Chronik | Wien 05.12.2011

Christine Marek wechselt in den Nationalrat

ÖVP-Chefin Christine Marek tritt von allen Wiener Ämtern zurück und wechselt ins Parlament. Ihre vorübergehende Nachfolgerin heißt Gabriele Tamandl.

Am Ende ging alles ganz schnell. "Vielen Dank", sprach Christine Marek und ward verschwunden. Für Fragen nach dem Warum für den Rücktritt blieb keine Zeit. Die Antworten, die Christine Marek selbst gab, sollten genügen.

Auf einer eilig einberufenen Pressekonferenz erklärte die Parteichefin ihren Rücktritt von allen Wiener Ämtern (Klubobfrau, Partei-Chefin und Gemeinderätin) und die Rückkehr in den Nationalrat. "Ich habe über den Sommer viel nachgedacht", sprach Marek mit teils brüchiger Stimme, "und diese Entscheidung in enger Abstimmung mit Bundesparteiobmann Michael Spindelegger bereits Ende August gefällt." Marek wird im Parlament demnächst das Mandat von Maria Rauch-Kallat einnehmen.

In ihrer kurzen Erklärung sprach die gebürtige Bayerin davon, wie sie vor eineinhalb Jahren "auf ihren Herzensjob als Familienstaatssekretärin" verzichtet habe, um aus der Wiener ÖVP wieder eine "urban-liberale, bürgerliche Kraft" zu machen und davon, wie ihr die als schwer regierbar geltende Wiener Partei zusehends die Gefolgschaft verweigerte. "Insbesondere die regelmäßigen Angriffe auf mich aus den eigenen Reihen schwächen die Partei als Gesamtes", sagt Marek. Sie spricht von "Einzelinteressen" und von "mangelnder Geschlossenheit". "Deshalb nehme ich mich - zum Wohle der Partei - aus der Schusslinie."

Und somit endet eine eineinhalb Jahre währende Ära, in die auch das historisch schlechteste Wahlergebnis der Wiener VP nach 1945 fällt. Bei den Wien-Wahlen im Oktober stürzte die Partei auf 13 Prozent der Stimmen ab. Das als alleinige Schuld Mareks zu bezeichnen, wäre wohl falsch.

Tamandl interimistische Parteichefin

Christine Marek, ehemalige Chefin der Wiener ÖVP
© Bild: KURIER/Gruber

In einer Sitzung des Landesparteivorstandes wurde am Freitagabend überraschend die ÖVP-Nationalratsabgeordnete Gabriele Tamandl interimistisch zur geschäftsführenden Parteichefin gewählt. Sie wird das Amt nur solange ausüben, bis ein neuer Obmann bzw. eine Obfrau gefunden ist. Das hat sie nach der Sitzung betont.

In dieser wurde weiters entschieden, dass Gemeinderat und Bundes-Handelsobmann Fritz Aichinger vom Vorstand als Rathaus-Klubobmann vorgeschlagen wird, wobei die definitive Wahl zu einem späteren Zeitpunkt im Klub erfolgt. Nachfolger von Wolfgang Gerstl als nicht amtsführender Stadtrat wird wie erwartet der Bezirkschef des 17. Bezirks, Manfred Juraczka.

Nötig wurden die Rochaden, weil Gerstl das Mandat von Altkanzler Wolfgang Schüssel übernimmt.

( KURIER , KURIER.at ) Erstellt am 05.12.2011