Chronik | Wien
09.12.2011

Der Papa war die perfekte Hebamme

Die Anweisungen kamen via Telefon aus der Rettungszentrale. Der tapfere Vater half seinem Sohn auf die Welt.

Der Papa hatte gar keine Zeit, nervös zu sein. Denn die Geburt dauerte keine fünf Minuten. „Unser Sohn kam Donnerstag, kurz nach 03.20 Uhr bei uns zu Hause gesund zur Welt“, sagte Mama Martina S., 30, im Krankenhaus St. Josef in Wien-Hietzing. Neben ihr liegt Sohnemann Samuel. Er ist 52 Zentimeter groß, 3650 Gramm schwer und versteht es bereits, sich in Szene zu setzen.


Mutter und Baby sind wohlauf. Obwohl es der junge Mann bei seiner Geburt mehr als eilig hatte. Die Nacht auf Donnerstag wird die Familie wohl nie vergessen. Denn urplötzlich setzten bei Martina S. die finalen Wehen ein. Vater Vlada S., 30, alarmierte die Rettung. Doch zwei Minuten später wählte der angehende Krankenpfleger nochmals den Notruf.
„Diesmal war seine Stimme schon sehr aufgeregt“, erzählt der diensthabende Journal-Mitarbeiter der Wiener Rettung, Christian Körper, lächelnd.

Geburtshilfe via Telefon

Denn Vlada S. erklärte mit zittriger Stimme, dass das Kind bereits auf dem Weg sei und der Kopf zum Teil zum Vorschein kam. „Da galt es, keine Zeit mehr zu verlieren“, war sich der Rettungsprofi bewusst: „Wir mussten die Geburt über das Telefon durchführen. Zu Beginn war Herr S. noch völlig aufgelöst, dann aber extrem tapfer. Er beruhigte sich mit wachsender Aufgabe und setzte alle Angaben professionell um.“

Für seine gebärende Frau waren die dramatischen Minuten wahrscheinlich weniger strapaziös als für ihren Mann. Denn Martina S. brachte bereits ihr viertes Kind zur Welt. Daher auch der unkomplizierte Geburtsvorgang. Jetzt bekamen die zwei Töchter (8 und 5 Jahre) sowie der jüngste Spross (18 Monate) ein Geschwisterl dazu. Die vierfache Mama war sichtbar stolz: „Das hat er so super gemacht. Wir alle sind glücklich und dankbar, dass alles geklappt hat.“

Alles richtig gemacht

Alles richtig gemacht

Da die Niederkunft keine fünf Minuten dauerte, musste der Papa seinen Sohn auch versorgen. Denn die Rettung war noch immer auf dem Weg. Geburtshelfer Körper instruierte den Vater auch dabei via Telefon: „Ich sagte ihm, er muss die Atemwege freimachen, also Mund und Nase säubern. Und das Neugeborene warm einpacken. Auf meine Frage erfuhr ich, dass die Vitalfunktionen bei dem Kleinen in Ordnung waren. Dann klemmte Herr S. die Nabelschnur ab.“


Die mittlerweile eingetroffene Rettung durchtrennte die Nabelschnur und brachte Mama und Neugeborenes ins Spital. Auch für Geburtshelfer Christian Körper war es die erste „Telefon-Geburt“: „Ein tolles Erlebnis. Ich wünsche der Familie alles Gute.“