Chronik | Wien
08.08.2017

Engpässe auf Geburtenstationen sind erst zum Teil behoben

Überlastung im Wilhelminenspital. 2018 könnte sich die Lage noch verschärfen.

In Wiens Spitälern gibt es nach wie vor Engpässe bei der Versorgung von werdenden Müttern. "Vor zwei Wochen sind wieder zwei Frauen erst unmittelbar vor der Geburt unangemeldet zu uns gekommen, weil es ihnen nicht gelungen war, sich frühzeitig in einem der Wiener Spitäler einen freien Platz zu sichern", schildert Heinrich Schneider, Personalvertreter im Wilhelminenspital.

Dabei ist die Geburtsabteilung im Wilhelminenspital ohnehin massiv überlastet: "Im Juli hatten wir 184 Geburten, dabei sind für die Abteilung nur 130 vorgesehen", schildert Schneider. "Im August wird die Lage ähnlich schwierig sein."

Eine der Ursachen der Engpässe ist die Schließung der Geburten-Abteilung im Hanusch-Spital der WGKK 2016, wo pro Jahr rund 1100 Kinder auf die Welt kamen. Hinzu kommt die wachsende Geburtenzahl. Allein im Vorjahr wurden knapp 21.000 Babys geboren – der höchste Wert in der Nachkriegszeit.

Als sich im Frühjahr Beschwerden von Patientinnen häuften, kündigte der Krankenanstaltenverbund (KAV) einen Ausbau der Kapazitäten an. "Doch das reichte nicht. Wir sind bis Jahresende vollkommen ausgelastet", sagt Schneider. Die Abteilung würde zwei Ärzte mehr benötigen, diese Forderung sei aber nicht erfüllt worden. Zudem fehlten drei Hebammen.

In der Patientenanwaltschaft spricht man indes von einer zuletzt rückläufigen Zahl an Beschwerden. Laut Patientenanwältin Sigrid Pilz könnte sich aber das Problem im kommenden Jahr abermals verschärfen, wenn die Geburtenabteilung des "Göttlichen Heiland" mit jener des St.-Josef-Spitals (Träger ist die Vinzenz-Gruppe) zusammengelegt wird. "Es wird dann weniger Betten geben, als jetzt beide Abteilungen zusammen haben."

Im Vorjahr kamen beide Häuser auf rund 4000 Geburten. "Nach der Übersiedlung werden wir aus eigener Kraft 3500 übernehmen können", sagt eine Sprecherin der Vinzenz-Gruppe. Was die restlichen betreffe, suche man noch eine Lösung mit dem KAV.

Die Überschreitung der Kapazitäten im Wilhelminenspital ergebe sich vor allem durch die Übernahme von Frauen mit Schwangerschaftskomplikationen, betont eine KAV-Sprecherin. Zur Entlastung erfolge derzeit eine Umverteilung. Insgesamt hätten in den KAV-Häusern im ersten Halbjahr 2017 5521 Frauen entbunden, in diesem Zeitraum wären Kapazitäten für 5940 Geburten vorhanden gewesen.

Weiters verweist man im KAV auf die geplante zentrale Geburten-Anmeldestelle, die die Situation weiter verbessern soll.

Frühanmeldung in NÖ

In Niederösterreich ist man da schon weiter. Im Spital Mödling, das die größte Geburtenstation des Landes hat, wird seit kurzem ein Geburts-Frühanmeldesystem getestet. Hintergrund ist, dass mit rund 2000 Geburten pro Jahr die Kapazitäten vollständig ausgelastet sind. Auf Basis der Anmeldungen erfolgt eine wochenweise Planung der Kapazitäten. Sind diese voll, müssen Schwangere abgelehnt werden.