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Chronik Wien
11/05/2019

Das Gemeindebau-ABC: Blumen, Emmentaler und Kölner Kübel

Nach 15 Jahren wird wieder ein Gemeindebau eröffnet. Ein lexikalischer Streifzug durch den sozialen Wohnbau in Wien.

von Josef Gebhard

Mit dem Barbara-Prammer-Hof in der Fontanastraße (Favoriten) wird heute der erste Gemeindebau der neuen Generation eröffnet. Ein lexikalischer Streifzug durch Wiens sozialen Wohnbau.

Ambros, Wolfgang: Mit seiner „Blume aus dem Gemeindebau“ setzte der Wiener Liedermacher dem kommunalen Wohnbau 1977 ein musikalisches Denkmal.

Breitner, Hugo: Als SPÖ-Finanzstadtrat schuf er die 1923 beschlossene Wohnbausteuer, die die wichtigste Grundlage für den sozialen Wohnbau im Wien der Zwischenkriegszeit wurde.

Coloniakübel: Bis Mitte der 70er-Jahre in Wien eingesetzte Mistbehälter mit einem Fassungsvermögen von 90 Litern, der unter anderem in Wohnhaus-Anlagen zum Einsatz kam. Der Name weist auf Köln hin, wo die Kübel ihren Ursprung hatten.

Die vom 17er-Haus: Propagandafilm aus dem Jahr 1932 im Science-Fiction-Stil, der die Errungenschaften des Roten Wien preist. Regisseur Arthur Berger war auch am Wiener Wohnbau-Programm beteiligt.

Emmentaler-Architektur: Abschätzige Bezeichnung für die Bauweise von Gemeindebauten in den 50er-Jahren, die sich durch eine extrem schlichte Fassadengestaltung auszeichneten.

Februarkämpfe: Beim Aufstand des sozialdemokratischen Schutzbundes gegen das austrofaschistische Regime kam es 1934 zu schweren Kämpfen um Wiener Gemeindebauten. Das Bundesheer beschoss unter anderem den Karl-Marx- und den Goethehof mit Artillerie.

Gehaltscheck: Eine Forderung der ÖVP. Gemeindebau-Mieter sollen regelmäßig ihr Gehalt offenlegen. Ist es zu hoch, sollen die Mieter mehr zahlen, ausziehen oder eine Kaufoption erhalten. Die SPÖ lehnt dies ab.

Hausbetreuer: Unter Schwarz-Blau wurden Anfang der 2000er-Jahre die klassischen Hausmeister abgeschafft. Seit Kurzem gibt es als eine Alternative Einzelbetreuer, die für jeweils einen Wohnbau zuständig sind.

Integration: Die wohl größte Herausforderung. Derzeit sind 46 Prozent der Gemeindebau-Bewohner Menschen aus Ländern außerhalb der EU (bzw. deren Nachkommen), elf Prozent kommen aus dem EU-Ausland, 43 Prozent haben keinen Migrationshintergrund.

Jubiläum: Heuer feiert die Stadt „100 Jahre Gemeindebau“. Am 19. Juni 1919 startete der Bau des Metzleinstaler Hofs (Margareten).

Karl-Marx-Hof: 1930 eröffnet, ist die Anlage in Heiligenstadt der bekannteste Gemeindebau Wiens. Ursprünglich umfasste er 1.382 Wohnungen für etwa 5.000 Bewohner.

Literatur: Uwe Mauch, Franz Zauner: Im Gemeindebau. 23 Geschichten aus Wien, Promedia, 240 Seiten, 19,90 Euro.

Miete: Im Schnitt liegt sie in Gemeindewohnungen laut Mieterhilfe bei 5,30 Euro / m² (inkl. Betriebskosten und Steuern).

Neue Gemeindebauten: Elf Jahre nach Fertigstellung des vorläufig letzten Gemeindebaus verkündete die SPÖ im Wahlkampf 2015 die Wiederaufnahme des Bauprogramms. Neben den 120 Wohnungen in der Fontanastraße sind derzeit 3.700 weitere in Planung.

Ordnung: Ein weiteres Streitthema im Gemeindebau. Für ein friedliches Zusammenleben sollen die rund 150 Wohnpartner, die die Anlagen bei Konflikten aufsuchen, sorgen.

Prammer, Barbara: Die SPÖ-Politikerin war von 2006 bis zu ihrem Tod 2014 Erste Präsidentin des Nationalrats. Nach ihr wird der erste Gemeindebau der neuen Generation benannt.

Qualtinger, Helmut: Auch der legendäre Kabarettist und Schauspieler (1928–1986) hat seinen eigenen Gemeindebau. In der Anlage in Untersievering (Döbling) lebte der „Menschenimitator“ von 1960 bis 1975.

Ringstraße des Proletariats: So heißt im Volksmund der Margaretengürtel wegen seiner hohen Zahl an Gemeindebauten.

Sandleitenhof: Mit ursprünglich 1.587 Wohnungen war er der größte Gemeindebau der Zwischenkriegszeit. Er wurde erst nach dem Krieg von der Per-Albin-Hansson-Siedlung überholt.

Theater: Eine Besonderheit des Rabenhofs in Erdberg ist sein gleichnamiges Theater, das aktuell vor allem für Kabarett und Lesungen genutzt wird.

Umbenennungen: Zwischen 1933 und 1945 wurden einige Gemeindebauten umbenannt. So hieß der Karl-Marx-Hof vorübergehend Heiligenstädter Hof.

Verdichtung: Eine Möglichkeit, um in der verbauten Stadt für neuen Wohnraum zu sorgen. In einigen Gemeindebauten wurden dafür in den vergangenen Jahren Dachgeschoß-Ausbauen vorgenommen.

Wien-Bonus: Steuerungsinstrument bei der Vergabe, durch das Bewerber, die schon länger in Wien leben, bevorzugt werden.

Werk X – Petersplatz: Die Theatergruppe hat gemeinsam mit handicapped unicorns das Stück „Hauptsache Gemeindebau“ produziert. Premiere ist am 21. November. Infos: www.werk-x.at

Youtube: Hier findet man zum Beispiel die legendäre „Alltagsgeschichte“ über die Großfeldsiedlung aus dem Jahr 2002.

Zugangskriterien: Unter anderem zwei Jahre durchgehender Hauptwohnsitz an der aktuellen Wiener Adresse, Österreichische Staatsbürgerschaft oder gleichgestellt, Unterschreiten der Einkommenshöchstgrenzen.

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