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„Verheerende Folgen“ nach Behandlung durch falsche Ärztin

Eine 46-Jährige führte in ihrer Beauty-Klinik in der Wiener Innenstadt Schönheitsbehandlungen durch. Allein: Sie war keine Ärztin.
Justizwachebeamte im Gerichtssaal neben einer Frau am Tisch.

Gelähmte Muskulatur im Gesicht, herunterhängende Augen, Schwellungen, Migräne, Knubbel, Blutungen: Die „Nebenwirkungen“, die die Behandlungen einer angeblichen Schönheitsärztin verursachten, haben es in sich. Die 46-Jährige soll sich fälschlicherweise in Wien als Ärztin ausgegeben und zahlreichen Patientinnen schwere Verletzungen zugefügt haben. 

In 39 Fällen wird der Frau schwere Körperverletzung vorgeworfen. Mit einiger Verspätung wird ihr nun der Prozess wegen Untreue, schweren gewerbsmäßigen Betrugs, schwerer Körperverletzung und Kurpfuscherei gemacht.

Die 46-jährige gebürtige Iranerin mit deutscher Staatsbürgerschaft wird aus der U-Haft vorgeführt. Sie erscheint im Nadelstreif-Outfit, ungeschminkt und mit zerzausten Haaren.

Als der Staatsanwalt damit beginnt, die Anklage vorzubringen, macht sie sich Notizen, blättert in etlichen Zetteln.

Die Anklage ist üppig. „Es geht nicht nur um die illegalen Schönheitseingriffe“, führt der Staatsanwalt aus. „Wir haben auch eine Vielzahl an Vermögensdelikten.“ So wurden etwa für reiche Iraner Firmen in Österreich gegründet – um so leichter Aufenthaltsgenehmigungen in Österreich zu bekommen. Das investierte Geld soll die Frau aber für sich selbst verwendet haben.

„Frau Doktor“

Doch das ist nur ein Nebenaspekt. Im Kern geht es sehr wohl um die Geschäfte der „Frau Doktor“, wie sie sich nennen ließ. Allein: Eine ärztliche Ausbildung hatte sie keine. Für Kundinnen der Schönheitsklinik gab es keinen Anlass, daran zu zweifeln. Zumindest vorerst. „Sie hat mit der Gesundheit der Menschen gespielt. Sie hatte weder die fachliche Qualifikation noch die gesetzlichen Voraussetzungen für operative kosmetische Eingriffe. Es gab verheerende Folgen“, sagt der Ankläger. Darunter leidet etwa Snezana A. Sie ist mit Anwalt Alfred Boran zum Verhandlungsauftakt gekommen. Ihr wurde die Nase schwer verunstaltet.

Snezana A. mit Anwalt Alfred Boran

Snezana A. mit Anwalt Alfred Boran

Die Eingriffe sollen zwischen 2021 und 2023 in bester Wiener Innenstadt-Lage durchgeführt worden sein. Dass der Prozess erst Jahre später stattfindet, hängt auch damit zusammen, dass sich die Frau ins Ausland absetzte. Erst im vergangenen Mai war ihre Flucht zu Ende. Sie wurde mit europäischem Haftbefehl in Paris festgenommen und nach Wien in die Justizanstalt überstellt.

Rechtsanwalt Rudi Mayer versucht zu relativieren: In den 1,5 Jahren, in denen die Frau tätig war, gab es insgesamt 2.929 Patientinnen. Ein Großteil hatte nach den Eingriffen keine Beschwerden. Und: „Niemand hatte ein Interesse, dass irgendetwas passiert, es wurde viel investiert“, führt er aus.

Urteil wird es heute keines geben. Am Donnerstag ist nur die Einvernahme der falschen Ärztin geplant. Die vielen Opfer werden bei einem zweiten Prozesstermin die Möglichkeit bekommen, ihre Geschichten zu erzählen.

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