Chronik | Wien
24.04.2017

Ehemalige Pizzeria Anarchia hat Vandalismus-Problem

Mühlfeldgasse: Aktivisten bemalten Fassade.

"Ihr werdet uns nicht los", prangt in großen Lettern auf dem Wohnhaus in der Mühlfeldgasse 12 in Wien-Leopoldstadt. Das Gebäude erlangte im Sommer 2014 Berühmtheit, als es als "Pizzeria Anarchia" von Punks besetzt und schließlich von 1400 Polizisten samt Panzer geräumt wurde.

Die Aktivisten wollten damals gegen die Verdrängung von Altmietern protestieren, die wegen des Umbaus des Hauses trotz unbefristeter Mietverträge ausziehen mussten. Das Gebäude wurde schließlich zum Eigentumsobjekt.

Eine ganz ähnliche Situation spielte sich am Mittwoch in der Kienmayergasse 15 in Wien-Penzing ab – die Polizei wollte samt Panzer ein besetztes Haus räumen. Die linken Aktivisten waren zu dem Zeitpunkt aber gar nicht mehr in dem Gebäude. Kurz darauf dürften sie allerdings bei ihrer alten Bleibe in der Mühlfeldgasse vorbeigeschaut haben, denn seit Donnerstag ist die Fassade unteranderem mit Anarchie-Zeichen beschmiert.

Vierter Vorfall

Um keine Zweifel aufkommen zu lassen, dass es sich bei den Sprayern um dieselben Punks handelt, sprühten sie auch noch einen Verweis auf die aktuelle Besetzung dazu: "Ob Pizza oder Kienmayer, wir geben keine Ruh."

Ein Umstand, der besonders die Wohnungsbesitzer der nunmehrigen Eigentumsimmobilie stört. Niko Buchtele lebt seit mehr als einem Jahr in dem ehemals besetzen Haus in der Mühlfeldgasse und hat schon mehrmals derartige Situationen erlebt: "Insgesamt wurde das Haus schon vier Mal besprayt. Am Samstag hat dann jemand das Schloss der Tür am Haupteingang mit Alleskleber unbrauchbar gemacht."

Wiederholungs-Gefahr

Weil der Umbau bei den ersten Vandalismus-Aktionen noch nicht abgeschlossen war, übernahm damals die Immobilienfirma, die für die Renovierung zuständig war, die Kosten für die Beseitigung der "Anarcho-Spuren".

Diesmal sieht die Lage aber anders aus: "Wir werden in der Eigentümerversammlung besprechen müssen, wie wir die Reinigung finanzieren und ob es Möglichkeiten gibt, weitere Vorfälle zu verhindern", sagt Buchtele.

Die Polizei kann in dem Fall wenig machen. Schon am Dienstag fehlte der Exekutive die rechtliche Grundlage, um vermummte Aktivisten – die mutmaßlich zu den Besetzern gehörten und die Räumung amüsiert von draußen mitverfolgten – zu kontrollieren.

"Ich habe die Polizei über die Vorfälle informiert. Es gibt jetzt eine Anzeige gegen Unbekannt, aber viel machen können die wahrscheinlich auch nicht", sagt Niko Buchtele.