Neuer E-Bus: Selbstfahrend – aber mit Aufsicht
Er beschleunigt, lenkt, bremst – und hält sogar selbstständig an. Der neue vollelektrische und vollautomatisiert fahrende Postbus der ÖBB hat am Donnerstag in Wien seine Premiere gefeiert. Noch sitzt aus Sicherheitsgründen ein Fahrer hinter dem Steuer, doch der Bus soll einen Vorgeschmack darauf geben, wie der öffentliche Verkehr in Österreich künftig aussehen könnte.
In dem neuen gelb-orangen Fahrzeug finden rund 32 Fahrgäste Platz, seine Reichweite umfasst bis zu 250 Kilometern. Das Autonomielevel liegt bei 4 , das bedeutet: Der Bus kann die Fahraufgabe in einem klar definierten Bereich selbstständig übernehmen, nach österreichischer Rechtslage muss aber weiterhin ein geschulter Sicherheitslenker an Bord sein. Manuell kann mit dem neuen Bus maximal 80 km/h gefahren werden, autonom darf der Bus nur bis zu 30 km/h fahren.
Testphase Alpbach
Der erste Einsatzort des neuen Busses wird beim diesjährigen European Forum Alpbach (EFA) in Tirol sein. Nach dieser Testphase soll er am Campus Wolfurt Unternehmen im Industriepark an die S-Bahn anbinden. „Voll automatisiertes Fahren ist in Wirklichkeit die Zukunft der Mobilität“, sagt ÖBB-CEO Andreas Matthä. Wie viel der neue Bus konkret kostet, möchte Matthä nicht verraten, sagt aber: „Die Kosten dafür sinken, je mehr Stück produziert werden.“
Die Technologie hinter dem Elektro-Bus stammt von der türkischen Firma Otokar. In der spanischen Hauptstadt Madrid ist der Bus bereits in den regulären Linienbetrieb aufgenommen worden.
Mobilitätsminister Peter Hanke (SPÖ) zeigt sich von dem neuen Konzept überzeugt. „Besonders großes Potenzial sehe ich dabei im öffentlichen Verkehr. Automatisierte Busse können bestehendes Angebot ergänzen und erweitern“, sagt er.
Gerade im ländlichen Raum, wo wenige Menschen unterwegs sind und klassische Buslinien wirtschaftlich schwer zu betreiben sind, könnten automatisierte Fahrzeuge künftig zusätzliche Verbindungen ermöglichen.
Neue Rechtslage
Dafür soll laut Hanke auch die österreichische Rechtslage geändert werden. Konkret soll es bereits im September eine neue Verordnung geben. Denn um die Testphase der automatisierten E-Busse voranzutreiben, muss es eine Novellierung der Automatisiertes-Fahren-Verordnung gemeinsam mit einer Kraftfahrgesetz-Novelle geben.
Diese soll dann laut Mobilitätsministerium fahrerloses Fahren unter Aufsicht im öffentlichen Raum ermöglichen und damit die Basis für Flottenbetrieb und gewerbliche Anwendungen im Testrahmen legen. Dazu kommt die Ermöglichung des automatischen Spurwechselvorgangs auf Autobahnen und Schnellstraßen im Regelbetrieb.
Die Testphase soll dann Daten liefern, um ein neues Gesetz in die Wege zu leiten. Dieses soll laut Ministerium nächstes Jahr kommen und flächendeckenden Regelbetrieb solcher automatisierten E-Busse ermöglichen.
Flottenbetrieb
Denn in den kommenden Jahren sollen ein bis zwei Modellregionen entstehen, in denen ganze Flotten solcher Busse unterwegs sind. Martin Russ, der Geschäftsführer von AustriaTech – die österreichische Bundesagentur ist das Kompetenzzentrum für Mobilitätstransformation –, rechnet langfristig mit 30 bis 50 Fahrzeugen in solchen Regionen. Für diesen Zukunftsplan gibt es laut Russ bereits überschlagene Kosten: „Wir reden von einem hohen zweistelligen Millionenbetrag.“
In den kommenden Jahren sollen die E-Busse automatisiert, aber nicht autonom fahren. Sprich: Ein Fahrer bleibt noch im Bus, auch wenn der eigenständig fährt. Laut Hanke möchte man zuerst das Vertrauen der Menschen in die Technologie stärken. Wann dann fahrerlose Busse wirklich kommen werden, sei noch nicht geplant.
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