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Chronik Wien
12/29/2018

Drei Jahre lang vermisster Wiener: Das erste Wiedersehen

Mutter und Schwester holten Arian in Mailand ab. Am Samstag geht es retour nach Wien.

von Daniel Melcher

1145 Tage lebte Regina Schramm-Saraie in Ungewissheit. Am Samstag konnte die Wienerin ihren Sohn Arian endlich wieder in die Arme schließen. „Wir wollen unser Zusammentreffen genießen“, sagt die Frau als sie gerade mit dem Taxi in Richtung der Betreuungseinrichtung in Mailand fährt. Am Vormittag gab es zusammen mit Tochter Roxana dann das Wiedersehen.

Laut Leiter Riccardo Tanieli nahm die Familie Arian nach einer Abschiedsfeier am Vormittag wieder mit. „Sie werden sich noch Mailand anschauen und heute zurückreisen“, sagt er. Mutter Regina schildert im KURIER-Gespräch, jetzt einmal das Erlebte verarbeiten zu wollen. Nach dem Trubel und der Aufregung der vergangenen Stunden will sich die Familie erst einmal medial zurückziehen, vor allem für ihren Sohn. „Wer weiß, wie Arian reagiert“, erzählt sie.

Freitag kam Meldung

Die verspätete Bescherung für die Familie Schramm-Saraie gab es am Freitag. Arian gab sich gegenüber Mitarbeitern der betreuten Einrichtung in Mailand mit seiner wahren Identität zu erkennen. Die Polizei verständigte daraufhin die Familie. Mutter Regina sprach von einem „richtigen Weihnachtswunder“. „Aber ich hatte immer das Gefühl, dass er am Leben ist“, sagt sie.

Dass der 25-Jährige im November 2015 aus einem Betreuungszentrum in Wien-Währing verschwand und nach Italien reiste, war für die Angehörigen immer die größte Wahrscheinlichkeit. Regina Schramm-Saraie erzählte schon damals, dass ihr Sohn mit dem Zug in ein Nachbarland gereist sein könnte. Er hätte „einen Drang, sich die Welt anzuschauen.“

Drei Tage nach seinem Verschwinden wird Arian in Pieve Emanuele bei Mailand aufgefunden. Und in verwirrtem Zustand in ein Krankenhaus gebracht. Dort wird dem jungen Mann zunächst eine Psychose attestiert. Später wird er von den Mailänder Sozialdiensten in einer Gemeinschaft für Autisten untergebracht. Er gibt sich als Antonio Gallo aus. Seine wahre Identität bleibt verborgen.

Seine Mutter erzählte bereits vor Jahren, dass der 25-Jährige Sprachen spielerisch lernt. Er sprach vor seinem Verschwinden Deutsch, Persisch und ein wenig Ungarisch. „Da hat er eine große Begabung. Er könnte sich auch ohne Probleme andere Sprachen aneignen“, meinte damals schon seine Mutter Regina Schramm-Saraie. Und tatsächlich dürfte sich der Autist auch italienisch angeeignet haben.