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Chronik Wien
03/03/2020

Drogen-Prozess: Kontakte zur serbischen Mafia

Fahnder schilderte Verflechtungen. Als Plantagen aufflogen, flüchteten drei der Angeklagten nach Serbien.

von Michaela Reibenwein

Es geht um 523 Kilo Cannabis, angebliche Verflechtungen zur serbischen Mafia und tödliche Kopfschüsse: Vier Männern mit serbischen Wurzeln wird im Landesgericht für Strafsachen in Wien vorgeworfen, Drogen im großen Stil produziert zu haben. Am Dienstag sagte dazu ein Drogenermittler der Polizei aus.

Und der erzählte auch von Verflechtungen zur serbischen Unterwelt. „Deswegen sind schon Leute in Serbien mit Kopfschüssen ermordet worden.“ Der Hauptangeklagte soll laut seinen Angaben Kontakte zur serbischen Drogenmafia haben. Unter anderem zu einem ranghohen Mitglied der Mafia in Belgrad, der den Kokain-Handel übernommen hat und einem anderen Clan-Mitglied, das in dem Drogenkrieg erschossen wurde. Der Hauptangeklagte bestreitet das. Fest steht: Als mehrere Drogenlabore aufflogen, reisten drei Angeklagte hurtig nach Serbien ab. „Ich muss weg. Es ist etwas passiert“, teilte einer seiner Freundin mit.

Doch von Anfang an: Im Sommer 2017, so schildert der Drogenfahnder, habe er über eine Vertrauensperson einen Zund bekommen. Zwei Männer sollen im großen Stil Kokain mit einem präparierten BMW schmuggeln. Das Kokain bestätigte sich nicht. Der Rest allerdings, so sagt der Ermittler, habe sich als wahr herausgestellt.

"Beim Weiterstöbern bin ich dann auch auf einen BMW gestoßen, der einen erhöhten Boden hatte. Der wurde für die Schmuggelfahrten eingesetzt." Und schließlich stieß man auf mehrere Cannabis-Plantagen. In Markt Piesting, Oberpullendorf, Strasshof und Vösendorf. Die Objekte wurden überwacht, zwei Verdächtige abgehört, ausgeforschte Fahrzeuge mit Peilsendern versehen. "Die Häuser und Grundstücke wurden immer mit gefälschten Ausweisen angemietet und es wurde bar bezahlt", sagt der Polizist.

Die Gärtner schwiegen

Als die Ermittler bei sämtlichen Standorten gleichzeitig Hausdurchsuchungen durchführten, trafen sie auf mehrere Gärtner, die die Plantagen hegten und pflegten. "Keiner hat sich getraut, auszusagen." Dazu stieß man auf jede Menge geerntetes Cannabis.

Die Anlagen waren höchstprofessionell betrieben. Und in dem Haus, das der Hauptverdächtige kurz zuvor in Wien gekauft hatte (Kaufwert 1 Million Euro), fand man die pure Zerstörung. "Als wäre gerade eine Plantage abgebaut worden." 4,5 Tonnen Aufzuchtserde allerdings waren noch da.

Die Hierarchie in der Organisation habe sich durch abgehörte Telefonate feststellen lassen. Boban J., der Hauptangeklagte sei "der Boss. Was er sagt, wird gemacht." Darunter befinde sich der Zweitangeklagte. "Als er den Anruf bekommen hat, dass Boban J. eine Frau schwer verletzt hat und sein Auto jetzt blutig ist, musste er es putzen." In dem Gespräch soll sich der Hauptangeklagte auch darüber beschwert haben, dass ihm nun die Hand schmerze. Der Drittangeklagte sei der Laufbursche. Und der vierte der Elektriker.

Zweifel schüren

Die Anwälte der Männer schüren dennoch Zweifel. Unter anderem an der Vertrauenswürdigkeit der Tippgeber. Und sie beklagen fehlende Teile im Akt. Und schließlich zaubern sie auch noch ein Telefonprotokoll aus dem Hut. Eine Zeugin - oder Verdächtige - so klar ist das noch nicht, telefoniert dabei mit einer Informantin. Und das aus dem Büro des Drogenermittlers. "Sie wollte helfen. Aber sie hatte Angst", erklärt der Ermittler. Woher das Protokoll des 10-minütigen Gesprächs stammt? Die Anwälte hüllen sich in Schweigen.

Der Staatsanwalt sieht darin eine Falle. "Das ist der nächste Versuch, den ermittelnden Beamten aus dem Verfahren zu schießen." Schon zuvor habe ein angeblicher Tippgeber (und Bekannter der Angeklagten) aus dem Gefängnis Informationen angeboten - im Gegenzug wollte er ein Ladekabel fürs Handy.

Fortsetzung am Mittwoch.

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