbolbild)

© APA/HERBERT NEUBAUER

Wien
03/28/2014

Entlassen: Lehrer betatschte Schülerinnen

Burn-out sei schuld gewesen, erklärte der Pädagoge – und rief den Amtsarzt auf den Plan.

von Michaela Reibenwein

Der Lehrer einer Berufsschule in Wien ließ kaum eine Gelegenheit aus: Er fasste seinen Schülerinnen an die Hüfte und zog sie an sich, er berührte ihre Oberschenkel, streichelte ihnen durchs Haar. Er starrte ihnen auf den Hintern und in den Ausschnitt, machte eindeutige Äußerungen und lud eine Schülerin zum privaten Punschtrinken ein. "Die X. finde ich sehr hübsch", vertraute er einer Kollegin an. "Ich muss mich zurückhalten, dass ich nichts mache, als würde ich körperlichen Kontakt suchen." Und seine Schülerinnen bevorzugte er bei den Noten.

Beschimpfungen

Weniger konnte er mit seinen männlichen Schülern anfangen. Die beschimpfte er als "Dummkopf", "Idiot" und herrschte sie an: "Halt die Klappe!". Über das Werkstück eines Schülers machte er sich öffentlich lustig.

Die Vorfälle ereigneten sich bereits im Schuljahr 2009/2010. Doch der pragmatisierte Lehrer wehrte sich mit allen Mitteln gegen eine Entlassung. Jetzt entschied der Verwaltungsgerichtshof: Die Entlassung des heute 54-Jährigen ist rechtens.

Denn, so erklärte der Berufsschullehrer: Er leide am Burn-out-Syndrom und an einer "deutlich affektiven Starre". Das würde auch das vorgeworfene Fehlverhalten erklären. Ein Psychiater und Neurologe wurde zur Abklärung zugezogen. Sein Ergebnis: Da besteht kein Zusammenhang. Doch das reichte dem Lehrer nicht. Der Amtsarzt hätte schließlich eine entsprechende Prüfung durchführen müssen. Der Mediziner prüfte nochmals und kam zum selben Ergebnis. Der Lehrer gab nicht auf: Der Gutachter hätte sich nicht ausreichend mit seinem psychischen Zustand auseinandergesetzt. Doch der Verwaltungsgerichtshof stellte fest: Es wurde ausreichend untersucht. Eine Entlassung war gerechtfertigt – auch aus präventiven Gründen. Und auch, weil sich sein Verhalten trotz Ermahnung durch den Landesschulinspektor nicht verändert hatte.

Und damit ist der Lehrer einer von jährlich neun bis zehn, die in Wien entlassen werden. "Das ist selten der Fall und geschieht meist aus disziplinären Gründen", sagt ein Sprecher des Stadtschulrates. Meist finden sich andere Disziplinierungsformen – Ermahnungen etwa.

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