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Drehscheibe
05/06/2014

Die Chinesen fliegen auf Wien

Die Air China landet wieder in Schwechat, bei Touristen boomt die Stadt schon länger.

von Elias Natmessnig

Pünktlich um 6.10 Uhr landete am Montag erstmals nach 15 Jahren wieder ein Jet der Air China auf dem Flughafen Wien-Schwechat. Die chinesische Fluglinie wird künftig vier Mal pro Woche mit einem A330-300 von Peking nach Wien fliegen. Für den Flughafen ist das eine weitere Aufwertung als internationale Drehscheibe. Ebenso wichtig ist das aber auch für den Tourismus.

Denn bei Chinesen liegt Wien im Trend. In den vergangenen fünf Jahren hat sich die Zahl der Nächtigungen verdreifacht (siehe Grafik). 2013 belegte China mit 208.000 Nächtigungen bereits Rang 12, knapp hinter Japan. Es ist eine junge, wohlhabende Oberschicht, die es sich leisten kann, zu reisen – auch dank leichter zu bekommender Visa. So auch Angus Song. "Ich bin geschäftlich hier", erzählt der Gast aus Schanghai. Da­zwischen vertreibt er sich die Zeit mit Shoppen und dem Besuch des Sisi-Museums.

Shoppingtour

Geld haben die Gäste aus China genug. Gewohnt wird meist in Fünf- oder Vier-Stern-Hotels. Kaum ein chinesischer Gast, der sich in ein Motel verirren würde.

Auch der Handel profitiert. Im Schnitt geben Chinesen 65 Prozent ihres Reisebudgets für Einkäufe aus. Die Wirtschaft hat darauf reagiert: "Sowohl im Modebereich als auch bei den Juwelieren hat in den letzten Jahren ein Umdenken stattgefunden", sagt Elisabeth Rammel, Geschäftsführerin der Sparte Mode- und Freizeitartikel in der Wiener Wirtschaftskammer. Viele Luxus-Unternehmen leisten sich chinesischsprachige Mitarbeiter. So wie Ren Luo, Mitarbeiter beim Juwelier Bucherer in der Kärntner Straße.

"Die Chinesen kaufen vor allem nach Marken, weniger nach der Farbe oder dem Design", erzählt Luo. Seit vier Jahren betreut er hier die betuchten Kunden, über Summen, die hier den Besitzer wechseln, schweigt er lächelnd. Vor allem teure Uhren seien sehr gefragt, aber auch Taschen. "Viele kommen direkt vom Louis-Vuitton-Shop zu uns", sagt Luo. Die meisten arbeiten dabei eine Einkaufsliste ab, kaufen für die ganze Familie ein.

Denn in Europa sind Luxusartikel um 40 Prozent günstiger, da es in China hohe Steuern auf derartige Güter gibt. Noch im Jahr 2012 seien die heimischen Uhrengeschäfte und Juweliere praktisch leergekauft worden, erklärt Gerd Gfrerer vom Mehrwertsteuer-Rückerstatter Global Blue.

Das änderte sich 2012: Seitdem fährt China einen scharfen Antikorruptionskurs, die Nächtigungen stiegen daraufhin nur leicht, eingekauft wurde weniger. 599 Euro gab ein chinesischer Tourist 2013 beim Shoppen aus, um 33 Euro weniger als 2012. "Die Chinesen vergleichen heute aber auch genauer die Preise als früher", sagt Luo. Für die Luxus-Shops noch immer ein gutes Geschäft. Das nun dank Air China wieder Auftrieb erhält.

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