Strache über Angeklagten: „Er ist mit mir hausieren gegangen“
Heinz Christian Strache als Zeuge vor Gericht.
Auf der Anklagebank am Wiener Landesgericht sitzt ein 53-jähriger Mann, dem schwerer gewerbsmäßiger Betrug und Urkundenfälschung vorgeworfen wird.
Letzteres gab der Angeklagte zu, die inkriminierten Betrugshandlungen stellte er in Abrede. Er sei „ein Business Angel“, bekräftigte der gebürtige Niederländer.
Die Staatsanwaltschaft skizzierte im Anklagevortrag bei der ersten Verhandlung das Bild eines Hochstaplers, der einen Schaden von knapp über 1,6 Millionen Euro angerichtet habe. Bei weiteren 400.000 Euro sei es beim Versuch geblieben. „Er hat das Blaue vom Himmel versprochen.“
Die Verteidigung zeichnet ein anderes Bild. Abgesehen von den Urkundenfälschungen habe es die Finanzierungen tatsächlich gegeben, diese seien nur „gescheitert“. Und das komme in der hochkomplexen Finanzwelt eben vor.
„Ist mit mir hausieren gegangen“
Der Fall bringt auch prominente Personen in den Zeugenstand. So soll der ehemalige FPÖ-Vizekanzler Heinz-Christian Strache ein Opfer des mutmaßlichen Betrügers gewesen sein. Der Angeklagte selbst hat von sich immer wieder Fotos mit Prominenten gepostet, um die Akquise von Kunden zu forcieren.
Daran kann sich auch Heinz-Christian Strache gut erinnern: „Ich habe Medientermine und Pressekonferenzen mit ihm gemacht. Mit den Fotos ist er dann hausieren gegangen.“
„Das war eine Riesensache“
Dabei hat Strache, der über Ibiza gestolperte Vizekanzler, im Jahr 2023 fest daran geglaubt, dass die Immobilien- und Finanzprojekte des nunmehrigen Angeklagten eine große Sache wären.
„Für die Immobilienbranche wäre das wichtig gewesen, die Modelle waren von großen Banken geprüft“, versichert Strache: „Das war eine Riesensache, ich habe daran geglaubt.“
Zu dem Angeklagten ist Strache übrigens über einen FPÖ-Mann gekommen, Christian Höbart. Über diesen habe der Angeklagte den Kontakt zu Strache gesucht. Und gefunden.
Vom Luxushotel ins „Loch im Hinterhof“
Straches Rolle seien dabei ausschließlich Akquisitionen gewesen, ebenso die Promotion in der Öffentlichkeit. Nach einem ersten Termin im Luxushotel Hyatt habe er über 100 Termine für und mit dem Angeklagten absolviert.
„Es gab Provisionsvereinbarungen. Als Ende Jänner 2024 die ersten Summen nicht geflossen sind, habe ich Honorarnoten für Medienbetreuung gestellt.“
Der Verteidiger - er ist mit dem Zeugen Strache auch bei der Verhandlung per Du - lässt durchklingen, Strache habe Anzahlungen aus den angeklagten Summen erhalten. Die Richterin greift ein, belehrt Strache, dass er das nicht beantworten müsse. Dieser stellt aber klar: „Das stimmt nicht.“
Strache war lange vom Modell überzeugt
Wirklich skeptisch sei er geworden, als es auch bis Mitte Juni immer nur Ausflüchte und Ausreden zu den versprochenen Zahlungen gegeben hat. „Dann haben wir über eine Anzeige nachgedacht“, gibt Strache zu Protokoll und ergänzt: „Da hat es dann auch Beschimpfungen gegeben.“
Dann kommt Straches Land Rover zur Sprache, den der Angeklagte nach einem Schaden in seine „Werkstatt“ abschleppen ließ. „Als ich die Werkstatt gesehen habe, hat mich der Schlag getroffen, das war ein Loch in einem Hinterhof“, sei er entsetzt gewesen.
Badener Hotels Sauerhof und Sacher
Dann ist Siegmund Kahlbacher an der Reihe. Und die schillernden Immobilienprojekte um das Grand Hotel Sauerhof und das Hotel Sacher sowie andere kommen zur Sprache. Dabei geht es eigentlich nur um eine Zahlung von 12.800 Euro, die Kahlbacher geleistet und nicht mehr zurückbekommen hat.
Siegmund Kahlbacher.
Allerdings wird über Investitionen in Millionenhöhe geredet. Es geht um 130 Millionen Euro und eine erste Tranche über 35 Millionen Euro, die dann auf 45 Millionen Euro aufgestockt wurde, um alle Provisionen, etwa auch jene von Strache, zahlen zu können. Dieses Geld sei aber nie geflossen.
„Ich habe den Angeklagten über Strache kennengelernt“, beschreibt Kahlbacher seine Beziehung, die erst sehr freundschaftlich gewesen sei.
Auch er berichtet von einem Investitions- und Finanzierungsportfolio des Angeklagten, das von einer Bank überprüft und als vielversprechend bezeichnet worden sei.
„Habe dem Vizekanzler geglaubt“
Ein konkretes Projekt, das der Angeklagte realisiert hat, habe er aber nie gesehen, räumt Kahlbacher auf Nachfrage der - zusehends genervt wirkenden - Richterin ein: „Wenn mir ein ehemaliger Vizekanzler sagt, dass das gut ist, habe ich das geglaubt.“
Da setzt der Verteidiger an - nämlich an der Glaubwürdigkeit Kahlbachers als Zeuge. Diese will er mit Fragen zu den Eigentumsverhältnissen der angebotenen Liegenschaften erschüttern.
Etwa, weil Kahlbacher vorerst unerwähnt ließ, dass die Teileigentümerin eines Objektes seine Ex-Frau ist. Ob sie als Treuhänderin für ihn agiere, will der Verteidiger wissen. „Nein, das schwöre ich bei meinen Kindern. Zwei hab ich noch, zwei sind schon gestorben“, reagiert Kahlbacher zusehends emotional.
Und auch die Antwort auf die Frage zur Baugenehmigung bei einem Projekt, das nun Gegenstand der Betrugsanklage ist, lässt ratlos zurück.
„Was brauche ich eine Baugenehmigung, wenn ich das mit der Gemeinde besprochen habe?“, sieht Kahlbacher im Fehlen dieser überhaupt kein Problem. Was Kahlbacher übrigens vor Gericht auch eingeräumt hat: Dass er kein Geld mehr hat. „Ich bin im Privatkonkurs.“
Die Verhandlung wurde zur Einvernahme weiterer Zeugen erneut vertagt.
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