Christoph Biegelmayer

© KURIER/Gerhard Deutsch

Interview
03/01/2016

Biegelmayer: "Das Schikanieren der Unternehmer muss ein Ende haben"

Der neue Direktor des Wirtschaftsbunds, Christoph Biegelmayer, kritisiert die Stadt und fordert ein Aus der Vergnügungssteuer.

von Elias Natmessnig

KURIER: Herr Biegelmayer, Sie wurden mit 25 Jahren neuer Direktor des Wirtschaftsbunds. Einst waren das honorige Funktionäre. Was befähigt Sie, den Wirtschaftsbund zu führen?

Christoph Biegelmayer: Ich bin seit sieben Jahren in der Organisation tätig. Gestartet habe ich als Schulsprecher, als Vertreter von 1000 Schülern (lacht). Mit 18 Jahren habe ich eine Eventagentur gegründet und mich bei der Wirtschaftskammer angemeldet. Die damalige Kammerpräsidentin Brigitte Jank hat mir einen Brief geschickt, in dem stand: ‚Lieber Christoph, der Wirtschaftsbund braucht dich.‘ Natürlich war es ein Serienbrief – das habe ich schon gewusst. Trotzdem habe ich mir gedacht: ‚Ganz oder gar nicht.‘"

Werden Sie nun von allen Funktionären akzeptiert?

Wie gesagt: Ich bin seit sieben Jahren hier tätig und habe mit fast allen zu tun gehabt. 2012 etwa habe ich mich mit den Unternehmern in Ottakring wegen des Parkpickerls zusammengesetzt Wir haben mehr als 100.000 Unterschriften dagegen gesammelt und ein Unternehmerpickerl durchgesetzt. Da habe ich gesehen, was mit Kampagnen möglich ist.

Auch in der Wiener ÖVP sind viele Junge am Ruder – gibt es einen Jugendwahn bei den Schwarzen?

Es kommt sicher eine neue Generation nach. Das ist ein sehr schönes Zeichen, dass man an die Zukunft denkt.

Das heißt, mangelnde Erfahrung wird mit jugendlichem Elan wett gemacht?

Ich als Direktor bin das junge Element, um mich herum sind aber viele erfahrene Persönlichkeiten vorhanden . Wir decken die gesamte Vielfalt der Wiener Wirtschaft ab.

Der Wirtschaftsbund beklagte immer wieder die Unternehmerfeindlichkeit der Stadt, dennoch wurden im Vorjahr 7481 Unternehmen in Wien gegründet. Das sind um 160 oder 2,2 Prozent mehr als 2014.

Das grundsätzlich eine gute Entwicklung, aber das Gründerpotenzial in Wien wäre höher. Viele werden von der fehlenden Wertschätzung und den bürokratischen Hürden abgeschreckt.

Die soeben veröffentlichte Mercer-Studie zeigt aber, dass gerade Manager Wien bei der Lebensqualität erneut auf Platz eins gewählt haben.

Die Lebensqualität in Wien ist hoch. Aber wir wollen, dass Wien die unternehmerfreundlichste Stadt wird.

Wie?

Etwa bei den Lohnnebenkosten und der Bürokratie. Wir haben Bagatellsteuern, die absurd sind. Etwa die Vergnügungssteuer, die vor allem vom kleinen Glücksspiel getragen war und nun weniger als 10 Millionen Euro einbringt. Da spricht der Verwaltungsaufwand nicht dafür. Also weg mit der Vergnügungssteuer. Auch die Werbeabgabe gehört abgeschafft. So werden die Unternehmer zu entlastet. Oder bei auch die Kommunalsteuer: Kitzbühel erlässt diese Steuer für Lehrlinge. Was Kitzbühel kann, kann Wien auch schaffen.

Viele Unternehmer beklagen die steigende Bürokratie, etwa durch die Registrierkassen. Gleichzeitig werden so aber schwarze Schafe überführt. Dagegen kann der Wirtschaftsbund nicht sein, oder?

Nein, wir bekommen aber Rückmeldungen, dass die Kontrollen sehr streng angelegt werden. Eine Wirtin mit Catering wollte in der Weihnachtszeit Essen für eine Weihnachtsfeier ausliefern. Zu dem Zeitpunkt kam ein Kontrolleur von der MA 36, der die Gas- und Heizungsbescheide sehen wollte. Die Wirtin sagte, es tue ihr leid – aber sie müsse nun das Essen ausliefern. Der Beamte ist abgezogen und hat eine Anzeige über 500 Euro gestellt. Ein Unternehmer entzieht sich nie einer Kontrolle, aber es muss in einem gewissen Ausmaß passieren. Das Schikanieren der Unternehmer muss ein Ende haben.

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