Bereits zwei Frauen getötet: Kritik an Aktionsplan gegen Gewalt
Zusammenfassung
- Zwei Frauen wurden in den ersten zwei Wochen des Jahres in Österreich getötet, was erneut Forderungen nach einer raschen Umsetzung des Nationalen Aktionsplans gegen Gewalt an Frauen auslöste.
- Politikerinnen und NGOs kritisieren die bisherige Umsetzung und Finanzierung der Maßnahmen zum Schutz vor Gewalt an Frauen als unzureichend.
- Laut Bundeskriminalamt gab es 2025 einen Rückgang der Femizide im Vergleich zu 2024.
Nach dem Fall einer vermissten Steirerin, deren Leiche am Dienstagabend gefunden wurde, hat nun in Mistelbach in Niederösterreich ein Mann gestanden, seine Lebensgefährtin erwürgt zu haben.
Das Jahr ist gerade einmal zwei Wochen alt und schon wurden zwei Frauen in Österreich Opfer eines tödlichen Gewaltverbrechens. Im vergangenen Jahr gab es 25 Morde an weiblichen Opfern, davon sieben beim Amoklauf in der Steiermark.
"Zwei Frauen wurden getötet. Von Männern. Zwei Frauenmorde. Femizide. Hinterbliebene und Angehörige stehen unter Schock, trauern, sind wütend", erklärten Justizministerin Anna Sporrer und Frauenministerin Eva-Maria Holzleitner (beide SPÖ) am Mittwoch in einer gemeinsamen Aussendung. "Ihnen gilt nicht nur unser Mitgefühl, sondern es muss auch ihre Privatsphäre und besonders jene der Opfer gewahrt werden."
Die beiden Politikerinnen plädierten für die rasche Umsetzung des Nationalen Aktionsplans gegen Gewalt an Frauen. Er sei "kein geduldiges Stück Papier". Die vereinbarten Maßnahmen der gesamten Bundesregierung würden keinen Aufschub dulden. "Als Bundesregierung sind wir die Verpflichtung eingegangen Frauen zu schützen, ihnen ein Leben frei von Gewalt zu ermöglichen. Durch Schutz und Prävention. Durch Männer- und Burschenarbeit. Durch das Einfordern von Verantwortung."
Kritik am Aktionsplan von den Grünen
"Das Jahr beginnt mit einem frauenpolitischen Alarmruf, den die Bundesregierung bei ihrer heutigen Klausur dringend hören muss: Ein unterfinanzierter Nationaler Aktionsplan gegen Gewalt an Frauen, wie ihn die Bundesregierung im Vorjahr vorgelegt hat, reicht nicht aus", kritisierte Meri Disoski, Frauensprecherin der Grünen. "Ich erwarte mir hier deutliche Nachbesserungen, damit wichtige Gewaltschutz- und Gewaltpräventionsmaßnahmen langfristig ausreichend finanziert sind. Wer hier kürzt, handelt fahrlässig und gefährdet Frauenleben."
Auch Klaudia Frieben, Vorsitzende des Österreichischen Frauenringes, zeigte sich entsetzt: "Zwei Femizide innerhalb von wenigen Tagen. Das neue Jahr beginnt mit einer schwarzen Woche für Frauen." Es wären junge Frauen gewesen, die sicher noch gerne gelebt hätten. Es waren Frauen, deren Angehörige nun mit dieser traurigen Tatsache leben müssen, wie so viele vor ihnen, so Frieben. "Gewalt gegen Frauen in jeder Form ist die größte Krise dieses Landes, hervorgerufen durch Männergewalt. Das sollte uns bewusst sein."
Femizide vor allem im privaten Umfeld
Laut Zahlen des Bundeskriminalamtes (BK) gab es im Zeitraum vom 1. Jänner bis 31. Dezember 2025 25 getötete Frauen. Im Vergleichszeitraum 2024 waren es 29 weibliche Opfer, was einen leichten Rückgang bedeutet. Die Polizei in Österreich setze auf Prävention, wurde betont.
So wurden 2024 14.583 Betretungsverbote ausgesprochen, 12.534 Gefährder wurden zur Gewaltprävention vorgeladen und es wurden 193 sicherheitspolizeiliche Fallkonferenzen abgehalten.
16 Frauenmorde im Jahr 2025 waren mit Bezug zu Gewalt in der Privatsphäre. Im Vergleichszeitraum des Vorjahres waren es 24 Fälle. Das entspreche einem Rückgang von über 30 Prozent, so das BK. Die Zahl der männlichen und weiblichen Tötungsopfer sei laut einer Analyse der FH Joanneum im Auftrag des Bundesverbandes der Gewaltschutzzentren seit den 1990er-Jahren annähernd gleich hoch.
Frauen sind zu rund 66 Prozent Opfer von Tötungsdelikten im Haushalt oder im Kontext von Partnerschaft. Rund 66 Prozent der männlichen Opfer sterben hingegen durch Gewalt im öffentlichen Raum.
- Frauen-Helpline: online unter frauenhelpline.at und telefonisch unter 0800-222-555
- Verein Autonome Österreichische Frauenhäuser (AÖF): online unter aoef.at
- Frauenhaus-Notruf: unter 057722
- Österreichischen Gewaltschutzzentren: 0800/700-217
- Polizei-Notruf: 133
MÄNNERINFO, kostenloses Krisentelefon der Männerberatung: 0800 400777
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