Chronik | Wien 17.01.2012

Die Mediatoren am Steinhof

Johannes Gotsmy und Alexander Neumann sollen zwischen Stadt und Bürgern vermitteln. Es könnte eine harte Aufgabe werden.

Es stürmt und schneit auf dem Gelände des Otto Wagner Spitals, doch Johannes Gotsmy und Alexander Neumann sind Gegenwind gewohnt. Die beiden Mediatoren sehen sich auf jenem Gelände um, das in den nächsten Wochen ihr Leben beherrschen wird. Dort wo jetzt nur der Wind zwischen den dürren Ästen der Föhren pfeift, sollten schon bald Wohnungen entstehen.

So sicher ist das nicht. Denn die Bürgerinitiative „Steinhof erhalten“ sorgte mit ihrem beharrlichen Protest für einen zwischenzeitlichen Baustopp. Bürgermeister Michael Häupl verordnete ein „Zurück an den Start“. Vizebürgermeisterin Maria Vassilakou setzt nun auf jene Mediatoren, die schon beim Konflikt im Bacherpark im Jahr 2006 erfolgreich vermittelten. Damals ging es um den Bau einer Tiefgarage, heute um die Verbauung eines Kulturerbes.

Lösungen

„In der Mediation geht es darum, den Druck rauszunehmen“, sagt Johannes Gotsmy. Oft seien Konflikte schon weit eskaliert. Daher müsse man sich erst ein Bild von der Situation machen und alle Beteiligten vorab einzeln treffen. Der nächste Schritt ist das erste gemeinsame Treffen. „In vielen Fällen sitzen hier jene die es betrifft erstmals zusammen“, sagt Gotsmy.

Wenn man sich auf die weitere Zusammenarbeit in einer Mediation verständigt, werden gemeinsame Regeln aufgestellt. Dann wird gemeinsam eine Lösung erarbeitet, die alle Beteiligten zufriedenstellt. Im Bacherpark war es die Entscheidung, eine verbindliche Anrainerbefragung durchzuführen. Die befragten Bürger sprachen sich gegen die Garage aus, sie wurde nicht gebaut.

„Die Mediation war für uns damals ein neue Erfahrung“, erzählt Herta Wessely, einst Sprecherin der Initiative am Bacherpark und heute im Vorstand der Bürgerplattform „Aktion21“. Den Mediatoren bescheinigt sie trotz anfänglicher Skepsis eine hohe Kompetenz. „Sie haben das Verfahren sehr objektiv geführt.“

Dem kann sich Karlheinz Hora von der SPÖ, damals wie heute stellvertretender Vorsitzender im Planungsausschuss, anschließen. „Die beiden haben sehr objektiv und gründlich gearbeitet.“ Gotsmy und Neumann seien auch für die Steinhofgründe eine gute Wahl, ist Hora überzeugt.

Noch herrscht bei der Bürgerinitiative am Steinhof aber Skepsis. Gotmsy schreckt das nicht: „Ich bin zuversichtlich, dass die Beteiligten die Chance erkennen, die hier schlummert.“

( Kurier ) Erstellt am 17.01.2012