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Ist das Donauinselfest ein Musikfestival?

Oder doch nur eine Gratis-Partymeile mit Parteiwerbung? Die Meinungen gehen auseinander.
Agnes Preusser
Georg Leyrer
Eine große Menschenmenge versammelt sich bei Dämmerung vor der beleuchteten Wien Energie Festbühne beim Donauinselfest in Wien.

Jedes Jahr pilgern bis zu 3 Millionen Gäste zum Donauinselfest, um zu feiern und sich Konzerte anzuhören. Aber geht es dabei wirklich um Musik? 

PRO

„Oh, komm, tau mich auf“. Die Wiener SPÖ, schließlich Veranstalter des Donauinselfests, hat ein Video veröffentlicht, bei dem Parteimitglieder die Textzeile eines Songs des Hauptacts Zartmann vervollständigen sollen. Das musikalische Können würde der Musikkritiker rechts wohl mit Nicht genügend benoten. Wäre man gemein, könnte man fragen: Wenn man heuer als Medium keine imageschädlichen Bilder vom DIF veröffentlichen darf, darf man das eigentlich als Partei?

So oder so hätten sie nicht gegen die Vorschrift verstoßen. Denn ja: Nur zwei Leute können den Text (ansatzweise) – Bürgermeister Michael Ludwig selbst und Veronica Kaup-Hasler, was ihrer Reputation als Kulturstadträtin zumindest nicht abträglich ist. Bei Melodie und Intonation gibt es zwar Schwächen, aber, und jetzt ganz ohne Zynismus, genau das ist wurscht oder eigentlich sogar Sinn der Sache. Wenn sogar der Bürgermeister unbeschwert mitsingen kann, darf das ja wohl jeder. Das DIF ist nämlich ein Fest für alle, die Musik genießen wollen; auf der Bühne umjubelt, im Publikum mitgrölend oder nur als Untermalung an einem schönen Sommertag im Juli. Das brauchen wir doch gerade alle.

Die Textzeile geht übrigens weiter mit „Wenn du mir sagst, dass du mich brauchst, ich brauch dich auch“. Das passt.

Zur Autorin: Agnes Preusser leitet das Chronik-Ressort

CONTRA

Du bist gut genug“, lautet der sich ins Gehirn einfräsende Refrain des viralen Sommerhits 2026, und der könnte direkt für das Musikprogramm des Donauinselfests komponiert sein: Wie bei der mündlichen Matura, wo man auch dann weiterquatschen soll, wenn man gerade keine Ahnung hat, scheint das Ziel der Musikkuratierenden hier zu sein, dass es halt bitte nie ruhig sein soll, weil das könnte beim Feiern stören. 

Die weiteren Details sind dann schon ein bisschen mehr egal: Gar manches im Programm fällt in die Kategorie „Trinkvorlage“, hin und wieder passiert ein Hauptact, der gerade wirklich angesagt ist (wie heuer Zartmann), meist aber gibt es Kraut (Acts von gestern) und Rüben (die Bands, die gerade eh unterwegs sind).
Klar, ist eh gratis. Aber hier wird eine Chance liegengelassen: Wie überall sonst, lässt die SPÖ ihren einstigen Bildungsstolz auch in popkulturellen Fragen verstauben. Das ist angesichts der Gesamtlage wahrscheinlich auch schon egal, aber eigentlich auch wieder nicht: Ein bisserl mehr Heute-Kompetenz würde der Musikstadt schon ordentlich gut stehen. 

Und wir wollen an dieser Stelle ein Geheimnis verraten: Auch zu mehr von der guten Musik als derzeit kann man Bier trinken und gratis feiern. Dann wäre es wirklich gut genug. 

Zum Autor: Georg Leyrer leitet das Kultur-Ressort

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