21 Uhr: Noch ist der Schanigarten vor dem Ulrich gut gefüllt, doch in wenigen Minuten läuten die Kellner die letzte Runde ein

© KURIER/Gilbert Novy

Wien
06/13/2015

Dicke Luft im Schanigarten

Unterschiedliche Schließzeiten für Gastgärten sorgen für Verwirrung bei Gästen, auch Wirte sind verärgert.

von Josef Gebhard, Gilbert Novy

Wer dieser Tage nach Sonnenuntergang ein kühles Bier im Freien genießen möchte, hat es nicht immer einfach. Sorgen doch die unterschiedlichen Sperrstunden von Gast- und Schanigärten für erhebliche Verwirrung.

Etwa in der Gastro-Meile am Ulrichsplatz (Neubau): Es ist kurz nach 21 Uhr, noch nicht einmal richtig dunkel, die Temperaturen liegen bei lauschigen 22 Grad. Trotzdem werden die Kellner im Gastgarten des Restaurants Ulrich schon leicht ungeduldig: "Letzte Runde bitte. Wir müssen um zehn den Garten schließen." Tatsächlich sind die Tische eine Stunde später leergefegt, während nur wenige Schritte daneben, vor dem Morgenstern, noch bis 23 Uhr fröhlich weitergezecht wird.

"Das ist schon sehr unangenehm, zumal man im Lokal nicht rauchen darf", sagt Besucherin Regina Klepke-Berger, die um Punkt zehn vom Schanigarten in den Innenraum übersiedeln musste. "Diese Regelung ist sehr ungerecht", empört sich auch Stammgast Hans-Peter Kranz.

So sieht das auch Ulrich-Wirt Gerald Bayer: "Was hier passiert, ist wettbewerbsverzerrend. Warum gibt es keine einheitliche Regelung für alle Wirte?" Schon zwei Mal musste er nach Anzeige einer Nachbarin Strafe zahlen, nur weil kurz nach 22 Uhr noch einige Gäste im Schanigarten saßen.

Kritik an Auflagen

Dabei dürfen Schanigärten in Wien grundsätzlich bis 23 Uhr offen haben (im Hochsommer vereinzelt sogar bis 24 Uhr, siehe unten). Doch die Behörde beruft sich beim Ulrich auf einen alten Betriebsanlagen-Bescheid, der eine Sperrstunde von 22 Uhr vorschreibt. Für Peter Dobcak, Gastro-Spartenobmann in der Wirtschaftskammer ist das nur ein Beispiel von vielen, wie die Behörden den Wirten das Leben immer schwerer machen. "Zum Teil sind irrwitzige Auflagen zu erfüllen", kritisiert er.

Die zuständigen Stellen weisen das entschieden zurück: "Noch nie gab es so viele Schanigärten in Wien wie jetzt", betont ein Sprecher der Magistratsdirektion. Und zum konkreten Fall: "Der Wirt muss nur um eine neue Betriebsanlagengenehmigung ansuchen. Das hat er noch nicht gemacht."

Wie so oft gilt auch hier: Wo kein Kläger, da kein Richter. So fanden sich beim KURIER-Rundgang in Neubau einige Lokale, wo man selbst nach 23 Uhr noch im Freien trinken konnte.

Wer auf Nummer sicher gehen will, findet in Wien auch vereinzelt Möglichkeiten, sogar nach Mitternacht im Freien zu feiern. Etwa im Volksgarten-Pavillon am Ring, dessen Garten je nach Besucher-Andrang mitunter bis fünf Uhr in der Früh offen hat. Weil es hier keine Anrainer gibt, die sich belästigt fühlen können, hat das Lokal eine Sondergenehmigung.

Luft nach oben

Das Angebot kommt an, auch an einem Arbeitstag ist der Gastgarten gegen Mitternacht noch recht gut gefüllt. Wegen der langen Öffnungszeiten kommt auch Alex immer wieder hierher. "Es sollte noch viel mehr solcher Lokale in Wien geben", sagt er. "Potenzial ist sicher vorhanden. Zum Beispiel im Stadtpark."

Unterschiedliche Regelungen

In Wien gibt es derzeit knapp 3000 Gast- und Schanigärten. Die Saison läuft grundsätzlich von Anfang März bis Ende November. Gastgärten, die sich auf privatem Grund befinden (vor allem Innenhöfe von Wohnhäusern) dürfen nur bis 22 Uhr offen haben; Schanigärten auf öffentlichem Grund hingegen bis 23 Uhr. Laut einer Verordnung dürfen Schanigärten in einigen Gebieten Wiens zwischen 15. Juni und 15. September gar bis 24 Uhr geöffnet haben. Dies gilt unter anderem für den gesamten ersten Bezirk und Teilen einiger anderer Bezirke. Mit Sondergenehmigungen sind sogar noch längere Öffnungszeiten möglich.

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