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Wien-Wahl
09/14/2015

Die Donaustadt wartet auf Verkehrsentlastung

"Ohne Lobau-Tunnel, keine Koalition mit den Grünen", fordert SPÖ-Bezirkschef Ernst Nevrivy von den Genossen.

von Bernhard Ichner

Tausende Pkw rollen über die Wagramer Straße. An einer roten Ampel vor dem Donauzentrum geht Ernst Nevrivy gezielt auf einen davon zu, grüßt den Fahrer per Du und tauscht durchs Seitenfenster ein paar freundliche Worte mit ihm aus. Der Lenker stellt sich als sein Autohändler heraus, von ihm hat der SPÖ-Bezirksvorsteher der Donaustadt kürzlich einen SUV gekauft. Einen Strom-betriebenen, wie er betont.

Das Thema Verkehr dominiert den Wahlkampf im flächenmäßig größten Bezirk Wiens. Und Autofan Nevrivy macht keinen Hehl daraus, dass er von der Verkehrspolitik der grünen Vizebürgermeisterin Maria Vassilakou nicht viel hält.

Pro Straßenbau

Der 22. Bezirk wächst, rund 30.000 neue Bewohner werden in den kommenden zehn Jahren erwartet. „Und die werden nicht alle mit dem Fahrrad kommen. Das müssen auch die Grünen akzeptieren.“ Um Siedlungsgebiete zu entlasten, erachtet der rote Bezirkschef die Nord-Ost-Umfahrung (die S1-Spange von Süßenbrunn nach Schwechat) sowie die umstrittene Stadtstraße von der Tangente zur S1 daher als absolut notwendig. (Bei FPÖ und ÖVP sieht man das genauso.) „Ohne Lobau-Tunnel, keine Koalition mit den Grünen“, richtet er den Genossen im Rathaus aus.

Dass Vassilakou zuletzt eine Volksbefragung über das Projekt anregte, bringt für Nevrivy das Fass erst recht zum Überlaufen: „Es kann doch nicht sein, dass 22 andere Bezirke über unsere Lebensqualität abstimmen.“

Am 22. September werden der Rote und die Grüne allerdings zusammenarbeiten: Im Haus der Begegnung laden sie zu einer Informationsveranstaltung über „Chancen für die alten Ortskerne von Aspern, Breitenlee, Essling und Hirschstetten“ ein.

Nevrivy fragt sich allerdings, „wie Vassilakou diesen Spagat schaffen will“. Denn Grundvoraussetzung für die Verkehrsentlastung der Ortskerne und somit für weitere Entwicklungsmöglichkeiten ist für ihn die von den Grünen ungeliebte Stadtstraße. 2018 soll sie kommen.

Sorge um Grünraum

Um die durch Einpendler massiv verstärkte Parkplatzproblematik – die grüne Bezirksobfrau Heidi Sequenz nennt die Donaustadt „den größten Gratis-Parkplatz Wiens“ – in den Griff zu bekommen, sei das Nachbarbundesland gefragt, meint Nevrivy. „Es wäre wünschenswert, dass sich Niederösterreich endlich an einer Verlängerung der Wiener Linien beteiligt.“ Die Grünen plädieren eher für eine Ausweitung des 365-Euro-Jahrestickets ins Umland.

Ein anderes „heißes Eisen“ im 22. ist die Schaffung von Wohnraum. So manches Bauprojekt ist umstritten. Vor allem bei den Freiheitlichen sorgt man sich um den Ortsbildschutz. „Der ländliche Charakter wird zerstört, weil große Bauprojekte weitab der U-Bahn in die grüne Wiese gepflanzt werden“, kritisiert FPÖ-Landesparteisekretär Toni Mahdalik. Als Beispiele führt er die „Monsterbauten“ in der Lobau-nahen Dittelgasse sowie in der Berresgasse zwischen Hirschstetten und Breitenlee an.

„Maß und Ziel“ fordert dagegen ÖVP-Obmann Wolfgang Vosko bei Neubauten ein. „Wohnraum schaffen ja, aber direkt neben Einfamilienhaus-Siedlungen Hochhäuser zu errichten, ist nicht notwendig.“ Vielen Leuten gingen solche Veränderungen zu schnell, meint auch Sequenz von den Grünen.

Nevrivy teilt die Bedenken nicht. Um leistbaren Wohnraum zu schaffen, findet er eine dichte und hohe Bebauung akzeptabel. Zumal „mehr als die Hälfte der Donaustadt Grünflächen“ seien. Besondere Bedeutung misst er dem von seinem Vorgänger initiierten Norbert-Scheed-Wald, vormals „Wienerwald Nordost“, bei.

Als Bezirksvorsteher stellt sich der gelernte Fernmeldemonteur und leidenschaftliche Rapid-Fan seiner ersten Wahl. Nach 15 Jahren als Parteisekretär trat Nevrivy erst 2014 in die großen Fußstapfen seines verstorbenen Freundes Norbert Scheed.

„FPÖ existiert nicht“

Eine Zusammenarbeit mit der FPÖ, die mit 30,2 Prozent der Wählerstimmen die zweitstärkste Kraft in der Donaustadt ist, kann er sich nicht vorstellen. „Im Bezirk gibt es zwei Oppositionsparteien, die konstruktiv mitarbeiten – die ÖVP und die Grünen. Die Blauen existieren eigentlich nicht. Die tauchen bloß alle drei Monate mit irgendwelchen fragwürdigen Anträgen bei den Bezirksvertretungssitzungen auf – zum Beispiel haben sie täglichen Sonnenschein für die Donaustadt beantragt (der KURIER berichtete).“
Mahdalik wiederum findet, dass Nevrivy „absolutistisch agiert“.

Eine Herausforderung nach der Wahl sieht der Bezirkschef in der Verteilung der roten Regierungssitze. Denn da sind die SPÖ-Hochburgen Floridsdorf und Donaustadt, von Wohnbaustadtrat Michael Ludwig einmal abgesehen, zurzeit unterrepräsentiert. Er selbst wolle allerdings nicht ins Rathaus. „Ich bin lieber Bezirksvorsteher im schönsten Bezirk der Stadt.“

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