Chronik | Wien 06.02.2018

Die Spielautomaten sind zurück

Die Lotterien stellten die Geräte ohne Rücksprache auf, kritisiert Ulli Sima (SPÖ) © Bild: halbergman/istockphoto

Lotterien platzierten Video-Lotterie-Terminals – entgegen anderen Zusagen gegenüber der Stadt.

Der Wiener Prater ist um eine Attraktion reicher: Die Österreichischen Lotterien haben an der Vergnügungsmeile Dutzende sogenannte Video-Lotterie-Terminals (VLT) aufgestellt. Und das trotz anderslautender Beteuerungen in der Vergangenheit. Das kleine Glücksspiel ist damit durch die Hintertür wieder zurück.

Als vor sieben Jahren der Wiener Landtag das Aus des kleinen Glückspiels besiegelte, betonte der damalige Lotterien-Vorstand Friedrich Stickler noch, dass er auf einen Betrieb von Video-Lotterie-Terminals in Wien verzichten würde, falls die Landesregierung dies wünsche. Das damals verabschiedete Verbot erfasst derartige Geräte nämlich nicht, da das Spielergebnis nicht im Gerät, sondern via Server extern ermittelt wird. Für den Spieler bleibt hingegen alles gleich.

"Die Gewinnchancen und die Höhe der Gewinnausschüttungen sind festgelegt und vom Bundesministerium für Finanzen genehmigt", heißt es auf der Lotterien-Website. Der Betrieb der Geräte ist im bundesweiten Glücksspielgesetz geregelt, sie fallen daher in die Kompetenz des Finanzministeriums. Das Aufstellen solcher Spielautomaten ist prinzipiell auch gegen den Willen der jeweiligen Bundesländer möglich. Somit sind auch die neuen Geräte im Prater rechtlich gedeckt. Nach unterschiedlichen Quellen wurden 50-150 Automaten platziert.

Stadträtin Ulli Sima (SPÖ), zu deren Agenden die Glücksspiel-Automaten gehören, wirft den Lotterien Wortbruch und eine Nacht- und Nebelaktion vor.

Brief an Häupl

In einem Brief an Bürgermeister Michael Häupl im Zuge der Debatte um das Verbot der einarmigen Banditen habe die Lotterien-Führung versprochen, Video-Lotterie-Terminals nur nach Rücksprache mit der Wiener Landesregierung aufzustellen. Sollte sich Wien entscheiden, das kleine Glücksspiel zu verbieten, gebe man "die Zusage ab, dass die Österreichischen Lotterien in Wien Video-Lotterie-Terminals nur in Abstimmung mit dem Land Wien betreiben werden", heißt es in dem Schreiben.

Rücksprache habe das Glücksspielunternehmen, an dem die Casinos Austria beteiligt sind, nun aber nicht gehalten, kritisiert Sima. Der Landtag habe sich klar für ein gänzliches Verbot des kleinen Glücksspiels in Wien ausgesprochen. "Dass sich die Casinos Austria einfach über einen Beschluss des Wiener Landtages hinwegsetzen, finde ich eigentlich unglaublich".

Die Österreichischen Lotterien waren zu keiner Stellungnahme bereit.

( kurier.at ) Erstellt am 06.02.2018