© Kurier/Gilbert Novy

Hernals
11/04/2019

Die Glocken-Fans vom Schafberg geben nicht auf

Die Schafberg-Glocke läutet nun in Dornbach. Aber die Anrainer kämpfen weiter

von Anna-Maria Bauer

In der Kirche am Gipfel des Schafbergs in Wien-Hernals findet schon seit Jahren keine Sonntagsmesse statt. Am gestrigen Sonntag war der Kirchenvorplatz zur Mittagszeit dennoch dicht bevölkert.

Um 12 Uhr werden die rund 60 Personen still. Ganz, ganz leise und ohne angestrengtes Hören kaum wahrnehmbar, klingt ein Läuten herauf. Es ist die frühere Glocke der Schafbergkapelle, die das erste Mal in der Pfarre Dornbach zu hören war. „Ist das alles?“, fragt Anrainerin Roswitha Wilding-Meisel. Ein Raunen geht durch die Gruppe. „Das gibt’s ja nicht“, ist zu hören. Und: „Von wegen, man wird sie hören.“ Um ihrem Protest Ausdruck zu verleihen, läuten die Versammelten mit kleinen Glöckchen, die zu Beginn verteilt worden sind.

„Schöneres Geläut“

Wie berichtet, ist die Schafberg-Glocke auf Wunsch des Dornbacher Pfarrers Wolfgang Kimmel in die Pfarrkirche Dornbach übersiedelt. (Die Schafbergkirche ist eine Filialkirche von Dornbach) Gemeinsam mit zwei neuen Glocken (finanziert mittels Crowdfunding „Heiliger Bimbam“) sollten sie der Pfarrkirche zu einem schönen Geläut verhelfen.

Am Schafberg stieß diese Aktion auf Unverständnis. Die Kapelle sei das Lebenswerk des verstorbenen Pater Petrus Grader gewesen. Die Glocke sei Teil des Gesamtkonzepts und von ungewöhnlich hoher Klanggüte. Für viele Anrainer hat sie auch einen hohem emotionalen Wert. „Wenn mein jüngstes Enkerl bei mir war und wir die Glocke gehört haben, habe ich immer gesagt: ,Schau, das ist unsere Glocke.‘ Das kann ich jetzt nicht mehr sagen“, sagt der emeritierte Universitätsprofessor Michael Mitterauer und hat Tränen in den Augen.

Dass über Kirchenmitglieder derart drübergefahren werde, ärgert Roswitha Wilding-Meisel. Sie hat Anfang September die Petition „Rettet die Glocke der Thomas-Morus-Kirche“ ins Leben gerufen und bis Sonntag rund 1.300 Unterschriften gesammelt.

Von der Erzdiözese hieß es zuletzt, man bedaure die Situation; man verstehe, dass Veränderung oft Schmerz bedeute. „Aber“ – als Antwort darauf, dass einige mit dem Gedanken spielen, aus der Kirche auszutreten – „wir können unsere Entscheidung davon nicht abhängig machen.“

Noch will Wilding-Meisel aber nicht aufgeben. Sie konnte einen Gesprächstermin mit Bischofsvikar Dariusz Schutzki fixieren. Und die Unterschriften der Petition möchte sie dem Kardinal überreichen. „Ich möchte ihm in die Augen sehen.“

Historisches Vorbild

Ihr neues Ziel: Kommenden Juni findet das 50-jährige Weihe-Jubiläum der Schafbergkirche statt. Bis dahin soll die Glocke wieder an ihrem angestammten Platz hängen.

Jörg Wernisch, Gründer des Österreichischen Glockenarchivs, gibt ihr Hoffnung: 1507 sei die Stadt Freistadt, OÖ, abgebrannt, sogar die Kirchenglocken wurden zerstört. Ähnlich wie in Dornbach habe es eine Filialkirche oberhalb der Stadt gegeben. Deren Glocken wurden nach Freistadt transferiert. Das ließen sich die Anrainer aber nicht gefallen; sie waren hartnäckig – mit Erfolg. „Nach zwei Jahren waren alle drei Glocken retour.“

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