"Nicht alle Männer, aber ...": Männer demonstrieren gegen Männergewalt

Für "Ehrenmänner": Am 7. März findet in Wien die erste Demo gegen Männergewalt statt, die sich explizit an Männer richtet.
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Im Vorjahr wurden 25 Morde an Frauen in Österreich verzeichnet. Und kaum begann das neue Jahr, wurden erneut Femizide vermeldet – zwei Männer gestanden im Jänner, Frauen erwürgt zu haben. Im Februar wiederum fiel das Urteil gegen einen 34-Jährigen, der im Vorjahr seine Ex-Freundin auf einem Parkplatz mit einem Kopfschuss tötete.

Femizide in Österreich zu Jahresbeginn

Gewalt an Frauen: Ein Männerproblem

"In Österreich werden Frauen ermordet, weil sie Frauen sind. Und in beinahe allen Fällen war der Täter der Partner oder Expartner", heißt es von Seiten des Vereins Autonome Österreichische Frauenhäuser (AÖF). Um Gewalt gegen Frauen zu verhindern, müsse man also dort ansetzen, wo sie entsteht: Bei den Männern – und bei den Bildern von Männlichkeit, die sie prägen bzw. geprägt haben, wie die AÖF betonen: "Gewalt an Frauen ist ein Männerproblem, aber es wird vielfach als Problem der Frauen dargestellt." 

Manfred Zeisberger will daran etwas ändern: Er organisiert am 7. März vor dem Parlament in Wien (Beginn 13 Uhr) die erste Demo gegen Männergewalt, die sich explizit an männliche Teilnehmer richtet. "Das Jahr hat wieder einmal mit Femiziden in Österreich begonnen. Aber dass sich wirklich jemand aufrafft und sagt 'Ich will das nicht mehr hinnehmen, ich möchte etwas dagegen tun', habe ich nicht wahrgenommen, insbesondere nicht von Männern. Der große Aufschrei kommt nach solchen Fällen fast immer nur von Frauen," erklärt Zeisberger im Gespräch mit dem KURIER seine Motivation.

"Ein bisschen wehleidig"

Dass viele Männer bei der Berichterstattung über Gewalt an Frauen reflexartig in die Verteidigungsposition gehen, stößt Zeisberger besonders sauer auf. Kommentare wie "Nicht alle Männer sind so" oder "Ich bin keiner von denen" wirken auf ihn "ein bisschen wehleidig. Klar führen nicht alle Männer einen Feldzug gegen Frauen. Männer, die aber solche Kommentare unter Gewaltberichte posten, sollten bei sich selbst hinterfragen, warum sie sich dazu bemüßigt fühlen."

Nicht Teil des Problems zu sein sei zudem nicht das Gleiche, wie Teil der Lösung zu sein, so Zeisberger. "Was geschieht denn nach diesem Posting? Ermahnen sie ihre Freunde, wenn sie beim Fortgehen nach dem dritten Bier frauenverachtende Meldungen von sich geben? Korrigieren sie den Arbeitskollegen, der bei der Rauchpause einen sexistischen Witz über eine Kollegin macht? Die zentrale Frage ist: Was tust du konkret dagegen im Alltag?"

Dabei nimmt sich der 55-Jährige gar nicht heraus: In seiner Kindheit und Jugend habe er selbst psychische und physische Gewalt erlebt, später kamen Depressionen hinzu. "Ich war mit diesem Hintergrund eigentlich prädestiniert zum Gewalttäter," sagt der gebürtige Wiener.

Manfred Zeisberger

Manfred Zeisberger ruft in Wien zur ersten Kundgebung von Männern gegen Männergewalt auf. 

"Sich Hilfe zu holen ist Stärke"

Dank Psychotherapie sei es ihm gelungen, einer gewaltvollen Prägung zu entkommen. Nun möchte Zeisberger mit der Kundgebung auf die Bedeutung von Selbstreflexion hinweisen – und auf die Hilfsangebote, die in der öffentlichen Wahrnehmung noch immer nicht genug angekommen seien. Neben der Männerberatung Wien werden daher auch Initiativen wie der Verein Neustart oder White Ribbon Österreich bei der Kundgebung vor Ort sein. "Ich will den Männern klarmachen: Bevor ihr irgendeinen Mist baut, bevor ihr eine Frau schlagt oder umbringt, bitte meldet euch bei einer dieser Stellen. Sich Hilfe zu holen ist Stärke und nicht Schwäche."

Auch richtet sich der Appell der Demo an die Politik, mehr in Therapieplätze, therapeutische Ausbildungen, Hilfseinrichtungen und Gewaltprävention zu investieren. "Für neue Straßen oder ein Fußballstadion findet sich Geld, aber für die Menschen nicht. Es werden hierzulande die falschen Prioritäten gesetzt," kritisiert Zeisberger. Zwar sei der von der Regierung beschlossene Aktionsplan gegen Gewalt an Frauen ein wichtiger Schritt mit guten Ansätzen, würde aber nicht reichen, um die Menschen in ihrem Alltag zu erreichen, meint der Demo-Initiator. 

Für echte "Ehrenmänner"

Apropos: Politiker und Politikerinnen seien nicht zur Kundgebung eingeladen. Zeisberger wollte stattdessen ganz bewusst Fachpersonen aus der Praxis auf der Bühne sprechen lassen, die konkrete Handlungsanleitungen geben können. "Ich möchte zumindest versuchen, ein Zeichen zu setzen und zu zeigen, dass ich nicht einverstanden bin damit, dass die Politik nicht in die Gänge kommt."

Was er sich sonst noch von der Demo erhofft? "Im Idealfall greifen ein paar Redliche diesen Elfmeter auf und schießen ihn ins Tor. Die Kundgebung soll wachrütteln und wichtige Energie an die richtigen Stellen leiten. Und sie soll wahren Ehrenmännern die Gelegenheit geben, gegen Gewalt an Frauen in jedweder Form aufzutreten."

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