Chronik | Wien
06.02.2017

Bürger demonstrierten gegen „Baummord“, der ausblieb

© Bild: Kurier/Juerg Christandl

Ein Mal mehr protestierten Projektgegner, gegen die Errichtung von 200 Wohnungen.

Gegen die Verbauung des östlichen Otto-Wagner-Areals gingen Montagfrüh Dutzende Projektgegner auf die Straße. Trotz heftigen Regens demonstrierten neben den Bürgerinitiativen „Steinhof erhalten“ und „Steinhof gestalten“, die Wiener Naturwacht, Biologe Bernd Lötsch sowie Vertreter der Penzinger Bezirks-ÖVP und der Stadt-FPÖ gegen die mutmaßlich bevorstehende Rodung von „etwa 90 Bäumen“ zugunsten des geplanten Gesiba-Projekts. Die gemeinnützige Baugesellschaft wird hier fürs Erste vier Gebäude mit etwa 60 Wohnungen errichten.

Letztlich bekamen die Demonstranten aber keine Gelegenheit für weiteren Aktionismus. Erschien doch kein einziger Arbeiter auf der Bildfläche. „Baummord“ (wie auf so manchem Transparent zu lesen war) fand gestern keiner statt. Ob bzw. wann Rodungen geplant sind, ist unklar: Gesiba-Generaldirektor Ewald Kirschner war für keine Stellungnahme zu erreichen.

Dass am Montag kein Baum gefällt wurde, ändert an der Argumentation der Bürgerinitiativen freilich wenig: Man sei gegen die Errichtung von insgesamt rund 200 Wohnungen auf dem Ostteil des Otto-Wagner-Areals und fordere dessen Nutzung für soziale Zwecke, erklärt „Steinhof erhalten“-Sprecher Gerhard Hadinger. Denkbar seien etwa ein Campus, ein Pensionistenwohnheim oder ein Spital für psychisch Kranke.

Konzept wird geprüft

Nach Ansicht der besorgten Bürger hätte das Jugendstil-Ensemble des Otto-Wagner-Areals ja Welterbe-Status verdient. Und mit der Meinung stehen sie nicht alleine da: der Denkmalpflege-Beirat ICOMOS, der das UNESCO-Komitee berät, löste Anfang vorigen Jahres sogenannten „Heritage Alert“ für das Areal aus. „Das bedeutet, man erkennt es als schützenswertes und bedrohtes Kulturgut“, sagt Hadinger.

Die grüne Vizebürgermeisterin Maria Vassilakou sicherte darauf „umfassenden Schutz“ zu. Die Stadt werde das historische Ensemble mit seinen Grünflächen und denkmalgeschützten Pavillons sowie das Erholungsgebiet Steinhofgründe erhalten.

Für Ende 2016 wurde ein Gesamtkonzept für die Nutzung des im Eigentum der Stadt bleibenden Areals nach der sukzessiven Absiedlung des Otto-Wagner-Spitals in Aussicht gestellt. Dieses vermissen die Bürgerinitiativen jedoch noch immer.

Im Büro der neuen Gesundheitsstadträtin Sandra Frauenberger (SPÖ) heißt es, das von der Wiener Standortentwicklung im Auftrag des Krankenanstaltenverbunds (KAV) erstellte Konzept sei bereits fertig und liege momentan zur Prüfung und Bewertung auf. Wann das Ergebnis bekannt gegeben wird, steht laut Ressort-Sprecher Norbert Schnurrer noch nicht fest.