Chronik | Wien 09.02.2017

"Ein Aussitzen hilft nicht"

Ein Gangbett in einem Wiener Spital. © Bild: /Notstandspital.at/Unbekannt

Volksanwalt prüft, muss aber noch immer auf die Unterlagen warten.

Volksanwalt Günther Kräuter spricht von Menschenrechtsverletzung und Störung der Intimsphäre. Die Gangbetten-Misere in den Spitälern des Wiener Krankenanstalten-Verbundes (KAV), gepaart mit dem Mangel an Ärzte- und Pflegepersonal während der Grippewelle zu den Weihnachtsfeiertagen verunsicherte die Patienten.

Amtliches Prüfverfahren

Daraufhin reagierte die Volksanwaltschaft und leitete ein amtliches Prüfverfahren ein. Doch die Manager des KAV zeigten sich wenig beeindruckt und ersuchten um Fristverlängerung für die Übermittlung der eingeforderten Unterlagen und Akten. Kräuter reagiert verschnupft: "Ich kann eine Fristverlängerung verstehen, aber gehen die Unterlagen nicht in der zweiten Februarwoche ein, ist das nicht akzeptabel." Detail am Rande: Noch nie in der Geschichte der Volksanwaltschaft wurde die Institution ignoriert. Kräuter: "Wir haben uneingeschränkte Dokumentations- und Akteneinsicht."

Das Machtwort der Volksanwaltschaft dürfte den KAV zum Einlenken bewogen haben: Gestern, Donnerstag wurde bekannt, dass die Unterlagen zumindest zum Thema Gangbetten vergangenen Dienstag abgeschickt wurden. Bei Volksanwalt Kräuter waren die Akten bis gestern aber noch nicht eingelangt.

Laut KAV-Pressestelle sind zudem keine Unterlagen bzw. Dienstpläne betreffend Ärztemangel während der Weihnachtsfeiertage dabei. In diesem Fall droht Ungemach, denn Günther Kräuter will in seinem Prüfverfahren auch die Urlaubsplanung der Mediziner und des Pflegepersonals genau untersuchen: "Hier gab es sicher organisatorische Defizite. Die Situation über die Feiertage in den KAV-Spitälern entsprach in keiner Weise dem Standard des österreichischen Gesundheitssystems."

Dafür nahm KAV-Generaldirektor Udo Janßen zur Gangbetten-Misere Stellung: "Die Spitals-Kapazitäten sind endlich und nicht auf den maximal zu erwartenden Versorgungsbedarf ausgerichtet. Das würde bedeuten, in der Regel eine Überkapazität fahren zu müssen." Nachsatz: "Im Jänner war die Lage auch angespannt, weil wir Stationen aufgrund der Grippewelle in Isolierstationen umgewandelt haben." Am 2. Jänner gab es 116 Gangbetten, am 30. Jänner waren es noch 63.In der Branche ist es ein offenen Geheimnis, dass viele Mediziner keine Freude haben, wenn Patienten aus anderen Abteilungen in ihre Stationen verlegt werden. Auch das provozierte über die Feiertage die peinliche Gangbetten-Situation.

Warten auf Daten Mangelnde Kommunikation wirft auch Wiens Patientenanwältin Sigrid Pilz dem KAV vor: "Ich habe in der zweiten Jännerwoche Daten angefordert. Bis heute habe ich nichts erhalten. Ein Aussitzen hilft nicht. Der KAV darf die Bevölkerung nicht verunsichern." Pilz kennt jedoch auch einen Grund für die Problematik: "Die Spitäler des KAV müssen Patienten aufnehmen. Bei Privathäusern, Ordensspitälern und AUVA-Einrichtungen ist das nicht so."

( kurier.at ) Erstellt am 09.02.2017