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Wiener Linien
12/01/2014

Bombardier macht Rennen um neue Bim-Garnituren

Das Unternehmen liefert 156 neue Flexity-Züge für 562 Millionen Euro. Siemens zog den Kürzeren.

von Elias Natmessnig

Nach "ULF" wird künftig auch "Flexity" in Wien unterwegs sein. Der kanadische Hersteller Bombardier mit Werk in Wien bekam von den Wiener Linien den Auftrag über 156 neueFlexity-Niederflur-Straßenbahnen. Mitbewerber Siemens, der mit der bereits in Wien fahrenden ULF-Bim an der Ausschreibung teilnahm, ging leer aus.

Insgesamt investieren die Wiener Linien 562 Millionen Euro, darin inkludiert ist ein Wartungsvertrag. Dabei zahlen die Verkehrsbetriebe eine kilometerabhängige Pauschale, die Wartung wird im Auftrag und auf Risiko von Bombardier durchgeführt.

Nur noch Niederflur

Die neuen Züge werden von 2018 bis 2026 ausgeliefert und ersetzen die alten Hochflur-Züge der Type E2. Die neuen Bims sind 34 Meter lang und werden etwa 210 Fahrgästen Platz bieten. Im Gegensatz zum ULF gibt es mehr Platz für Fahrgäste, da ein Großteil der Technik auf das Dach und in die Drehgestelle gepackt ist. Beim Design will man sich am Rot-Weiß der neuen Mercedes Busse orientieren.

"Wir wollten ein Fahrzeug, das modern, bequem und umweltfreundlich ist, mit der existierenden Infrastruktur gut zusammenpasst und ein gutes Preis-Leistungs-Verhältnis bietet", begründete Wiener-Linien-Geschäftsführer Günter Steinbauer die Entscheidung.

Sie dürfte aber knapp ausgefallen sein – laut Insidern war es ein Kopf-an-Kopf-Rennen. "Die wichtigsten Kriterien waren der Preis, die technische Ausstattung und die Qualität für die Fahrgäste", erklärte eine Wiener-Linien-Sprecherin. Letztendlich hätten Kleinigkeiten für Bombardier entschieden.

Die neue Flexity von Bombardier

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Enttäuschung

Der unterlegene Bieter Siemens nahm die Entscheidung enttäuscht auf. "Die Wiener Linien haben ihre Wahl getroffen, Wir bedauern diese Entscheidung", erklärte ein Sprecher von Siemens knapp.

Denn ursprünglich gab es bereits eine Vereinbarung über ein dritte Tranche des ULF. Nach einem Kontrollamtsbericht änderten die Wiener Linien aber ihre Meinung. Denn der ULF zeigte sich als wartungsintensiv – zeitweise standen 25 Prozent der ULF-Züge in der Werkstatt und waren nicht einsatzbereit. Zum Teil mussten die Wiener Linien die ULFs auch teuer bei Siemens warten lassen.

Genau hierin sah Konkurrent Bombardier seine größten Chancen, kann doch die Flexity-Bim auf Verfügbarkeiten von 95 Prozent und mehr verweisen. Über die Entscheidung herrschte bei Bombardier naturgemäß große Freude: "Es ging ein Jubel durch das ganze Haus. Wir sind wahnsinnig stolz auf die Entscheidung", sagte eine Unternehmenssprecherin. Jetzt wolle man die beste Straßenbahn für Wien bauen.

Weltmarktführer auf der Schiene

Bombardier (Hauptsitz Montreal/Kanada) ist nach eigenen Angaben mit 6,9 Milliarden Euro Umsatz Weltmarktführer bei Schienenfahrzeugen. Zum Vergleich: Siemens rangiert mit etwa 5 Milliarden Euro – hinter zwei chinesischen Anbietern und dem französischen Transportriesen Alstom – auf Platz 5.Beide Konzerne haben das weltweite Kompetenzzentrum für Straßenbahnen – Siemens auch für U-Bahnen – in Wien. Bombardier beschäftigt im Wiener Werk 650 Mitarbeiter, für Siemens arbeiten im Werk Simmering (ehemals Simmering Graz Pauker/SGP) und in der Drehgestell-Fertigung in Graz mehr als 2000 Mitarbeiter.

Mit den österreichischen Verkehrsunternehmen sind die Erz-Konkurrenten unterschiedlich gut im Geschäft. Insgesamt hat aber Siemens wegen der Großaufträge für die ÖBB – rund 400 Taurus-Loks, railjet-Züge und neue Nahverkehrszüge (Desiro) die Nase vorne. Bombardier lieferte etwa die Regionalzüge Talent an die Bundesbahnen.

Bei den Straßenbahnen entwickelt und baut Bombardier in Wien/Donaustadt neben den U6-Garnituren für die Wiener Linien und den Zügen für die Badner Bahn Niederflur-Straßenbahnen für die ganze Welt. Derzeit laufen 70 Züge pro Jahr für Betreiber in Belgien, Manchester und Marseille ebenso gefertigt wie für die australische Gold Coast oder die Schweizer Stadt Basel vom Band. In Zürich rittert Bombardier-Straßenbahn-Chef Germar Wacker mit Siemens und Stadler um mehr als hundert Straßenbahnen in den Stadtfarben Blau/Weiß.

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