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Chronik | Wien
07/03/2019

Das denken Uber-Fahrer in Wien über das geplante Einheitsgewerbe

Am 3. Juli kommt „Lex Uber“ ins Parlament. Die Fahrer nehmen das mögliche Aus von Uber unterschiedlich auf

Junis* seufzt. „Naja“, sagt er, „ich kann eh nur hoffen.“

Junis ist Uber-Fahrer. Er kam vor drei Jahren aus Syrien nach Österreich. Seit einem Jahr fährt er für die amerikanische Fahrtenvermittlungs-App. Das Geschäft sei in Ordnung, er komme „ganz okay“ über die Runden.

Einheitsgewerbe

Der Grund für Junis’ Seufzen: Heute, Mittwoch, wird „Lex Uber“ – also die geplante Novelle des Gelegenheitsverkehrsgesetzes – im Nationalrat behandelt. Konkret sollen dabei einheitliche Regeln für Taxi und Mietwagen auf den Weg gebracht werden.

++THEMENBILD++ MIETWAGENSERVICE / TAXI / UBER

Für diese Änderungen setzen sich die traditionellen Taxifunkzentralen seit Monaten ein, so werde endlich ein fairer Wettbewerb hergestellt. Mietwagenfahrer müssen dann auch einen Taxischein besitzen und sich beim Fahrpreis am Taxitarif orientieren. Das Gesetz soll – so es in der aktuellen Entwurfsform beschlossen wird – im September 2020 in Kraft treten.

40.000 Unterstützer

Und das bedeutet wohl das Aus für das System Uber in seiner aktuellen Form. Denn bis dato mussten Uber-Fahrer lediglich einen Führerschein vorweisen, Kunden wurden vor allem mit einem günstigen Preis geködert.

Martin Essl, Österreich-Chef von Uber, begrüßt zwar die Tatsache, dass „in den vergangenen Wochen erstmals ein breiter Diskurs über die Gesetzesnovelle stattgefunden hat.“

Die Novelle in seiner derzeit geplanten Form möchte Uber aber so nicht hinnehmen.

Appell an Politik

Bereits vergangene Woche hat das Unternehmen – unterstützt von seinem österreichischen Pendant Holmi – eine Petition für „faire Preise, höhere Qualität, mehr Innovation und moderne Mobilität“ gestartet. Mehr als 40.000 Personen haben die Petition bis dato unterschrieben. Und so appelliert Essl an die Verantwortlichen, „die Interessen dieser Konsumenten, der Unternehmer und deren Angestellten zu berücksichtigen“.

Wie sehr die zuständigen Politiker dem nachkommen werden, wird sich zeigen.

Besorgt bis optimistisch

Die Uber-Fahrer gehen mit dem möglichen Aus der Plattform in Österreich unterschiedlich um, wie eine KURIER-Testfahrt zeigt.

Während der Syrer Junis inständig hofft, dass eine Lösung für Uber gefunden wird, sieht es Bulgare Vanja* gelassener: „Wenn es Uber in Wien nicht mehr gibt, dann gehe ich in eine andere Stadt“, sagt er. „Ich habe erst vor fünf Wochen angefangen, in Wien zu fahren. Momentan läuft es gut. Und das Gesetz soll ja erst in mehr als einem Jahr kommen. Bis dahin kann ich noch arbeiten. Und dann packe ich mich eben zusammen.“ Schließlich gebe es Uber in so vielen anderen Städten.

Kaya*, der ebenfalls aus Syrien kommt, möchte hingegen in Wien bleiben. Er möchte auch weiter Personen kutschieren, denn auch in Syrien war er Taxifahrer. Er hofft, dass er das Geld für den Taxischein zusammenbekommen wird.

Uber-Fahrer Milo* gibt sich indes optimistisch: „Bis jetzt hat Uber immer nur zugesehen, wenn die Taxis protestiert haben. Jetzt hat Uber zum ersten Mal auch reagiert. Und was ist passiert? Tausende Menschen unterstützen das. Uber wird schon eine Lösung finden.“

 

* Namen von der Redaktion geändert