Der letzte Kaffee vor der Pause: Café Central schließt für Sanierung

Die Wiener Kaffeehausinstitution hat ab sofort bis zum Herbst für ihre Generalsanierung geschlossen. Gäste können auf ein Pop-up-Lokal ausweichen.
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Peter Altenberg blickt aus Pappmaché-Augen von seinem Stammplatz aus auf das Geschehen im Café Central. Er wirkt nachdenklich. Die Thonetstühle stehen an diesem Montagmorgen schon umgedreht auf den zusammengeschobenen Kaffeehaustischen, die Kuchenvitrinen sind leer. In dem sonst so belebten Kaffeehaus im Palais Ferstel, vor dem üblicherweise die Touristen Schlange stehen, herrscht eine eigentümliche Ruhe. Es ist der letzte Tag, bevor die Sanierung des Traditionskaffeehauses beginnt.

Es ist an der Zeit: Die letzte Renovierung des Café Central und des Palais Ferstel liegt mehr als 40 Jahre zurück, erzählt Kay Fröhlich, Geschäftsführer der Verkehrsbüro-Tochter Palais Events, die das Café seit 15 Jahren betreibt.

Konkret wird die Gebäudetechnik vollständig erneuert, werden sämtliche Produktions- und Küchenbereiche neu geplant – all das unter Berücksichtigung des Denkmalschutzes für das Café, das heuer sein 150. Jubiläum feiert. „Eine einzigartige Herausforderung“ nennt es Architekt Peter Klein, der für die Planung und Umsetzung der Sanierungsarbeiten zuständig ist.

Drei Männer hängen ein großes, gerahmtes Porträt in einem prunkvollen, historischen Raum auf.

Das junge Kaiserpaar wird vor der Sanierung abgehängt.

Herausfordernde Arbeiten

Denn der gesamte Aushub – 80 Kubikmeter Erde, so viel wie acht volle Lkw-Ladungen – muss über den einzigen Liftschacht an die Oberfläche transportiert werden. „Es wird alles abgetragen bis aufs nackte Erdreich“, sagt Klein über die Arbeiten im Küchenbereich unter dem Café. Dafür werden 250 Kubikmeter Installationen und 100 Kubikmeter Fliesen und Estrich rückgebaut. Mit den 800 Quadratmetern neuen Fliesen, die anschließend an Böden und Wänden verlegt werden, ließen sich vier Tennisplätze fliesen. Zudem wird das Gebäude energetisch optimiert. 

Im Gästebereich in der Säulenhalle bleibt auf den ersten Blick weitgehend alles beim alten, versichert Klein: „Eine gute Sanierung erkennt man daran, dass man sie nicht erkennt.“ Es gehe vor allem darum, die historische Substanz zu restaurieren. So werden etwa die Thonet-Sessel überholt, die Sitzbänke aufgepolstert und die traditionellen Backhausen-Stoffe originalgetreu erneuert. In die Sanierungsarbeiten werde „ein niedriger zweistelliger Millionenbetrag“ investiert, heißt es auf KURIER-Nachfrage.

Während der Schließzeit

Während der Schließzeit können Gäste auf das „Decentral“ im Palais Harrach auf der Freyung ausweichen, hier wird auch die Patisserie des Traditionshauses angeboten. „Der Rahmen ist ein bisschen anders, aber es gibt dort einen sehr schönen Gastgarten“, sagt Verkehrsbüro-Vorstand Martin Winkler. Hier kommt während der Bauphase auch ein Teil der 135 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter während der Bauphase unter. Die Arbeitsplätze können fast vollständig erhalten werden, die Mitarbeiter werden in anderen Palais-Events-Betrieben eingesetzt. Auch die 17 Lehrlinge können ihre Ausbildung fortsetzen.

Bewegte Geschichte

Im Herbst 2026 soll sich dann die „alte Dame“, wie Klein das Kaffeehaus nennt, nach den erforderlichen Operationen „wieder gesund zeigen“ können. Dass es die alte Dame überhaupt bis ins Jahr 2026 geschafft hat, war nicht absehbar.

War das Kaffeehaus um 1900 noch das geistige Zentrum der Wiener Moderne und zählte Sigmund Freud, Arthur Schnitzler, Peter Altenberg oder Leo Trotzki zu seinen Stammgästen, gab es zeitweise sogar Überlegungen, den ganzen Gebäudekomplex abzureißen und einen Neubau zu errichten. Zu groß waren die Schäden, die der Zweite Weltkrieg hinterlassen hatte. Zeitweise diente der Ferstelsaal sogar als Basketballtrainingshalle, bevor das Gebäude umfassend saniert und das Café Central nach vier Jahrzehnten Schließzeit 1982 wiedereröffnet wurde.

Vergleichsweise kurz bleiben die Türen diesmal geschlossen. Danach wird auch Peter Altenberg wieder seinen Stammplatz eingenommen haben.

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