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Chronik Wien
06/07/2021

Ein Konzept jagt das andere: Ideen-Basar für Wiener Markthalle

Nach SPÖ, ÖVP und FPÖ hat nun auch die Wiener Wirtschaftskammer einen möglichen Standort vorgelegt. Die Ideen im Überblick.

von Agnes Preusser

Für die SPÖ würde sie einen „Hauch von London“ nach Wien bringen. Für die ÖVP wäre sie „ein großer Anziehungspunkt für Touristen, aber auch für Einheimische“.

Laut der Wiener Wirtschaftskammer (WKW) „braucht man so etwas in einer Hauptstadt“. Und selbst für die FPÖ ist sie eine „gute Idee“. Die Rede ist von einer Markthalle für Wien.

Auch in der Bevölkerung kommt eine derartige Halle gut an: Laut einer Umfrage der WKW finden 8 von 10 Wienern Gefallen daran.

Unter den Unternehmern können sich 78 Prozent dafür begeistern. Von 500 Befragten der für eine Markthalle infrage kommenden Branchen – also etwa Gastro, Lebensmittel- oder Blumenhandel – kann sich rund die Hälfte selbst vorstellen, in einer Markthalle einen Stand zu betreiben.

Auf politischer Ebene endet die Einigkeit abrupt, wenn es um die Praxis geht: Die Ansichten zu möglichen Standorten und Umsetzungen sind völlig verschieden.

Zumindest eine Gemeinsamkeit haben aber alle Vorschläge: In der Markthalle sollen regionale Schmankerln angeboten werden. Der KURIER hat den Überblick über die Konzepte.

Am Tabor

Der jüngste Vorschlag kam gestern von der Wirtschaftskammer. Handelsobfrau Margarete Gumprecht schwebt ein Areal beim riesigen Stadtentwicklungsgebiet Nordwestbahnhof vor.

Pluspunkt sei die zentrale Lage, außerdem würden hier bis 2024 rund 5.000 Arbeitsplätze und 6.500 Wohnungen entstehen. Eine Halle würde im Gegenzug 300 neue Jobs schaffen.

Platz soll es hier für 100 Standln im Inneren und weitere 80 Stände im Freien geben. Die Halle soll außerdem nicht nur wegen des Angebots für Bio stehen, sondern auch ein Vorzeige-Projekt in Sachen Wiederverwertung werden: Beim Bau sollen derzeit leer stehende Gebäude wie die Kosmos-Halle miteinbezogen werden.

Auch lagernde Rohstoffe wie Stahl sollen recycelt und zum Bauen verwendet werden.

Naschmarkt

Der wohl meistdiskutierte Vorschlag zur Markthalle stammt von Planungsstadträtin Ulli Sima (SPÖ). Sie gab den Anstoß für die Debatte.

Geht es nach ihr, soll ein Drittel des Naschmarkt-Parkplatzes überdacht werden. So würde eine seitlich offene Markthalle entstehen. Ihr Dach soll begrünt und mit Fotovoltaik-Anlagen ausgestattet werden.

Von Anrainern und dem politischen Mitbewerb hagelte es dafür Kritik. Gefordert wird insbesondere Grünraum anstatt einer Stahlkonstruktion.

Mittlerweile gibt es zwei Petitionen dagegen, auch ein Protest-Flashmob von Anrainern hat bereits stattgefunden. Die Grünen haben nun abwaschbare „Park statt Halle“-Graffiti auf dem Boden angebracht.

Aktuell läuft ein Bürgerbeteiligungsverfahren zu Simas Plan. Online kann jeder eigene Ideen einbringen. Ursprünglich hätten die Ergebnisse bereits im Juli präsentiert werden sollen, aufgrund der großen Resonanz werden jetzt aber bis Herbst Vorschläge gesammelt.

Christian-Broda-Platz

Auch die FPÖ hat Vorbehalte gegen den Standort Naschmarkt. Befürchtet wird, dass die geplante Halle eine Verkleinerung des ansässigen Flohmarkts sowie den Verlust von Parkplätzen bedeutet.

Stattdessen schlagen die Blauen einen Standort beim Westbahnhof vor: den Christian-Broda-Platz.

Laut Parteichef Dominik Nepp bestehe bei der „unattraktiven Betonwüste“ ohnehin Handlungsbedarf. Wegen der „Problemklientel“ vom Westbahnhof und einer nahen Suchthilfeeinrichtung wäre der Platz für Anrainer derzeit eine „No-go-Area“.

Weitere Details wurden noch nicht verraten. Bezirkschef Rumelhart (SPÖ) winkte bereits ab.

Stadthalle

Die ÖVP hat bereits 2020 eine Zwischennutzung der Stadthalle bis zum Vollbetrieb nach Corona als Markthalle gefordert – und hält daran auch weiterhin fest.

In der Halle D hätten 80 Marktstände Platz, weitere 20 auf dem Vorplatz im Freien. Eine permanente Einrichtung wäre für die Türkisen auch denkbar.

Schließlich steht das Nachnutzungskonzept für die Stadthalle, die ab 2026 von der Wien Arena abgelöst werden soll, noch nicht fest.

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