Chronik | Wien
23.05.2018

Eineinhalb Shops für Craftbier-Nerds und Klassiker-Fans

Max Gaspar aus NÖ gehört das größte unabhängige Craftbier-Geschäft Wiens. Er debütiert diese Woche auf dem Bierfest.

Das „Brewdog Hop Shot“ – ein India Pale Ale ( IPA) im 0,11-Liter-Flascherl mit 20 Volumsprozent – findet man im Supermarkt sicher nicht. Ebenso wenig, wie die heiß begehrten Craftbiere aus der Londoner „The Kernel“-Brauerei oder die hochbewerteten Kreationen des schwedischen Omnipollo-Labels.

Wer nach Exklusiv-Importen wie diesen sucht, ist bei „Biergreissler“ Max Gaspar (45) gut aufgehoben. Der betreibt „eineinhalb Geschäfte“, wie er sagt: Die Urfiliale in seiner nö. Heimat Eggenburg, die nur am Wochenende geöffnet ist, und das Hauptgeschäft in der Wiener Josefstadt, in dem Craftbier-Nerds, aber auch Freunde des klassischen Hellen von Montag bis Samstag 500 verschiedene Biere vorfinden. Heute ist der kleine Laden in der Lederergasse 4 das größte unabhängige Craftbier-Geschäft Wiens. Dass es so weit kam, war aber eher Zufall.

Ursprünglich hatte Gaspar einen völlig anderen Berufsweg eingeschlagen. Als Vertriebsleiter eines globalen Mineralölkonzerns hatte der Waldviertler nicht das Geringste mit Bier zu tun. Erst als er vor die Wahl gestellt wurde, dauerhaft im Ausland zu arbeiten oder sich neu zu orientieren, stand für den Familienmenschen fest: „Ich will was machen, was mir Spaß macht.“

Und mit dem Wissen aus einem Braukurs bei Waldbier-Erfinder Axel Kiesbye entschied er sich zwar erneut für den Vertrieb von Öl (wie Bier auf Schwedisch heißt), aber eben des trinkbaren – und eröffnete den Webshop bieronline.at. 2016 folgte das erste „richtige“ Geschäft in Eggenburg und 2017 die Filiale in Wien.

Blues und Barfeeling

Die Geschäfte sind jedoch mehr als bloß Orte zum Einkaufen: Bluesmusik, Barstühle und das regelmäßig wechselnde Angebot an frisch gezapften und gekühlten Bieren laden auch zum Verweilen und Degustieren ein. „Gemütlich soll es halt sein“, sagt Nahversorger Gaspar, dessen Shop immer mehr zum Treffpunkt in der Josefstadt wird. Ausgeschenkt werden jeweils ein klassisches helles und ein „kreatives“ Bier – im 0,1- oder im 0,3-Liter-Glas – sowie rund 70 Kreationen aus dem Kühlschrank. Ohne Gastrozuschlag.

Die Preise für die meisten Mitnehm-Biere schlagen mit drei bis fünf Euro zu Buche. Für die eine oder andere Liebhaberei zahlt der Fan aber auch gerne einmal ein bisschen mehr. 26 Euro etwa für ein fassgereiftes Zwettler-IPA mit 13,6 Prozent oder wohlfeile 50 Euro für die 0,65-Liter-Flasche fassgereiften Stouts (elf Prozent) aus der amerikanischen Fiftyfifty-Brauerei.

In den Regalen finden sich rund 500 verschiedene Biere aus 24 Nationen und ein Dutzend Braustile: Pale Ales und IPAs, Stouts, aber auch klassische Biere. Der regionale Schwerpunkt liegt auf Österreich und Deutschland. Von heimischen Brauern sind etwa 150 Biere auf Lager.

Premiere beim Bierfest

Eines davon ist die „Wilde Wanda“, ein fruchtiges New England IPA mit wenig Bitternote, das der steirische Brauer Alefried in Kooperation mit Gaspar zum einjährigen Jubiläum des Wiener Biergreisslers kreierte. Die Spezialfüllung kann, wie auch andere Biere von Alefried, aus der oberösterreichischen Bierschmiede sowie aus der Gablitzer Brauerei, von 24. bis 27. Mai auf dem 9. Wiener Bierfest Am Hof verkostet werden. Gaspar hat dort heuer erstmals einen Stand.

Ebenfalls vertreten ist der Biergreissler im September auf dem Mittelalterfest Eggenburg sowie auf dem Josefstädter Straßenfest. Bereits am 14. und am 15. August lädt er zur  „Nacht der Musik“ in Eggenburg ein. Nähere Infos zu Angebot und Veranstaltungen findet man unter www.facebook.com/biergreissler/.