Chronik | Wien
12.06.2018

„Der Schwimmkurs ist für uns unverzichtbar“

Ertrinken ist die zweihäufigste Todesursache bei Kindern. Immer mehr Eltern schicken die Kinder in Schwimmschulen

„So, alle umdrehen und zurück zu mir!“, ruft Schwimmlehrer Fabien Hofmann. „Los geht’s!“ Ein Pritscheln und Wasserspritzen setzt ein, als sich die Kinder in dem Dachgeschoß-Becken der Schwimmschule „Work Out“ in Bewegung setzen. Ausgerüstet mit Schwimmreifen und Schwimmnudel paddeln sie auf Trainer Fabian zu. „Super, macht ihr das! Emma, Hände ein bisschen mehr nach unten!“

Es ist Tag fünf des Anfängerkurses in der Wiener Rötzergasse. Das bedeutet Halbzeit für die sieben Kinder, die in dem 30 Grad warmen Becken (ideale Temperatur, damit die Muskeln nicht kalt werden, Anm.) lernen, ihre Züge zu machen. Am Ende des Kurses sollen sie „selbstständig sicher über Wasser halten“ können. Und zwar wirklich, versichert Schwimmschul-Leiter Martin Becker. Wer das nach zehn Tagen nicht kann, wird kostenlos weitergeschult. „Das ist unsere Garantie. Es ist mir einfach sehr wichtig, dass sie das wirklich können . Ertrinken ist bei Kindern die zweithäufigste (unfallsbedingte, Anm.) Todesursache“, sagt Becker. Seit 22 Jahren leitet er die Schule im 17. Bezirk. Mit rund 12.000 Schülerinnen und Schülern, die hier schwimmen gelernt haben, zähle sie zu den größten privat geführten Schwimmschulen des Landes.

Und die Nachfrage würde stetig steigen. 55 Kurse bietet er mittlerweile im Jahr an. Vor allem in der kühleren Jahreszeit seien sie schnell ausgebucht. Einen Wermutstropfen gebe es aber doch: „Vor zehn Jahren hatten wir noch sieben, acht Kindergärten, die regelmäßig mit Gruppen zu uns gekommen sind. Heute haben wir zwei.“ Personalkürzungen und Verschärfungen bei der Aufsichtspflicht würden es für die Betreuungspersonen schwieriger machen, zu ihm zu kommen.

Vorsorgen

Dafür wächst die Zahl der Eltern, die ihre Kinder privat in einen Kurs bringen. „Mir war von Anfang an klar, dass ich Anna-Franziska in einen Kurs schicken werde“, meint Silvia Warnick-Kolar. „Es geht eben einfach um ihre Sicherheit.“ Emmas Mutter Isabell Hübel ergänzt: „Die Emma ist sehr furchtlos, sie läuft immer ihrer großen Schwester hinterher. Auch ins Wasser. Ich hatte einfach Angst, dass dabei einmal etwas passieren würde. Eine Freundin von der Emma ist einmal fast ertrunken. Bei den Großeltern. Nur weil der Opa sich kurz nach der Brille gebückt hat. Es kann so schnell gehen.“

Deshalb lieber ein Kurs zu viel, als einer zu wenig, lautet das Credo von Martin Becker. Das sagt er auch Älteren, die als Kind (in einem anderen Land) nicht schwimmen gelernt haben und denen ein Kurs mit anderen nun vielleicht unangenehm ist. Deshalb werden Teenager und Erwachsene nur einzeln trainiert. Die Zahl dieser Kursteilnehmer steigt übrigens auch. Anna-Maria Bauer