Heinz Engl, Michael Ludwig, Veronica Kaup-Hasler, Michael Häupl

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Chronik Wien
12/11/2018

CEU: Ludwig und Häupl kritisieren Straches "Wanderuniversität"-Sager

Michael Ludwig und Michael Häupl unterstützen CEO-Übersiedlung. Häupl will die Tagespolitik sonst nicht mehr kommentieren.

Der Wiener Bürgermeister Michael Ludwig (SPÖ) und sein Amtsvorgänger Michael Häupl - der als Präsident dem Wiener Wissenschafts-, Forschungs- und Technologiefonds (WWTF) vorsteht - haben am Dienstag bekräftigt, dass man die Übersiedlung der Budapester Central European University (CEU) nach Wien tatkräftig unterstütze. Häupl sprach in dem Zusammenhang von "intellektuellem Asyl".

Kritik setzte es am Begriff "Wanderuniversität", der von FPÖ-Vizekanzler Heinz-Christian Strache in die Diskussion eingebracht worden war. "Da hat man das Prinzip der Universität nicht ganz verstanden", urteilte Ludwig im Rahmen einer Pressekonferenz zum Thema Forschungsstandort Wien. Die Uni habe es sich nicht selbst ausgesucht, den Standort zu verlassen.

"Die CEU wurde 1991 in Prag gegründet, von sehr liberalen und weltoffenen Intellektuellen. Sie ist dann 1993 nach Budapest gezogen, deshalb weil Budapest ein sehr geeigneter Standort war, um den Transformationsprozess der früheren Comecon-Staaten zu begleiten", erinnert der Wiener Bürgermeister an die Geschichte der vom Holocaust-Überlebenden George Soros gegründeten Einrichtung.

Man dürfe nicht vergessen, dass es nach dem Fall des Eisernen Vorhangs notwendig gewesen sei, die früheren kommunistischen Staaten mit der "Lebensweise unserer westlichen Demokratie" vertraut zu machen: "Da war die Central European University ein wichtiger Motor, diesen Entwicklungsprozess zu begleiten." Unverständlich sei die Entwicklung auch deshalb, weil der ungarische Ministerpräsident Viktor Orban einst selber von einem Stipendium der Universität profitiert habe.

"Von daher finde ich den Begriff nicht glücklich gewählt für eine Universität, die aus verschiedenen Anlässen den Standort wechseln musste", sagte Ludwig. Denn es sei die ungarische Regierung gewesen, die es durch verschiedenste Maßnahmen verunmöglicht habe, dass die CEU weiter in Budapest bleibe. Er sei nun aber sehr stolz, dass es gelungen sei, die Universität nach Wien zu bekommen.

Kritik von Häupl

Auch Ex-Bürgermeister Häupl kritisierte die Aussage Straches - wobei er aber vorausschickte: "Also ich kommentiere seit fast sieben Monaten nicht mehr den Herrn Strache. Nicht, dass ich es vorher so gern getan hätte, aber da war das bis zu einem gewissen Grad mein Job." Es sei ihm in der Zwischenzeit eigentlich "völlig wurscht", was der FP-Politiker sage.

Er könne jedenfalls mit dem Begriff nichts anfangen: "Ich hab sehr viel für die Universitäten, ich hab sehr viel für das Wandern, als alter Naturfreund sowieso, aber darüber hinaus auch bei den Studenten. Ich war von Anfang an ein großer Förderer des Erasmus-Programms." Auch Häupl lobte die CEU als Bereicherung für die Wiener Universitätslandschaft.

Dies tat auch der Rektor der Universität Wien, Heinz Engl. Man könnte meinen, Universitäten würden Konkurrenz scheuen, doch das sei nicht der Fall, versicherte er. Die CEU sei "sehr willkommen", da man sich mit ihr synergetisch ergänze, etwa im Bereich Cognitive Sciences. Für Kultur- und Wissenschaftsstadträtin Veronica Kaup-Hasler (SPÖ) ist die CEU "alles andere als eine Wanderuniversität", wie sie versicherte: "Ich hoffe, dass sie hier eine schöne Heimat findet."

Angesiedelt wird die neuer Privatuniversität ab 2023/24 auf dem Gelände des heutigen Otto-Wagner-Spitals. Da der Betrieb bereits im kommenden Studienjahr aufgenommen werden soll, wird es bis dahin eine Zwischenlösung geben.

Häupl will Tagespolitik nicht mehr kommentieren

Michael Häupl versicherte, die Tagespolitik nicht mehr kommentieren zu wollen. Er weigerte sich etwa, ein Jahr ÖVP-FPÖ-Regierung zu beurteilen. Wobei Häupl bei der neuen SPÖ-Chefin Pamela Rendi-Wagner eine Ausnahme machte.

Diese lobte er als "gute Entscheidung": "Sie ist eine sehr eloquente Frau und wird das aus meiner Sicht sehr gut machen." Manche würden sich noch wundern, wenn sie sich durch ein oft allzu freundliches Auftreten der neuen Parteichefin in die Irre leiten lassen, prophezeite Häupl.

Der frühere Bürgermeister Häupl widmet sich hingegen nach seiner politischen Karriere wieder der Forschung - in seiner Funktion als Präsident des Wiener Wissenschafts-, Forschungs- und Technologiefonds (WWTF). Er sei dankbar, dass er das Amt, das er schon seit 15 Jahren innehabe, weiter ausüben könne. Dieses sei nicht nur dafür geschaffen worden, dass er etwas zu tun habe, beteuerte er.

Wobei er auch dieses Motiv nachvollziehen könne, wie er eingestand: "Kein Mensch will, dass ein Ex-Bürgermeister nichts mehr zu tun hat, das verstehe ich. Es ist gescheiter, wenn er was zu tun hat, dann kommt er nicht auf blöde Ideen. Das ist wie bei den Kindern."

Die "Riesendiversität" des Bürgermeisteramtes gehe ihm aber nicht ab: "Ehrlich gesagt, nach 24 Jahren als Bürgermeister und 30 Jahren in der Stadtregierung tut mir das wahnsinnig gut. Falls jemand Anteil nehmen will am bösen Schicksal, nicht mehr Bürgermeister zu sein, lasst es bleiben, es geht mir glänzend."

 

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