Chronik | Wien 12.03.2014

Geheimdienst-Krimi in der Anwaltskammer

Ein Wiener Anwalt instrumentalisierte die Vizepräsidentin für eine schräge Geheimdienstaktion.

Die Causa um den Wiener Rechtsanwalt Gabriel Lansky bringt jetzt auch für die Wiener Rechtsanwaltskammer unangenehme Weiterungen. Denn im Disziplinarverfahren um angebliche Verstrickungen des Anwalts in kasachische Geheimdienstumtriebe spielt auch die Vizepräsidentin der Rechtsanwaltskammer, Elisabeth Rech, eine wichtige Rolle.

Der früheren kasachische Geheimdienstchef Alnur M. lebt nach Machtkämpfen in Wien und wird vom kasachischen Regime gejagt. Ihm wird vorgeworfen, ein "Komplize" des ebenfalls gejagten Rakhat Aliyev zu sein. Agenten des kasachischen Geheimdienstes (KNB) spionierten den Wohnort des Alnur M. aus. Es gab Überfälle und Einschüchterungsversuche. Gegenüber dem Verfassungsschutz gab Alnur M. an, er sollte seinen ehemaligen Weggefährten Aliyev in der Kanzlei des Wiener Anwaltes Gabriel Lansky mit Falschaussagen belasten, andernfalls würde es seiner Familie in der Heimat schlecht gehen.

Rechtsbeistand

Lansky ist der Vertreter angeblicher Aliyev-Opfer. Die Kanzlei Lansky, so Alnur M., vermittelte ihm aber auch einen Rechtsbeistand: Die Spitzenanwältin Elisabeth Rech, im "Nebenjob" auch Vizepräsidentin der Rechtsanwaltskammer. Rech betreute den Ex-Geheimdienstler mehrere Monate und wurde sogar selbst Opfer einer Observation. In diesem Fall waren es aber keine KNB-Agenten, sondern Privatdetektive, die Lansky auf Alnur M. angesetzt hatte. Lansky soll für seinen Gegner die Anwältin sogar bezahlt haben. Alnur M.: "Ansonsten vermute ich, dass die Bezahlung offensichtlich durch die Kanzlei Lansky erfolgt war."

Die Fachwelt staunt: Ein Rechtsanwalt bezahlt der Gegenpartei den Rechtsanwalt? Alnur M. vermutet ein Motiv: Rech habe dafür gesorgt, dass nach außen der Anschein erweckt wurde, dass Alnur M. freiwillig mit der Kanzlei Lansky zusammenarbeite.

Die Staatsanwaltschaft vermutet aber, dass Lansky für den KNB arbeitet und leitete Ermittlungen gegen ihn ein. Deshalb läuft nun auch ein Disziplinarverfahren bei der Rechtsanwaltskammer gegen ihn. Anwältin Rech will dazu dem KURIER gegenüber unter Verweis auf die Verschwiegenheitspflicht und das laufende Verfahren keine Angaben machen. Sie hält aber fest, dass alle Maßnahmen im Rahmen der Vertretung des Alnur M. mit diesem abgestimmt waren und mit seiner Zustimmung erfolgt seien. Der Präsident des Disziplinarrates der Kammer, Karl F. Engelhart, legt Wert auf die Feststellung, dass die Vizepräsidentin keine Einflussmöglichkeit auf das Verfahren habe. Und Lansky, der die Zusammenarbeit mit dem KNB heftig bestreitet, war für keine Stellungnahme zu haben.

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( Kurier ) Erstellt am 12.03.2014