© Thomas Grötschnig

Chronik Wien
03/02/2019

Designen und jausnen statt parken: Kleine Oasen inmitten der Stadt

Urbane Möbel: Rund 50 Parklets gibt es in Wien – quer durch die Stadt, nicht nur in Hipster-Bezirken.

von Lisa Rieger

Die Parkuhr mit Münzen füttern, einen Rollrasen ausbreiten, eine Bank und einen Baum daraufstellen und die Zeit auf dem Parkplatz alternativ nutzen – damit begann im Jahr 2005 alles in San Francisco. Das Designkollektiv „Rebar“ zeigte damit, wie man urbane Flächen auch anders nutzen kann.

Seit 2015 gibt es sogenannte Parklets auch in Wien. „Parklets sind Erweiterungen des Gehsteigs, kleine Oasen in der Stadt, die zum Verweilen einladen“, sagt Thomas Grötschnig. Mit Aufbauten, meist aus Holz oder Paletten, auf Parkplätzen wird so der öffentliche Raum vergrößert. „Jedes Parklet ist ein konsumfreier Raum, inklusiv und für alle da“, sagt der 29-Jährige. Das bedeutet, dass jeder seine eigene Jause mitbringen und essen darf.

Der 29-Jährige veröffentlicht Mitte März das Buch „Parklets/Street Art Furniture Vienna“. Dieses porträtiert 60 Parklets. „Es soll gezeigt werden, was alles möglich ist und wo“, sagt Grötschnig. Es soll als Inspirationsquelle für neue Parklets dienen.

Die Parklets sind in ganz Wien verteilt. Sie sind nicht nur in den klassischen „Hipster-Bezirken“ zu finden, sondern auch in Favoriten oder Penzing. „Mich hat überrascht, dass in Hernals und Währing so viel passiert“, sagt der Kärntner, der nach Stationen in Berlin, Madrid und Rom wieder in Wien lebt.

„Insgesamt reichen aber schon mehr Menschen Konzepte ein, die in dicht verbauten Bezirken wohnen“, sagt Andrea Binder-Zehetner von der „Grätzloase“. Die „Grätzloase“ ist ein Programm des Vereins „Lokale Agenda 21“, das die Errichtung von Parklets mit bis zu 4000 Euro fördert. So werden es jedes Jahr mehr. Gab es 2015 drei Parklets in ganz Wien, werden es dieses Jahr mehr als 50 sein.

Nachbarschaftsprojekte

Prinzipiell kann jede Person ein Parklet machen: „Nachbarn schließen sich sehr oft zu Gemeinschaften zusammen oder Galerien machen welche, aber es gibt auch Schulprojekte“, sagt Grötschnig. Um ein Parklet aufzustellen, braucht es Genehmigungen von MA28 (Straßenerhalt) und MA46 (Verkehrssicherheit). In einem Häuserblock dürfen nicht mehr als zehn Prozent der Fläche aus Parklets bestehen und eines darf die Länge von zehn Metern nicht überschreiten.

Der Kreativität sind grundsätzlich keine Grenzen gesetzt. „In Penzing gab es zum Beispiel einen Brotbackplatz. Da wurde ein Backofen aufgestellt und die Nachbarschaft konnte Pizza und Brot zubereiten und gemeinsam essen“, erzählt der Autor. Vor dem Geschäft in Neubau „Sous-Bois“ konnten Postkarten gestaltet werden. Bei anderen gab es Sandkisten, Bücherschränke und Radreparatur-Stationen.

Galerien nutzen Parklets, um internationale Künstler einzuladen und die Parklets, die immer von Mai bis Oktober aufgestellt werden, jährlich neu zu gestalten. Ein Beispiel dafür ist die Hinterland Galerie in Margareten. Besonders ausgetobt hat sich 2017 der Künstler David Moises, der das Parklet inklusive der Möbel aus alten Ski fabriziert hat.

Thomas Grötschnig: