Chronik | Wien
09.11.2016

Cousin erstochen: Mordprozess vertagt

Großteil der Zeugen war nicht erschienen. Mordprozess im Wiener Straflandesgericht wurde vertagt.

Nach nur eineinhalb Stunden musste am Mittwoch ein Mordprozess im Wiener Straflandesgericht vertagt werden, weil ein Großteil der Zeugen einfach nicht auftauchte. Ein 20-jähriger Mann musste sich wegen der Bluttat an seinem Cousin verantworten. Am 5. Juli soll er dem 23-Jährigen im Zuge eines Streits ein Messer in die Brust gerammt und dabei sein Herz tödlich verletzt haben.

Cousin im Streit erstochen

Der 20-jährige Slowake wuchs unter ärmlichen Verhältnissen - er hat noch zehn Geschwister, die den Eltern teilweise vom Jugendamt abgenommen wurden - in seiner Heimat auf. Im Alter von 15 Jahren beschloss er für ein besseres Leben nach Österreich zu gehen. Einer geregelten Arbeit ging er allerdings nicht nach. Als er im Frühjahr eine Ungarin kennenlernte, zog er sofort zu ihr und deren Kind in eine Ein-Zimmer-Wohnung in der Brigittenau.

Einen Tag vor der Bluttat lernte die 25-Jährige die Familie ihres Freundes kennen, als fünf Verwandte des 20-Jährigen - darunter auch der 23-jährige Cousin - nach Wien reisen und allesamt in der kleinen Wohnung Quartier bezogen. Tags darauf kam es zwischen der Ungarin und ihrem Lebensgefährten zum Streit, auch deshalb, weil der 20-Jährige gerne die Dämpfe von Lösungsmitteln zur Berauschung inhalierte und das passte der Jungmutter nicht. Sie bat den 20-Jährigen zu gehen, doch dieser weigerte sich.

Laut Anklage soll der 20-Jährige der jungen Frau eine Ohrfeige verpasst haben, worauf sich sein Cousin einmischte und den Streit in der Küche schlichten wollte. Da griff sich der Beschuldigte ein Küchenmesser mit einer 24 Zentimeter langen Klinge und stach laut Gerichtsgutachter Nikolaus Klupp mit "erheblichem Kraftaufwand" zu. Die Klinge verletzte das Herz des 23-Jährigen. Dieser taumelte noch in das Wohnzimmer, sagte "er hat mich gestochen" und brach sterbend zusammen.

Er habe seinen Cousin nicht töten wollen, sagte der 20-Jährige bei der Polizei. Er wollte den 23-Jährigen nur erschrecken, doch da sei er plötzlich ins Messer gelaufen. Am Mittwoch machte der Angeklagte nur wenige Angaben vor dem Schwurgericht (Vorsitz: Beate Matschnig). Er konnte auch nicht sagen, ob er sich schuldig oder nicht schuldig bekennen wird.

Die Lebensgefährtin des 20-Jährigen sowie die Verwandten waren als Zeugen vor Gericht geladen, waren jedoch nicht erschienen. Richterin Beate Matschnig musste auf 21. Dezember (9.00 Uhr, Saal 106) vertagen.