Chronik | Wien 19.01.2012

Burschenschafter-Ball ist "Kulturerbe"

Die UNESCO hat 17 Wiener Bälle zum "Kulturerbe" erklärt - darunter das umstrittene Treffen der deutschnationalen Burschenschafter.

Elegante Roben und Fracks, perfekt einstudierte Eröffnungen im imperialen Ambiente: Keine Frage, die Bälle gehören zu den kulturellen Aushängeschildern Wiens. Das dachte sich wohl auch die österreichische UNESCO-Kommission und erhob den Wiener Ball 2010 zum immateriellen Kulturerbe.

Merkwürdig nur die Liste der 17 Bälle, die laut UNESCO dieses Kulturerbe repräsentieren sollen: Opern- und Philharmonikerball sucht man darauf vergebens, dafür aber den Ball des Wiener Korporationsringes (WKR). Das traditionelle Treffen von deutschnationalen Burschenschaftern, hohen FPÖ-Funktionären und rechtsextremen Politikern aus ganz Europa sorgt seit Jahren für heftige Kontroversen samt Gegendemos. Deshalb werden sich vermutlich die Veranstalter ab 2013 statt der noblen Hofburg ein anderes Quartier suchen müssen ( der KURIER berichtete ).

Im Wiener UNESCO-Büro gibt man sich auf KURIER-Anfrage zerknirscht: „Der WKR-Ball ist nur ein Beispiel für Wiener Bälle. Man wird im nächsten Fachbeirat noch einmal darüber nachdenken müssen“, sagt Maria Walcher, Leiterin der Nationalagentur für das Immaterielle Kulturerbe.

„Kriterien erfüllt“

Doch wie kam der Ball überhaupt erst auf die Liste? „Laut Fachbeirat, der den Antrag prüfte, erfüllte er alle formellen Kriterien eines traditionellen Wiener Balls“, sagt Walcher.

Zur Erklärung: Die UNESCO entscheidet nicht von sich aus, was zum immateriellen Kulturerbe erklärt wird, sondern prüft entsprechende Anträge von Traditionsträgern. In diesem Fall jenen des Kontaktkomitees der Nobel- und Traditionsbälle, das für ein gutes Dutzend Wiener Bälle zuständig ist. Die meisten davon – wie eben auch der WKR-Ball – finden in der Hofburg statt.

Der Opernball gehört übrigens nicht dazu. Er hat auch keinen Antrag an die UNESCO gestellt. „Es geht um die Wiener Balltradition. Politische Fragen sind in diesem Zusammenhang bisher nicht diskutiert worden“, sagt Susanne Schöner vom Komitee. Sie organisiert alljährlich den Juristen-Ball. „Aber es gibt immer wieder Dinge, die man überdenken muss.“

Ein gewisser Umdenk- Prozess hat offenbar auch schon bei der UNESCO stattgefunden. Seit Dienstag Nachmittag ist die Liste der Bälle von ihrer Website verschwunden. Walcher dazu: „Sie sorgte nur für Missverständnisse.“

(Die Diskussion hat den Boden der Sachlichkeit verlassen. Hier wurden nur noch Parolen geschwungen und andere Teilnehmer gröblichst beschimpft. Heftiger Diskurs schließt schlechte Manieren nicht zwingend ein. - die Red.)

Mehr zum Thema

  • Hauptartikel

  • Hintergrund

( Kurier ) Erstellt am 19.01.2012