Nach Insolvenz: Wie es mit dem Café Florianihof weiter geht
Jugendstil-Interieur und Kaffeehaus-Flair im 70 Jahre alten Café Florianihof.
Der Florianihof in der Florianigasse 45 gegenüber dem Amtshaus am Schlesinger Platz hat schon einiges mitgemacht. Das Kaffeehaus mit Jugendstil-Interieur besteht seit 70 Jahren, doch vor allem die letzten drei Jahre waren turbulent. Es wurde immer wieder geschlossen, aber auch wieder neu eröffnet.
Übernommen hat zuletzt Jendrik Lowens mit „Karma Ramen“-Chef Boris Strelnikov als Teilhaber. Im Juli 2025 eröffneten sie das Café neu.
Nun, rund acht Monate später, wurde über den Alpenländischen Kreditorenverband (AKV) bekannt: Die SLS Gastro GmbH ist insolvent, es wurde ein Sanierungsverfahren ohne Eigenverwaltung eröffnet.
Die Höhe der Schulden steht noch nicht fest, betroffen sind 30 Gläubiger. Beschäftigt werden aktuell sechs Mitarbeiter.
Betreiber wechsel dich
„Wir wollen weitermachen“, sagt Lowens im KURIER-Gespräch. Das Café bleibt daher vorerst regulär geöffnet, während an der wirtschaftlichen Sanierung des Betriebs gearbeitet wird. Der Chef ist zuversichtlich, dass es von hier aus bergauf geht.
Stellt sich die Frage, was den Betrieb bisher so schwer macht. Ist es der Standort? Das Konzept Kaffeehaus? Die allgemeine Teuerung? Denn auch im Florianihof würden die Gäste immer weniger ausgeben, berichtet Lowens.
Ein Teil der Antwort lautet aber auch: Es ist die wechselhafte Vorgeschichte des Kommen und Gehens.
Der Fortbestand des Kaffeehauses gestaltet sich in den letzten Jahren schwer.
2023 wurde geschlossen, weil das Josefstädter Amtshaus übersiedelte und damit standesamtliche Hochzeiten und andere Feiern wegbrachen. Ende 2023 versuchen Simon Schubert und Julian Lechner vom Gasthaus Reznicek die Wiederbelebung. Zuerst als klassisches Kaffeehaus, dann als Abendlokal, doch nach einem Jahr erklärte man das Projekt für beendet.
"Wir haben den Standort unterschätzt"
Eineinhalb Jahre stand das Lokal leer, bevor Lowens übernahm und nun wieder als Kaffeehaus betreibt: „Wir haben den Standort unterschätzt. Es gab viel Instabilität, es war auf, zu, auf, zu. Darum ist das Café bei manchen aus dem Gedächtnis verschwunden. Aber auch jetzt noch kommen Gäste, die es kennen und sagen, sie hätten nicht gewusst, dass wieder offen ist.“
Da das Café in einer Seitengasse liege, gebe es nicht viel Laufkundschaft, man müsse „Gäste aktiv zu uns holen.“ Probiert hat Lowens im Florianihof daher schon einiges: Es wurde auch abends geöffnet, was aber nicht angenommen worden sei und der Abendbetrieb nach dreieinhalb Monaten wieder eingestellt wurde.
Wir haben viel probiert, ein gutes Fundament geschaffen und sind an einem sehr guten Punkt.
Betreiber
Statt sieben Tage die Woche ist inzwischen nur mehr an fünf Tagen von Donnerstag bis Montag geöffnet. Das Geschäft unter der Woche laufe mehr und mehr an, nur eben langsamer als erwartet.
Hoffen auf sonnigere Zeiten
Anderes laufe wiederum sehr gut, wie Frühstück und Brunch am Wochenende, an dem man so gut wie ausreserviert sei: „Wir müssen uns auf den Standort einlassen und haben viel ausprobiert. Inzwischen haben wir ein gutes Fundament geschaffen und sind an einem sehr guten Punkt“, sagt Lowens.
Um wirtschaftlich bald wieder auf besseren Beinen zu stehen, hofft Lowens auch auf den Sommer und die Schanigartensaison. Zu wünschen sind dem Kaffeehaus jedenfalls sonnigere Zeiten.
Kultlokal Tunnel sucht weiter nach Nachfolger
Übrigens: Das Kultlokal Tunnel nur ein paar Schritte weiter sucht weiterhin nach einem Nachfolger. Chef Hans Litsauer wandte sich im vergangenen Jahr auf Facebook mit einem Aufruf an die Öffentlichkeit.
Bis Jahresende sollte jemand gefunden werden, der das Lokal als Musik-Location weiterführt. Mit seinem Musik-Keller und Jazz-Konzerten gilt es als Institution. Sollte sich niemand finden, würde Litsauer auch Angebote in Betracht ziehen, die das Lokal anderweitig nutzen wollen.
Die Frist verstrich, ohne eine geeignete Nachfolge gefunden zu haben. Aufhören will das Tunnel-Team aber doch noch nicht. Man werde so lange weitermachen, bis sich jemand bereit erkläre, das Tunnel im Sinne der Kulturszene weiterzuführen, erklärt das Lokal auf Facebook
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