Die brutalen Drogengeschäfte des "Chefe" aus Wien
Der Prozess am Straflandesgericht wurde fortgesetzt (Symbolbild)
Die Hierarchie war klar geregelt. Das Sagen hatte der 30-Jährige, Spitzname "Chefe". Ihm unterstellt, seine rechte Hand und sein Vertrauter, der bei Bedarf auch seine Muskeln einsetzte, um keine Zweifel aufkommen zu lassen. Darunter Kuriere und Chauffeure wie die zwei anderen Angeklagten. Auch ein steirischer Jurist soll als Dealer für die Gruppe gearbeitet haben – er wird allerdings gesondert verfolgt.
Am Donnerstag wird im Landesgericht für Strafsachen in Wien gegen eine kriminelle Organisation verhandelt. Sie war dick im Drogengeschäft, verkaufte Cannabis und Kokain. "Vor Gewalttaten wurde nicht zurückgeschreckt", beschreibt der Staatsanwalt.
"Unabsichtlich fast umgebracht"
Im Jänner des Vorjahrs stattete man einem mutmaßlichen Verräter, der der Polizei einen Tipp gegeben haben soll, einen Besuch ab. Der Mann wurde gefesselt, geschlagen und bis zur Bewusstlosigkeit gewürgt. "Wusstest du, dass ich A* unabsichtlich fast umgebracht habe", schrieb der angeklagte Muskelmann später. "Ja, beim Würgen, oder? Das nächste Mal mach ruhig weiter. Diese minderwertige Ratte." "Wie bei Reservoir Dogs (ein Tarantino-Film, Anm.)", stellt Richter Ulrich Nachtlberger fest. Das Opfer tauchte danach unter.
Vor Gericht werden die Männer von einer Anwaltsarmada vertreten: Franz Pechmann, Philipp Wolm, Noah McElheney, Lukas Hruby und Johannes Maximilian Fouchs. "Geständig", erklären sie unisono.
"Die martialischen Chats darf man nicht ernst nehmen, er wollte seine Chef-Position einzementieren", erklärt der Anwalt des Erstangeklagten. "Er ist der eigenen Sucht und der Verlockung des schnellen Geldes verfallen", meint Wolm. "Ich habe alles verloren, auch meine Muskeln", jammert der Mann fürs Grobe.
Urteile: Haftstrafen zwischen zweieinhalb und sechs Jahren für das Führungstrio, teilbedingte Strafen für die beiden anderen. Nicht rechtskräftig.
In Österreich herrscht laut der aktuellsten polizeilichen Kriminalstatistik eine stabile Sicherheitslage. 2025 wurden 538.656 Anzeigen in Österreich verzeichnet (ein leichter Anstieg gegenüber dem Vorjahr um 0,8 Prozent). Die Kriminalität gilt in Wien im Vergleich zu vielen anderen Großstädten als relativ niedrig. Im Jahr 2025 wurden in der Hauptstadt insgesamt 194.625 Anzeigen bei der Polizei Wien erstattet, das entspricht einem kleinen Rückgang von 0,2 Prozent im Vergleich zu 2024 (194.981 Fälle). Die Aufklärungsquote lag in Wien bei 44,6 Prozent. Der prozentuale Anteil der fremden Tatverdächtigen stieg auf 59,2 Prozent an (2024: 57,1 Prozent).
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