Chronik | Wien
23.09.2017

Benefizkonzert für Flüchtlingsschulen

Gardemusik, Stargeiger Julian Rachlin und die Wiener Symphoniker spielen in der Hofburg für Schüler in Jordanien.

Nicht nur reden, sondern auch Handeln ist das Credo von SPÖ-Verteidigungsminister Hans Peter Doskozil. So kam es auch zu einer einmaligen musikalischen Kooperation, die sich Freunde der Kultur eigentlich nicht entgehen lassen dürfen: Am 26. Oktober spielt in der Wiener Hofburg erstmals die Gardemusik gemeinsam mit den Wiener Symphonikern ein Konzert. Höhepunkt ist der Auftritt von Stargeiger Julian Rachlin. Er wird das Violin- und Orchesterkonzert in D-Dur von Brahms spielen. „Man nennt es den Grand Slam unter den Violinkonzerten“, so Rachlin.

Der Reinerlös des Benefizkonzerts (Kartenpreis 50 Euro, siehe Kasten rechts) geht nach Jordanien, um syrischen Flüchtlingskindern eine Schulausbildung zu ermöglichen. „Mit den Einnahmen sollen drei Schulen für Flüchtlingskinder renoviert werden. Wenn wir wollen, dass die Flüchtlinge nicht nach Europa kommen, dann müssen wir ihnen eine Perspektive in Jordanien geben“, so Doskozil über seine Motivation.

Als Partner für die Realisierung des Projekts arbeitet das Heeresministerium mit dem Middle East Children‘s Institute – kurz MECI Austria genannt – zusammen. Die Hilfsorganisation betreibt in Jordanien derzeit 20 Schulen, in denen rund 7000 syrische Flüchtlingskinder unterrichtet werden. In den MECI-Schulen wird den Flüchtlingskindern ein sicherer Platz zum Lernen, Sozialisieren, Spielen und Herausbilden ihrer Persönlichkeiten gegeben. Das ist der erste Schritt in eine positive Zukunft für diese traumatisierte Generation. In den MECI-Schulen wird auch stark Integration gelebt.

KURIER: Herr Rachlin, wie kam es zu diesem Benefizkonzert?
Julian Rachlin:Mit der Flüchtlingskrise sind wir mit einer ganz großen Problematik konfrontiert. Die Flüchtlingskinder in Syrien können nicht jahrelang ohne Bildung bleiben, sonst entsteht eine hoffnungslose Generation. Mir hat das Projekt des Verteidigungsministeriums, Schulen in Jordanien zu renovieren sehr gut gefallen. Deswegen habe ich sofort zugesagt.

Was ist das Besondere an diesem Konzert?
Rachlin: Ich bin in der klassischen Musik zu Hause. Das ist mein Revier. Aber ich bin ein neugieriger Mensch und bin offen für neue, spannende Projekte – und die Kombination Wiener Symphoniker trifft Gardemusik gab es noch nie.
Hans Peter Doskozil: Nachdem wir im Vorjahr die Militärmusik wieder in alter Stärke ins Leben gerufen haben, ist das Konzert ein starkes Zeichen, wie man die Gardemusik einsetzen kann. Wenn man so ein Potenzial hat, ist es zu einem gewissen Grad auch eine Verpflichtung, Benefizkonzerte zu veranstalten. Das war mein Ansatz, diese Kooperation zu initiieren.

Herr Minister, in der Innenpolitik stehen Sie für eine schärfere Flüchtlingspolitik. Da erscheint es ungewöhnlich, dass ausgerechnet Sie ein Benefizkonzert ins Leben rufen...
Doskozil: Überhaupt nicht. Die Kooperation mit dem Middle East Children‘s Institute startete schon im Vorjahr. Da haben wir in einem ersten Schritt mit der Hercules Winterkleidung für die syrischen Flüchtlingskinder nach Jordanien geflogen. Als ich im Dezember durch die Schulklassen ging, gab es zwar auch lachende Kinder, aber viele Augen der Flüchtlingskinder waren traurig. Damals habe ich versprochen, dass es nicht bei dieser einen Aktion bleiben wird. Das Konzert ist nun der zweite Schritt. Es ist ein Tropfen auf dem heißen Stein. Aber viele solche Tropfen bewirken, dass in Jordanien etwas in die Gänge kommt und die Kinder wieder ein wenig Hoffnung schöpfen. Was das Projekt auch ausmacht ist, dass wir in Jordanien mit dem Middle East Children‘s Institut einen sehr verlässlichen Partner haben und so gezielt helfen können.

Herr Rachlin, was darf man sich von dem Konzert erwarten?
Es ist eines der vier größten Violinkonzerte. Die Herausforderung ist für den Dirigenten, das Orchester und den Solisten enorm. Es ist einfach ein würdevolles Konzert für einen sehr würdevollen Anlass.