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Habsburger
04/27/2014

Dorotheum: Jagd auf kaiserliche Schnäppchen

Für Kuratorin Katrin Unterreiner bedeutet die Auktion am 30. April Adrenalin pur.

von Anna-Maria Bauer, Jeff Mangione

Mit konzentriertem Blick mustert Katrin Unterreiner das Gemälde. Wie viele Risse sind zu erkennen? Gibt es Sprünge im Bild? Braucht es eine aufwendige Restaurierung? Fragen, die Unterreiner bis Mittwoch geklärt haben muss. Dann steht das Gemälde gemeinsam mit 200 anderen Objekten aus dem Hause Habsburg bei der "Kaiserhaus und Historika"-Auktion zum Verkauf.

Das Event im Dorotheum ist für Unterreiner jedes Jahr ein Höhepunkt. Auch wenn die Kuratorin der Plachutta Kaiserhaussammlung bereits etwa ein Dutzend dieser Veranstaltungen besucht hat – es ist immer wieder Adrenalin pur. Der Wunsch, die Lieblingsstücke zu ergattern, steht im Kampf mit der Angst, der Konkurrent könnte eine höhere Summe bieten.

Gute Vorbereitung ist deshalb unabdingbar. Bei der Objektbegutachtung, die immer eine Woche vor der Auktion möglich ist, nimmt sich Unterreiner daher genügend Zeit, um die Haarlocke des dreijährigen Franz Josef (bewertet mit 500 bis 1000 Euro), ein Feuerzeug von Erzherzog Franz Ferdinand (700–1000 Euro) oder eine Zeichnung der zehnjährigen Sisi (1000 bis 2000 Euro) genau unter die Lupe zu nehmen.

Schönheitswahn

Auch das Gemälde, das eine Reiterversammlung des Kaiserhauses zeigt, hat ihr Interesse geweckt. Elisabeth ist zwar nur von hinten zu sehen – doch genau das spiegelt für Unterreiner eine typische Seite der Kaiserin wider; einer Herrscherin mit Schönheitswahn, die beim Sprechen ihr Gesicht stets hinter einem Fächer verbarg.

Unterreiner spaziert an den Ausstellungsstücken vorbei, lässt ihren Blick über die Objekte wandern. Während Sammler Mario Plachutta bei den ersten Auktionen mit fast zwei Drittel der Gegenstände nach Hause ging, sucht Unterreiner nun gezielt. Budget-Grenzen hat sie grundsätzlich keine – "das ist der Vorteil einer Privatsammlung". Bei einem schwarzen Reithut mit Seidensatinfutter und Tüllband bleibt sie stehen. Rufpreis: 2000 Euro. Auch wenn nicht geklärt ist, ob der Hut der Kaiserin selbst oder ihrer Tochter Marie Valerie gehörte, Unterreiner ist sicher, dass er bei der Auktion begehrt sein wird. Das sind Gegenstände immer, die mit der Kaiserin in Beziehung gebracht werden können. Kleidungsstücke ganz besonders.

Ungebrochener Hype

Grund für den ungebrochenen Hype um die Herrscherin nennt Unterreiner ganz klar: Die Romy-Schneider-Verfilmungen, die das Bild der Kaiserin als romantisches, unkompliziertes Mädchen geprägt haben. "Oft sind Touristen enttäuscht, wenn sie erfahren, dass Sisi zu Lebzeiten weder beliebt war noch umjubelt wurde." Seit gut 15 Jahren setzt sich die Wienerin mit der Kaiserfamilie auseinander; sie war im Schloss Schönbrunn tätig, hat das Sisi-Museum in der Hofburg mitaufgebaut und Bücher über Elisabeth verfasst.

Ein Objekt, das Unterreiner in ihrer Sammlung noch fehlt, ist auch diesmal nicht dabei: ein Kleid der Kaiserin.

Dorotheum Das 1707 gegründete Auktionshaus veranstaltet jährlich bis zu 600 Auktionen. Es ist das größte Auktionshaus in Mitteleuropa.

Kaiserhaus und Historika Am 30. April findet die ein Mal jährlich ausgetragene Kaiserhaus-Auktion statt. 201 Gegenstände stehen zum Verkauf. Die Auktion startet um 16 Uhr.

Plachutta Privatsammlung Gastronom Mario Plachutta hält die derzeit größte private Kaiserhaussammlung.

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