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Chronik Wien
07/31/2022

Calle Libre 2022: Alles neu beim Wiener Street-Art-Festival

Die ganze Woche über wird am Nordwestbahnhof gemalt, geplaudert und gefeiert.

von Andreas Puschautz

Regeneration können wir dieser Tage alle gut gebrauchen. Für diejenigen, die sich diese nicht in der Sommerfrische holen können, bietet das Street-Art-Festival Calle Libre (zu Deutsch: freie Straße) diese Woche ein Alternativangebot in der Stadt. Die von Montag bis Sonntag über die Bühne gehende, mittlerweile neunte Ausgabe des Kunstfestivals hat sich nämlich genau diesem Motto verschrieben.

Das Festivalteam selbst muss die Erholung noch ein wenig aufschieben, findet das Calle Libre in diesem Jahr doch in runderneuerter Form statt. Erstmals werden nämlich nicht über die ganze Stadt verteilte Hauswände bemalt, sondern eine einzige.

Die ist dafür 400 Meter lang und befindet sich am Gelände des Nordwestbahnhofs in der Brigittenau. Wo ab 2024 unter dem Titel „Grüne Mitte“ ein neuer Stadtteil inklusive zehn Hektar Park entstehen soll, wird nämlich erst einmal die ganze Woche gemalt, geplaudert und gefeiert.

 

Laut Veranstalter Jakob Kattner wurde Regeneration zum Motto gekürt, weil durch die Pandemie Begriffe wie Umweltschutz, ökologische Nachhaltigkeit und Klimawandel in den Hintergrund der öffentlichen Diskussion gerutscht sind. Das Calle Libre will nun dazu beitragen, diese Themen wieder in den Vordergrund zu rücken. So wird der portugiesische Künstler Bordalo II. etwa ein überdimensionales Eichhörnchen aus Müll kreieren.

Neue Chancen

Der Schwerpunkt des Festivals liegt aber weiterhin beim Malen und Sprayen. Nur diesmal eben mit dem Unterschied, dass sich die 22 Künstlerinnen und Künstler gleichzeitig an derselben Wand verwirklichen. Für Kattner einer der Vorteile der neuen Location, werde dadurch doch vielmehr Austausch möglich. Und auch das Publikum muss nicht mehr durch die ganze Stadt fahren.

Zudem ermöglicht der fixe, Standort ein breiteres Rahmenprogramm: Neben geführten Street-Art-Touren und Workshops gibt es einen Skulpturengarten, ein umfassendes Musikprogramm sowie Foodtrucks und Bars.

Ein Nachteil ist jedoch nicht wegzudiskutieren: dass die Wand anschließend abgerissen wird. „Das ist der Wermutstropfen an der Geschichte“, sagt Kattner.

Doch immerhin ein Kunstwerk wird bestehen bleiben: Der Brasilianer Thiago Mazza wird nämlich nicht mit den anderen gemeinsam malen, sondern einen 30 Meter hohen Wohnturm am Rande des Geländes gestalten. Und der wird hoffentlich noch länger als bis 2024 stehen.

Alle Infos: callelibre.at

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