Chronik | Wien 10.01.2012

Der Streit um den Schnee von gestern

Weil im Vorjahr die Schneeräumung nicht funktionierte, prozessiert die Stadt Wien mit einer Firma um Millionenbeträge.

Zumindest diese Saison verlief die Schneeräumung in den Wiener Gemeindebauten bisher völlig klaglos. Verirrte sich doch bis dato kaum ein Flöckchen in die Stadt.

Anders die Situation im Vorjahr, als es nach den starken Schneefällen im Dezember zu massiven Problemen gekommen war. 350.000 m² Gehwege und befestigte Flächen in 435 Wohnhausanlagen waren nicht oder nur mangelhaft betreut, heißt es dazu bei Wiener Wohnen. Es habe Beschwerden von Tausenden Mietern gegeben.

Erstmals war im Vorjahr die Schneeräumung im Gemeindebau teilweise an private Firmen ausgelagert worden. Der Löwenanteil ging dabei an die Firma Bromberger, die unter anderem den Flughafen Schwechat betreut. Sie wurde mittlerweile von der Stadt geklagt. Es geht dabei um eine Pönalzahlung von beachtlichen 1,3 Millionen Euro – für einen Auftrag mit einem ursprünglichen Volumen von rund 700.000 Euro.

Der nächste Gerichtstermin ist für Februar geplant. Hinzu kommt ein strafrechtliches Verfahren: Wegen der mangelhaften Räumung kam es zu 53 Unfällen, fünf Personen hätten sich schwer verletzt, heißt es im Büro von Wohnbaustadtrat Michael Ludwig (SPÖ).

Bisher sind alle Versuche gescheitert, den Streit außergerichtlich zu lösen.

„Es sind Probleme passiert, aber nicht in dem Ausmaß, wie es von Wiener Wohnen dargestellt wird“, betont der Geschäftsführer der Firma, Rudolf Bromberger. Da unter „seltsamen Umständen“ zwei Mitbewerber bei der Ausschreibung ausgeschieden wurden, sei das zu betreuende Gebiet schließlich weit größer geworden als ursprünglich angenommen.

Seitens Wiener Wohnen habe man dann Druck auf ihn ausgeübt, den Auftrag trotzdem zu übernehmen. „Jede andere Firma wäre dann vor den gleichen Problemen wie wir gestanden“, verteidigt sich Bromberger. „Man hat den Eindruck, dass der Firma der Schwarze Peter zugeschoben werden soll“, sagt ein Mietervertreter, der nicht genannt werden will.

Neue Schneeräumpolitik

Bei Wiener Wohnen versteht man die Argumentation nicht: „Die Firma hat ein Angebot für alle Lose abgegeben. Die beiden anderen Mitbewerber haben bestimmte Kriterien nicht erfüllt. Wir konnten nicht anders, als der Firma Bromberger den Zuschlag zu erteilen“, sagt Elisabeth Miksch-Fuchs von der Wiener Wohnen Haus- & Außenbetreuung.

Sie räumt aber ein, dass es bei der Vergabe zu Fehlern gekommen ist. Deshalb wurde für den heurigen Winter die Schneeräumung neu geregelt: Die von ein und demselben Anbieter betreute Fläche darf nicht mehr als 120.000 m² ausmachen. Statt zwei erhielten heuer zwölf Firmen den Zuschlag. So soll verhindert werden, dass es zu einem Totalausfall der Schneeräumung kommt, sollte eine davon ihren Auftrag nicht erfüllen können.

Die Firmen sind insgesamt für 675.000 m² zuständig. Deutlich mehr (2,2 Mio. m²) werden allerdings auch diesen Winter von den 1900 Hausbesorgern und den Mitarbeitern der Haus- und Außenbetreuung geräumt – sofern es heuer überhaupt noch schneit.

( Kurier ) Erstellt am 10.01.2012