Chronik | Wien
24.04.2018

Michael Häupls Team löst sich auf

Auch Klubchef Christian Oxonitsch wird nicht Michael Ludwigs Mannschaft angehören

Kaum eine Woche vergeht ohne Rücktritt eines prominenten Getreuen des scheidenden Bürgermeisters Michael Häupl. Nach den Stadträten Sandra Frauenberger und Andreas Mailath-Pokorny hat am Dienstag auch SPÖ-Klubchef Christian Oxonitsch seinen Rückzug bekannt gegeben.

„Nach zehn Jahren in dieser Funktion und den großen Umstellungen innerhalb der Partei möchte ich mich wieder darauf konzentrieren, was mir Spaß macht – und das ist die Kommunalpolitik“, sagt der 57-Jährige zum KURIER. Er will also weiterhin Bezirksparteichef in Ottakring und Gemeinderat bleiben.

Dass er zuletzt die Freude an seinem Job als Klubchef verloren hat wäre naheliegend, galt er doch im Rennen um die Nachfolge von Häupl als Unterstützer von Andreas Schieder, der im Duell mit Michael Ludwig unterlag. Somit wurde Oxonitsch schon seit dem Parteitag im Jänner als sicherer Ablösekandidat gehandelt.

Über den neuen Parteichef verliert er kein schlechtes Wort, nur so viel: „Der Posten des Klubchefs ist eine maßgebliche Kommunikationsdrehscheibe, da braucht man maximale Information.“ Es komme in der SPÖ nun ein neues Team zum Zug, es sei nötig, dass der Klubobmann hier besonders gut eingebunden sei, sagt Oxonitsch, der zwischenzeitlich (von 2009 bis 2015) Bildungsstadtrat war.

Was möglicherweise seinen Abgang beschleunigt hat: Zuletzt war auch die Stadträtin und Ottakringer Parteikollegin Ulli Sima mehr oder weniger offen ins Ludwig-Lager gewechselt. Sie, die lange ebenfalls als Unterstützerin von Schieder galt, durfte für Ludwig breitenwirksam das Alkoholverbot am Praterstern verkünden. Sie gilt mittlerweile als Fixstarterin in Ludwigs neuem Stadträte-Team.

Oxonitschs Nachfolger wird Mitte Mai in der Klubvollversammlung gewählt. Als einer der Favoriten wird immer wieder Marcus Schober genannt. Der 37-Jährige aus dem Bezirk Landstraße ist Bildungssekretär und gilt als profunder Kenner der Partei, dem auch Pragmatismus und gute Kontakte zur Opposition nachgesagt werden.

In Frage käme auch Kurt Stürzenbecher. Der Hernalser ist stellvertretender Klubchef und enger Vertrauter Ludwigs. Bereits seit 1993 im Gemeinderat und damit ebenfalls ein rotes Urgestein ist der Kulturpolitiker Ernst Woller, der auch aus dem 3. Bezirk stammt. Außenseiterchancen werden den Gemeinderäten Erich Valentin und Josef Taucher zugeschrieben.

Oxonitsch selbst wird nachgesagt, dass er mittelfristig anstelle seiner Ottakringer Bezirksparteikollegin Nurten Yilmaz in den Nationalrat wechseln könnte. Gegenüber dem KURIER schließt er das aus: „Ich bin mit Leib und Seele Kommunalpolitiker.“